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Das grüne Klassenzimmer ist zurück

Alter Botanischer Garten Das grüne Klassenzimmer ist zurück

 Mit Keschern und Eimern fangen die Grundschüler Frösche und Kaulquappen und gucken sie sich ganz genau an. Das ist Teil des neuen Grünen Klassenzimmers im Alten Botanischen Garten. Mit Gärtnerin und Sozialpädagogin Kerstin Rapp können Kindergartenkinder und Grundschüler hier die Natur erforschen.

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Quelle: Wenzel

Göttingen. Bis vor einigen Jahren gab es bereits die Grüne Klasse. Doch sie musste wegen der fehlenden finanziellen Unterstützung aufgegeben werden. „Die Bevölkerung hat mich nach Ende des Projektes immer wieder adressiert“, sagt Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen. Das Interesse an so einem Angebot sei groß gewesen. Nun ist das Grüne Klassenzimmer als Projekt der Uni Göttingen – mit leicht abgeändertem Namen – zurück. „So eine Klasse ist extrem wichtig. Es gibt immer wieder Kinder, die noch nie eine Seerose gesehen oder einen Frosch gehört haben“. Es gebe zwar schon das Schülerlabor B-Lab, das sich mit naturwissenschaftlichen Themen auseinandersetzt, das Grüne Klassenzimmer spreche aber jüngere Schüler an, so Beisiegel.

Ein Gegengewicht zur Digitalisierung

„Die Sparkasse hat jahrelang den Garten unterstützt, jetzt unterstützt sie auch das Grüne Klassenzimmer“, erklärte Beisiegel, wie das Projekt jetzt finanziert wird. Die Sparkasse Göttingen habe in den vergangenen Jahren etwa 60.000 Euro unter anderem in die Restaurierung des „Haller’schen Gartens“ gesteckt und unterstütze nun das Grüne Klassenzimmer, sagte André Schüller, Vorstandsmitglied der Sparkasse Göttingen. „Grünes Klassenzimmer, ist das jetzt eine App?“, habe er sich zu Anfang gefragt, erzählt Schüller und sei dann begeistert von dem Projekt gewesen: „Wenn dir ein echter Käfer über die Hand läuft ist es doch etwas anderes als wenn man es auf einer App sieht.“

Die Kurse

Die Angebote des Grünen Klassenzimmers im Alten Botanischen Garten, Untere Karspüle 2, sind jahreszeitlich geordnet: Von März bis Mai stehen Frühblüher im Lern-Mittelpunkt, von April bis Juli wird das Leben im Teich behandelt. Von Mai bis Oktober wird sich außerdem mit Bäumen befasst, von Juni bis Oktober mit Heil- und Nutzpflanzen. Von August bis November stehen dann Verbreitungsstrategien von Früchten und Samen im Vordergrund.

Dieses außerschulische Angebot gilt für Kindertagesstätten und Grundschulen. Eigenes Erleben und Experimentieren stehen dabei im Vordergrund, vor jedem Kurs gibt es eine Absprache mit der Lehrkraft. Anmeldungen für die jeweils 90 bis 120 Minuten dauernden Kurse können unter  gruenesklassenzimmer@uni-goettingen.de erfolgen. Die Kurse kosten 1 Euro pro Kind. hsc

Und auch vom Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD) erfährt das Projekt viel Zuspruch. „Es gibt in Göttingen ein paar faszinierende außerschulische Lernorte. Der schönste ist der Alte Botanische Garten“, sagte er. Dort mit Kindern zu arbeiten sei eine naheliegende Idee. „Die Kinder brauchen ein Gegenwicht zur Digitalisierung“, so seine Meinung. Kinder seien von Natur aus experimentierfreudig und könnten hier viel lernen. Am liebsten wäre er jetzt selbst wieder ein Kind, meinte er. „Wir machen mal eine Klasse für Erwachsene“, so Beisiegels nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag.

Das grüne Klassenzimmer im Alten Botanischen Garten

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Auf einem kleinen Tisch zeigt Rapp, die die Kurse mit den Kindern durchführt, verschiedene Instrumente und Materialien zum Experimentieren. Eine Schaufel, ein Seil, Riechdosen, Kräuter und einige Becherlupen zum Betrachten von Insekten stehen dort. Eins davon reicht die Gärtnerin dem Politiker Oppermann. „Was ist das?“, fragt sie. „Sieht ein bisschen nach einem Grashüpfer aus“, vermutet der. Es ist allerdings eine Libellenlarve, wie Rapp aufklärt.

Fünf Themenangebote im Grünen Klassenzimmer

Genau solche Aufgaben bearbeitet sie auch mit den Kindern, die gerade kreischend umherlaufen, weil sie endlich einen Frosch gefangen haben. „Wir haben schon viele gesehen, aber noch keinen gefangen“, hatte der siebenjährige Oskar gerade noch gesagt – da änderte sich die Lage schon. „Wir haben im Moment fünf Themenangebote“, erklärt Rapp den Aufbau des Grünen Klassenzimmers. Diese seien jahreszeitlich geordnet, zurzeit sei das Thema Teich dran.

„Die Kinder wachsen heute zum Teil nicht mehr sehr naturbezogen auf“, sagt sie. Aber wenn ihnen Raum dafür gegeben werde, seien sie schnell dabei und interessiert. Apropos Raum: „Das Grüne Klassenzimmer hat schöne Freilandbereiche, aber keinen Raum“, teilte Prof. Erwin Bergmeier, Direktor des Alten Botanischen Gartens, mit. Es fehle ein wirkliches Klassenzimmer – kein grünes im Garten selbst, sondern eins in einem Gebäude. Eine Lösung hierfür konnte Universitätspräsidentin Beisiegel vorerst nicht vorschlagen, „Schritt für Schritt“, lautete ihre Antwort.

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