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Göttingen Inklusives Weihnachten im Theater im OP in Göttingen
Campus Göttingen Inklusives Weihnachten im Theater im OP in Göttingen
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12:57 30.11.2018
Nils Finck gebärdet Scrooge, Tom Röber spricht die Rolle. Quelle: R
Göttingen

 Das Theater im OP (ThOP) bringt die „Weihnachtsgeschichte“ inklusiv auf die Bühne: In deutscher Laut- und Gebärdensprache inszeniert das Ensemble das klassische Stück von Charles Dickens, welches am Sonnabend, 1. Dezember, Premiere feiert.

 „Unser Ziel ist es, dass alle das Stück verstehen“, sagen die Regisseurinnen Miriam Feix und Franziska Karger. In dem berühmten Weihnachtsklassiker wird der geizige Geschäftsmann Ebenezer Scrooge von drei Geistern heimgesucht, die ihm zeigen, wie wichtig es ist, barmherzig zu sein. Feix und Karger führen zum ersten Mal Regie. „Es war uns wichtig, dass wir keine Dolmetschersituation auf der Bühne schaffen“, sagen sie. Deren Notwendigkeit umgehen die Schauspieler des Ensembles auf unterschiedliche Weise.

Charlotte Korte, Christiane Gocke, Anna Schwarz, Marielle Moll, Wiebke Gatz und Dominic Wolf sind die Familie Cratchit. Quelle: R

 „Bah, Humbug!“

 So stehen die Erzählerinnen, gespielt von Jella Böhm und Mireille Mentgen, zu zweit auf der Bühne. Eine spricht, die andere gebärdet den Text. Auch der alte Raffzahn Scrooge wird von zwei Schauspielern gespielt: Nils Finck gebärdet, während Tom Röber spricht. „Fröhliche Weihnachten?“, blafft Scrooge. „Bah, Humbug!“ Die Darsteller sind gleich gekleidet und geschminkt. Sie bewegen sich gemeinsam über die Bühne. „Alles, was gesagt wird, ob Laut- oder Gebärdensprache, ist immer aus dem Kontext heraus verständlich“, sagen die Regisseurinnen.

Auch die Geister werden von mehreren Personen gespielt. Als Scrooge nachts der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley, gespielt von Henning Bakker, erscheint, der in Ketten gelegt auf die Bühne poltert, stehen mehrere Schauspieler im Hintergrund. Sie sind schwarz gekleidet mit weißen Masken. „Ich trage die Ketten, die ich in meinem Leben geschmiedet habe“, gebärdet der Geist, während sie den Text mit schaurig-verzerrten Stimmen sprechen. „Heute Abend bin ich gekommen, um dich zu warnen. Heute Nacht werden dich drei Geister heimsuchen.“

Nils Finck und Tom Röber sprechen und gebärden Scrooge, Henning Bakker gebärdet den Geist Jacob Marleys. Quelle: R

 Historische Inszenierung

„Einige der Darsteller konnten vorher Gebärdensprache“, sagen Feix und Karger. Zwei Gehörlose und zwei Schwerhörige spielen bei dem Stück mit. „Die meisten haben aber den Text komplett auswendig gelernt.“ Durch die Zusammenarbeit hätten sie viel gelernt. „Ich kann nur mäßig Gebärdensprache und wusste nicht, ob meine Anweisungen richtig rüberkommen“, sagt Karger. „Anfangs haben wir uns mehr mit Händen und Füßen verständigt. Jetzt funktioniert es besser.“ Beide Regisseurinnen bringen Erfahrung mit inklusivem Theater mit. Im Jahr 2016 wirkten sie bei „Mal wieder Grimm“ im ThOP mit, bei dem Christa Gaisbichler Regie führte.

„Bei der ’Weihnachtsgeschichte’ war es uns wichtig, dass es eine historische Inszenierung wird“, sagen sie. „Dafür haben wir unter anderem viktorianische Kostüme von einer Gewandmeisterin aus Hann. Müden bekommen.“ Auch für das Bühnenbild haben sich der Bühnenbildner Ulf Janitschke und die Requisiteurin Lisa Rubart etwas überlegt: Während auf der oberen Bühne Scrooges Arbeits- und Schlafzimmer ist, reist er mit den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht auf der unteren Bühne von Heiligabend zu Heiligabend. Über eine Drehbühne mit Tür ändert sich die Szenerie. An ihrer Wand sind je nach Ort Wohnzimmereinrichtungen, eine Schneelandschaft oder auch eine Schule gemalt.

Victoria Loesche spielt den Geist der Gegenwärtigen Weihnacht. Mira Gardyan und Dagmar Brunahl gebärden die Rolle. Quelle: R

Die Vorbereitungen für das Stück treffen die Schüler, Studierenden und Berufstätigen nach dem ThOP-Prinzip. „Der, der kann, macht. Und das ganze Ensemble hilft mit“, sagen die Regisseurinnen. Über 30 Darsteller spielen bei der „Weihnachtsgeschichte“ mit. Für die Aufführung haben sie eine alte Übersetzung der englischen Geschichte ausgesucht und für ihre Zwecke adaptiert.

Vorstellungen

Die Premierenvorstellung ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen finden am Montag, 3., Mittwoch, 5., Freitag und Sonnabend, 7. und 8., Mittwoch, 12., Samstag, 15., Dienstag und Mittwoch, 18. und 19. Dezember, um jeweils 20.15 Uhr im ThOP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen, statt. An den Sonntagen, 9. und 16. Dezember, startet die Aufführung um jeweils 16 Uhr. Karten können telefonisch unter 05 51 / 39 70 77 oder per E-Mail an theaterkarten@gmail.com reserviert werden und sind sonst im Vorverkauf montags bis freitags in der Zentralmensa der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 4, und täglich von 12 bis 14 Uhr im Alten Rathaus erhältlich. Für Studierende gilt das Kulturticket.

Von Norma Jean Böger

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