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Interkulturelle Kompetenz von Polizeibeamten in Bremen

Kulturwissenschaftliche Studie Interkulturelle Kompetenz von Polizeibeamten in Bremen

„Was die Bremer Polizeiführung um jeden Preis vermeiden will, ist ein Skandal aufgrund fremdenfeindlicher Übergriffe durch Beamte“, berichtet der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Dr. Frank Müller. Nicht zuletzt deswegen gebe es im Stadtstaat interkulturelle Kompetenztrainings für Beamte. Müller hat ein solches Training für die Behörde evaluiert.

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Polizeikontrolle am Rande einer Demonstration in Hamburg.

Quelle: dpa

Göttingen. Derzeit untersucht er, wie es mit der interkulturellen Kompetenz bei Polizeibeamten im Streifendienst bestellt ist. Seine bisherigen Ergebnisse präsentierte er 20 Mitgliedern der Volkskundlichen Kommission für Niedersachsen bei ihrer Tagung im Kulturwissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen.

Die Bremer Streifenpolizisten, die Müller kennengelernt hat, kommen überwiegend aus den Dörfern in Niedersachsen rund um die Großstadt. Sie stammten aus einem wertkonservativen Milieu, so der Wissenschaftler. Am Polizeidienst schätzten sie die frühe Verbeamtung, die es ihnen erlaube, bereits im Alter von Mitte 20 ein Haus zu bauen und eine Familie zu gründen.

Gescheiterte Fälle von Integration

Vor allem die ältere Generation der Polizisten habe Migranten oft erst durch ihre Arbeit kennengelernt. Da sie dort überwiegend mit gescheiterten Fällen von Integration zu tun haben, verfestige sich bei ihnen die Überzeugung, die Mehrzahl der Migranten sei kriminell oder falle dem Sozialstaat zur Last.

Dieser Eindruck wird nach Beobachtung von Müller unter anderem durch den Polizeifunk verstärkt. Der beschreibe Täter überwiegend unspezifisch als südländisch aussehende junge Männer. Das verfestige sich zu der Vorstellung, jeder Migrant sei verdächtig.

Wohin das führt, erläutert der Kulturwissenschaftler an einem Beispiel. Einer Streife fallen in einem „schönen Bremer Wohnviertel“ zwei junge Asiaten auf. Da sie dort nach Einschätzung der Beamten nicht hingehören, kommt es zu einer verdachtsunabhängigen Kontrolle.

Dabei stellt sich heraus, dass der wohlsituierte Vater der beiden indonesischen Studenten dort lebt. Die Funkabfrage ergibt, dass gegen die Männer nichts vorliegt. Der Polizist sagt zum Abschied: „Sie sind ein Beispiel für eine gelungene Integration.“ Es sei dem Beamten gar nicht bewusst geworden, so Müller, dass er den beiden durch die Kontrolle das Gefühl gegeben habe, in Deutschland nicht dazuzugehören.

„Gnadenlos“ beschimpft und beleidigt

Müller, der am Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Universität Bremen tätig ist, hat bei den Streifenwagenfahrten auch erlebt, dass es einige Migranten genießen, den „bösen Ausländer“ zu spielen.

Es gebe minderjährige Zuwanderer, so Müller, die bei einem gescheiterten Einbruch nicht weglaufen, weil die Polizei sie nach ein paar Stunden sowieso aus strafrechtlichen Gründen wieder freilasse. Beamte werden im Dienst oft „gnadenlos“ beschimpft und beleidigt.

Müller will den Polizisten vermitteln, dass ethnische Herkunft für sich genommen kein Problem darstellt. Ob Integration gelinge, hänge von vielen Faktoren ab, etwa dem Charakter eines Menschen, persönlichen Erfahrungen, dem Bildungsstand und der sozialen Schicht, so der Wissenschaftler.

Von Michael Caspar

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