Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Horizontaler Gentransfer

Forscherteam mit Göttinger Beteiligung Horizontaler Gentransfer

Die Übertragung von Erbgut erfolgt in der Regel „vertikal“ von Generation zu Generation. Ausgesprochen selten ist der horizontale Austausch von Genen zwischen zwei gleichzeitig lebenden Organismen. Dieses Phänomen hat ein Forscherteam nun zwischen Bakterien und Stabschrecken nachgewiesen.

Voriger Artikel
Neuauflage von „Ketzer“ erschienen
Nächster Artikel
25 Jahre studentisches a cappella

Das Team entdeckte bei Stabschrecken den Gentransfer aus Darmbakterien.

Quelle: r

Göttingen. Stabschrecken sind große pflanzenfressende Insekten, die sich zum Schutz vor Fraßfeinden als Äste oder Zweige tarnen. In einer Kooperation zwischen dem Göttinger Evolutionsbiologen Dr. Sven Bradler und dem Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena wurde das Genom von 38 Stabschrecken-Arten untersucht und in deren Erbgut Pektinasen gefunden, die sie eigentlich gar nicht haben dürften. Pektinasen sind Enzyme, mit deren Hilfe die Insekten Pflanzen verdauen, genauer deren Pektine (festigende Zucker in den Zellwänden von Pflanzen). Da Tiere diese nicht selbst herstellen können, benötigen sie hierfür die Unterstützung von Mikroorganismen im Darm.

„Um derartige Symbionten, also Organismen, die zum wechselseitigen Vorteil zusammenleben, beherbergen zu können, haben Pflanzenfresser in der Regel Blindsäcke und ähnliche Erweiterungen im Magen-Darm-Trakt entwickelt, allerdings nicht die Stabschrecken“, so Dr. Bradler, Co-Autor vom Göttinger Institut für Zoologie und Anthropologie. Diese brauchen die Insekten auch nicht mehr, da sie Pektinasen mittlerweile selbst herstellen können. „Offenbar stammen diese Enzyme aus dem Erbgut ehemaliger Darmbakterien.“

Nach Berechnungen der Wissenschaftler wurden die entsprechenden Gene vor 60 bis 100 Millionen Jahren bei einem Vorfahren der heutigen Stabschrecken von dessen Darmbakterien übertragen. „Hierbei könnte es sich um ein Schlüsselereignis in der Evolution der Stabschrecken gehandelt haben, denn erst die Unabhängigkeit von den speziellen Bakterien erlaubte es den Insekten, ihre außergewöhnlichen Körperformen hervorzubringen“, so Dr. Bradler. Horizontaler Gentransfer spielt möglicherweise eine viel größere Rolle in der Evolution der Lebewesen als bisher angenommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ausstellung „on/off“ über den Nobelpreis in der Alten Mensa Göttingen