Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Henner Simianer über moderne Tierzucht

Kein Zuchterfolg ohne Konflikte Henner Simianer über moderne Tierzucht

Die Nachkommen sollen immer ein Stück besser werden als die Elterngeneration. Über „Genomische und andere Revolutionen der Tierzucht“  sprach Prof. Henner Simianer,  Nutztierwissenschaften der Universität Göttingen, bei der Vorlesungsreihe „Landwirtschaft zwischen Idylle und Hightech“.

Voriger Artikel
Souveränität auf dem Prüfstand
Nächster Artikel
Auszeichnung ermöglicht Forschungsaufenthalt
Quelle: dpa

Göttingen. Gleich zu Beginn räumte Simianer Annahmen fort, die moderne Tierproduktion und Zucht zeuge von romantischer Landwirtschafts-Idylle: „Wir schrauben niemals nur an einem einzelnen Tier herum. Uns ist immer daran gelegen, dass die Nachkommen ein Stück besser werden als die Elterngeneration“. In wirtschaftlicher Weise sollten die Produkte erzeugt werden können, die der Markt nachfrage.

Genetische Veränderungen habe man bereits in vielen Dimensionen erwirken können. Dies werde nicht nur in Leistungsmerkmalen widergespiegelt, wie an der in den vergangenen 20 Jahren enorm gestiegenen Menge an Milch, die Kühe während einer Laktation zu geben vermögen. Auch funktionale Merkmale wie Gesundheit, Fitness und Fruchtbarkeit der Tiere konnten durch gezielte Verfahren verbessert werden.

Allerdings sei der Zuchterfolg begleitet von Konflikten: „Wenn eine Kuh auf Leistung gezüchtet wird, fließt all die Energie der Kuh folglich in die Milchproduktion, dafür aber nicht mehr in ihr Immunsystem“, verdeutlichte Simianer. Auch müssten viele andere Faktoren, beispielsweise die Umweltbeschaffenheit oder die medizinische Versorgung die Leistungen des genetischen Potentials unterstützen.

„Man züchtet für Bedingungen in der Zukunft, daher muss man die zukünftigen Bedingungen auch absehen können“, gibt Simianer zu bedenken. Bis man Zuchterfolge erkennen könne, vergingen beispielsweise in der Pferdezucht 20-30 Jahre.

Die erste der drei technischen Revolutionen, die künstliche Besamung, sei nicht durch Effizienzgedanken, sondern aus zuchthygienischen Gründen entwickelt worden. Der Nebeneffekt, dass ein Bulle statt 100 nun 10000 Nachkommen im Jahr zeugen konnte, zog alsbald die Entwicklung der markergestützten Selektion und schließlich die genomische Revolution nach sich. So könne man heute kosteneffizient züchterischen Mehrwert produzieren.

Es brauche eine Steigerung in der Tierproduktion um zwei Prozent, um die wachsende Erdbevölkerung zu ernähren. In Deutschland könne ohne weitere technische Entwicklung nur ein Prozent erreicht werden. Neue Methoden wie das Genome Editing versprechen theoretisch eine vierte technische Revolution – Hemmnis allerdings sei die gesellschaftliche Akzeptanz.  

Nächster Vortrag: Ökologischer Landbau: Idylle oder Hightech?, Prof. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstitutes für ökologischen Landbau (FiBL), Dienstag, 3.Mai, um 18.15 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger