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Historiker Rudolf von Thadden gestorben

Mit 83 Jahren Historiker Rudolf von Thadden gestorben

Der Historiker Rudolf von Thadden ist tot. Der Geschichtswissenschaftler sei nach schwerer Krankheit am Mittwoch im Alten von 83 Jahren gestorben, teilte der Göttinger Wallstein-Verlag am Freitag mit. 

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Rudolf von Thadden (rechts)  im Jahr 2011 bei einer Lesung in Göttingen mit dem französischen Regisseur Claude Lanzmann.

Quelle: JV

Göttingen. Der frühere Rektor der Universität Göttingen habe in seinen Arbeiten die Geschichte Deutschlands und Europas erforscht und beschrieben, heißt es in der Mitteilung.

Sein besonderes Augenmerk lag dabei auf Polen und Frankreich. Der Aussöhnung mit diesen Ländern galt neben dem wissenschaftlichen auch sein politisches Engagement. Er veröffentlichte zahlreiche Werke zur französischen und deutschen Geschichte der Neuzeit.

Von Thadden war im Auftrag der Bundesregierung Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit und Direktor des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa. Zudem war der Sozialdemokrat unter anderem auch Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages und der Académie Universelle des Cultures in Paris.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag trauere um Thadden, teilte Generalsekretärin Ellen Ueberschär mit: Mit ihm verliere der Kirchentag einen einzigartigen Menschen, der mit seiner großen geistigen Präsenz die protestantische Laienbewegung geprägt habe. Für den emeritierten Historiker und Sohn des Kirchentagsgründers Reinold von Thadden-Trieglaff sei der Kirchentag Teil seines Lebens gewesen. „Er verkörperte einen protestantischen Geist der Toleranz, der immer beides zusammenhielt und gelten ließ - die Tradition und die Traditionskritik, den Glauben und den Zweifel, die Aufklärung und das Festhalten an christlichen Überzeugungen", sagte Ueberschär. Thadden war von 1966 bis 1974 Mitglied und seit 1984 Ehrenmitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Auf Kirchentagen der 60er-Jahre war er an großen Foren zur Kirchenreform beteiligt. Später stand für ihn das Thema Europa stärker in Mittelpunkt. Bei seinem Auftritt auf dem Kirchentag 2015 in Stuttgart widmete sich der Historiker dem Wirken seines Vaters. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au würdigte den Verstorbenen als großen europäischen Denker, "der mit uns seine Vision geteilt und uns ermutigt hat, über die Grenzen hinaus zu denken". Die Schweizer Theologin ergänzte: "Dass wir uns auf den Weg zu einem Europäischen Kirchentag gemacht haben, ist nicht zuletzt auch sein Verdienst. Er wird uns mit seinem Wissen und seiner Vernetztheit auf diesem Weg sehr fehlen."

Thadden studierte Geschichte, Romanistik und Evangelische Theologie. An der Universität Göttingen war er von 1968 bis zu seiner Emeritierung Professor für Mittlere und Neuere Geschichte. Neben französischer Geschichte der Neuzeit erforschte Thadden vor allem die preußische Geschichte seit dem 17. Jahrhundert, die vergleichende Kulturgeschichte Europas sowie die Kirchengeschichte. Er verfasste zudem Bücher zur Geschichte der Hugenotten und des Liberalismus. Von 1985 bis 1994 war von Thadden zudem Präsident des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Von 1999 bis 2003 war er Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit. lni/epd

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