Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Industrienahe Forschung führt in die Sackgasse

Von Neugier getriebene Wissenschaft Industrienahe Forschung führt in die Sackgasse

Die industrienahe, anwendungsbezogene Forschung führt zu schrittweisen Verbesserungen von Produkten. Bahnbrechende Produktneuheiten lassen sich dagegen mit ihr nicht finden“, stellt Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, klar.

Voriger Artikel
Netzwerke wachsen durch Wettbewerb
Nächster Artikel
Observatorium Soho

Hält ein Plädoyer zugunsten der Grundlagenforschung: Peter Gruss.

Quelle: Vetter

Nur die scheinbar nutzlose Grundlagenforschung bringe solche völlig neuen Produkte hervor, die den Markt komplett umkrempelten.
„Da Grundlagenforschung nicht unmittelbar zu verwertbaren Ergebnissen führt, muss der Staat sie finanzieren“, betont Gruss. Er fordert den Mut der politisch Verantwortlichen ein, in diesem Bereich zu investieren.

Argumente gibt er ihnen an die Hand. Eine Auswertung der wissenschaftlichen Literatur, die in Patentanmeldungen zitiert wurde, habe ergeben, dass drei Viertel dieser Arbeiten in öffentlich finanzierten Forschungsprojekten entstanden seien. Im Bereich der Pharmazie und Medizin seien es sogar 80 Prozent, bei elektronischen Bauteilen immerhin 50 Prozent gewesen.

Im globalen Wettbewerb verlieren, nach Beobachtung des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital im Vergleich zu technischen Innovationen immer mehr an Bedeutung. Nach Berechnungen des Ökonomen Robert Soslow trage der technische Fortschritt zu 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die acht größten asiatischen Volkswirtschaften, die bisher meist nur als Produktpiraten wahrgenommen würden, investierten massiv in Forschung und Entwicklung. 2003 hätten sie dafür erstmals mehr Geld ausgegeben als die Europäische Union. Bei gleichem Wachstum würden sie in wenigen Jahren die USA einholen.

Gruss lobt die Bundesregierung. Sie habe das Problem erkannt und wolle in den kommenden Jahren ihren Etat für Forschung und Entwicklung von derzeit 0,8 auf ein Prozent des Bruttoinlandprodukts erhöhen. Derzeit gebe es in Deutschland noch zu wenig Grundlagenforschung. Nachholbedarf bestehe auch bei der Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in marktfähige Produkte. Gruss thematisiert zudem den demographischen Wandel. Schon heute fehlten in Deutschland 100 000 Mathematiker, Ingenieure und Naturwissenschaftler. Er mahnt lebenslanges Lernen und den Zuzug ausländischer Experten an.

Gruss sprach im Rahmen der Vorlesungsreihe „Vom Nutzen des Nutzlosen.“ Der nächste Vortrag ist am Dienstag, 25. Januar, um 18 Uhr. Jens Frahm (Göttingen) referiert über „Die Magnetresonanz-Tomografie im Rausch der Geschwindigkeit.“

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Amnesty-Protest auf dem Campus