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Hochschulgruppe Kritische Ökonomie Göttingen diskutiert über Wachstum

Wirtschaft, Wachstum und die Folgen Hochschulgruppe Kritische Ökonomie Göttingen diskutiert über Wachstum

Die Politik wird unruhig, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst. Dann steigt der Druck auf die Zentralbank, die Leitzinsen zu senken. Konjunkturprogramme werden aufgelegt. Aber ist Wachstum angesichts seiner ökologischen und sozialen Folgen wirklich erstrebenswert? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion der Hochschulgruppe Kritische Ökonomie Göttingen. 130 Zuhörer kamen ins Zentrale Hörsaalgebäude der Universität.

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Geld, Reichtum und Wirtschaftswachstum ergeben nicht automatisch mehr Lebenszufriedenheit.

Quelle: dpa

Göttingen. Wirtschaftswachstum hat nur begrenzt etwas mit steigender Lebenszufriedenheit der Menschen zu tun, da waren sich die Prodiumsteilnehmer einig. „Nur bis zu einem Jahreseinkommen von 65   000 Euro macht mehr Geld glücklicher“, stellte der Göttinger Professor für Volkswirtschaftslehre Kilian Bizer (45) klar.

Andererseits führt zunehmender Stress zu Depressionen, gab die Volkswirtin und Historikerin Friederike Habermann (44) zu bedenken. Paradoxerweise ließen mehr Krankenhausaufenthalte und zunehmender Verbrauch an Psychopharma das Bruttoinlandsprodukt sogar steigen.

Im Bruttoinlandsprodukt findet die Zerstörung der Umwelt kaum Berücksichtigung, ergänzte Bizer. Außen vor bleiben zudem alle ehrenamtlich erbrachten Leistungen, betonte der Bundestagsabgeordnete der Grünen Thomas Gambke (65). Wenn Menschen aufgrund steigender Arbeitsbelastung für das Ehrenamt keine Zeit mehr hätten, sinke der Wohlstand.

Einigkeit herrschte darüber, dass Wachstum zu steigendem Ressourcenverbrauch und damit zu ökologischen Schäden führt. Den Preis zahlten vor allem die Länder der Dritten Welt, erklärte Habermann. Gambke forderte mehr Entwicklungshilfe. Die wirksamste Entwicklungshilfe, erwiderte Bizer, sei eine Öffnung des europäischen Markt für Agrarprodukte aus der Dritten Welt. Damit würde allerdings die europäische Landwirtschaft verschwinden.

Habermann setzt, vereinfacht ausgedrückt, auf ein gemeinschaftliches, nicht durch Konkurrenz geprägtes Wirtschaften. Dabei seien das Internet, das Menschen vernetze, und 3D-Drucker, die günstige Kleinserienproduktionen ermöglichten, hilfreich.

Bizer vertraut auf technischen Fortschritt und steuernde Gesetze. Er drängt zum Beispiel auf eine Verlängerung der Garantiefristen, um längere Haltbarkeit von Produkten zu erreichen. Für ökologisch sinnvolle Gesetze, wie einen Veggietag in der Woche oder Tempo 30 in den Städten, so Gambke, seien Mehrheiten nötig. Diese kommen nach seiner Ansicht allerdings oft erst nach dem heilsamen Schock von Katastrophen zustande: So sei der Atomausstieg in Deutschland bis zum Reaktorunfall in Fukushima (Japan) undenkbar gewesen.

Von Michael Caspar

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