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Historiker Borgolte untersucht Stiftungen für das Seelenheil

Chancen im Nachleben Historiker Borgolte untersucht Stiftungen für das Seelenheil

Was kommt danach? Vielleicht ist die Frage nach einem Leben nach dem Tod eine der grundlegendsten Überlegungen des menschlichen Daseins. Aber ewige Glückseligkeit gibt es nicht umsonst.

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Historiker: Michael Borgolte.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. In der Vorstellung zahlreicher Religionen ist der Stand des einzelnen Gläubigen in der Ewigkeit abhängig von seinem Wirken im Diesseits. Welche irdischen Möglichkeiten ein Individuum nach Auffassung unterschiedlicher religiöser Strömungen hatte um seine Chancen im Nachleben zu verbessern, erforscht der Historiker Prof. Michael Borgolte von der Humboldt-Universität Berlin. Beim Germania Sacra-Colloquium sprach Borgolte über „Stiftungen ‚Für das Seelenheil‘ – ein weltgeschichtlicher Sonderfall?“ in der Universitätsbibliothek.

Die Geschichte der Stiftungen lässt sich bis ins Mittelalter verfolgen. „Adressaten der Stiftungen waren meist Kirchen oder Klöster“, sagt Borgolte. Ein Beispiel wäre eine Stiftung für ein Kloster, wofür die Klosterbewohner als Gegenleistung für den Stifter Fürbitte halten. Für die Mittelalterforschung bestehe kein Zweifel, dass die Stiftungen der vormodernen Zeit das private Seelenheil des Stifters zum Ziel hatten, sagt Borgolte. Aber er plädiert für einen globaleren Blick der Wissenschaft. In seiner Forschung nimmt er deshalb auch das nichteuropäische Stifterwesen in den Blick.

Dabei kommt heraus, dass Stiftungen keinesfalls nur ein europäisches Phänomen sind. Auch im Zoroastrismus sei die Vorstellung des verdienten Seelenheils verbreitet. Der einzelne habe es selbst in der Hand, meint Borgolte. Der Zoroastrismus begründet sich auf den iranischen Priester Zarathustra, der im ersten oder zweiten Jahrtausend vor Christus lebte. Ob es zu der Zeit Zarathustras schon Stiftungen gab, sei nicht geklärt, sagt Borgolte. Es spreche aber alles dafür, dass zoroastrilsche Stiftungen zum Vorbild für christliche oder jüdischen Stiftungen gedient haben, sagt der Forscher.

Von Daniela Lottmann

Germania Sacra

Die Erforschung der deutschen Kirchengeschichte im Projekt Germania Sacra geht zurück auf den Mediävisten Paul Kehr. Er begründete 1917 am Kaiser-Wilhelm-Institut für deutsche Geschichte das Projekt Germania Sacra (später als „Alte Folge“ bezeichnet). 1956 wurde die Germania Sacra an das neu gegründete Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen übertragen und wurde als „Neue Folge“ fortgeführt.

Nach der Schließung des Instituts übernahm die Union der Akademien in Deutschland 2008 für weitere 25 Jahre die Verantwortung für die Germania Sacra. Die „Dritte Folge“ der Germania Sacra wurde als Arbeitsstelle an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen eingerichtet.

adw/jes

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