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„Zuckerrübenbauern sind konkurrenzfähig“

Bernward Märländer „Zuckerrübenbauern sind konkurrenzfähig“

Fallende Preise und eine wachsende Anbaufläche für Zuckerrüben in Deutschland erwartet Prof. Bernward Märländer, der seit 25 Jahren das Institut für Zuckerrübenforschung an der Universität Göttingen leitet. 2017 liberalisiert die Europäische Union den Zuckermarkt. Quoten und Festpreise verschwinden.

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Seit 25 Jahren Leiter des Instituts für Zuckerrübenforschung: Bernward Märländer.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Künftig soll der Weltmarkt in Europa den Zuckerpreis bestimmen. „Die deutschen Bauern sind mittlerweile mit ihren Hauptwettbewerbern, den brasilianischen Landwirten, konkurrenzfähig“, ist Märländer überzeugt. Erzeugten die Deutschen 1980 sechs bis sieben Tonnen Zucker pro Hektar, so seien es heute zwölf Tonnen. Damit habe die Zuckerrübe das Zuckerrohr eingeholt, das zehn bis zwölf Tonnen Zucker pro Hektar erbringe.

Ertragssteigerung nötig

„Allerdings liegen die Sozial- und Umweltstandards in Brasilien deutlich niedriger, was die Produktionskosten senkt“, gibt der Professor für Pflanzenbauwissenschaft zu bedenken. Deshalb müsse sich die deutsche Landwirtschaft weiter um Ertragsteigerungen bemühen. In den vergangenen Jahrzehnten habe der Ertrag im Schnitt um jährlich zwei Prozent zugelegt, wozu nicht zuletzt auch sein Institut beigetragen habe.

„Wir bauen die Pflanze um“, erläutert der Institutsleiter. Der Anteil der Strukturkohlenhydrate, die der Rübe ein inneres Gerüst geben, werde in Speicherstoff, in Zucker, umgewandelt. Das mache die Rübe allerdings anfälliger gegen Krankheiten. Eine höhere Widerstandsfähigkeit sei deshalb Ziel der Züchtung.

„Beim Zuckerrohr sind vergleichbare Ertragssteigerungen kaum möglich“, führt Märländer aus und erklärt damit den Vorteil der Rübenbauer. Beim Rohr handele es sich um eine genetisch nicht klar definierte Kreuzung aus verschiedenen zuckerhaltigen Gräsern. Sie habe mehr als 100 Chromosomen. Dagegen sei die Rübe eine einfache Kulturpflanze mit 18 bekannten Chromosomen.

Kostenvorteile für den Rübenbauern lassen sich auch durch eine Senkung des Bedarfs an Stickstoffdünger erreichen. „1980 benötigten Rübenbauern 30 Kilogramm Dünger pro Hektar. Heute sind es zehn Kilogramm. 2025 sollen es noch fünf Kilogramm 2025 sein“, erläutert der Wissenschaftler. Das Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) an der Holtenser Landstraße befasse sich zudem unter anderem auch mit der Frage, mittels welcher Fruchtfolge auf dem Acker sich der Ertrag steigern lasse.

Aussaat früher möglich

„Den deutschen Rübenanbauern hilft der Klimawandel“, stellt der Institutsleiter fest. Die Vegetationsperiode beginne mittlerweile zwei, drei Wochen früher, weshalb die Bauern die Aussaat vorziehen könnten. Der erste Frost komme später, weswegen die Rübe im Herbst länger wachse. Märländers Institut geht auf eine 1882 in Bernburg gegründete Forschungsstelle zurück, die nach dem Krieg, 1947, in Göttingen neu entstand. Die Einrichtung betreut heute Versuche in 17 verschiedenen Ländern Europas. „Mit 55 Mitarbeitern, darunter 25 Wissenschaftlern, sind wir die größte Forschungsstelle unserer Art weltweit“, so Märländer.

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