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Göttingen Hawkings „unglaublicher Sinn für Humor“
Campus Göttingen Hawkings „unglaublicher Sinn für Humor“
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00:30 17.03.2018
Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Quelle: EPA
Göttingen

Der Physiker Stephen Hawking ist tot. Kaum ein Wissenschaftler hat es trotz eines Fachgebietes, das kaum ein Mensch versteht, zu solch einer Popularität gebracht. Welchen Einfluss hatte Hawking auf die Physik und die Physiker von heute? Der Göttinger Professor Jens Niemeyer (49) vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen antwortet:

Wann und wo haben Sie erstmals von Hawking erfahren?

Ich habe sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit “ als Schüler gelesen. Natürlich war das anstrengend. Das Buch ist ohne technisches Hintergrundwissen nicht komplett zu verstehen. Das Gute daran aber ist doch, dass es das Interesse der Menschen geweckt hat und immer noch weckt.

Das Buch hat also Ihr Interesse an der Physik geweckt und so den Anstoß für Ihre Karriere gegeben?

Es war aber wohl eher so, dass Hawking nicht allein für die Wahl meines Studienfachs verantwortlich war, er hat vielmehr einen zusätzlichen Impuls dafür geliefert. Aber ja, er hat einen gewissen Beitrag geleistet und definitiv auch mein Interesse geweckt. Vor allem eine Stelle in dem Buch hat mich damals fasziniert. Hawking schrieb, dass man gegen eine mathematische Theorie nicht argumentieren könne. Ich wollte das genauer wissen und die mathematische Welt dahinter begreifen.

Und? Wie ist es ausgegangen?

Heute weiß ich, dass man die mathematische Sprache beherrschen muss um diese komplexen Sachverhalte zu verstehen. Kaum jemand beherrscht die mathematische Sprache aber so wie Hawking. Mir fehlt immer noch viel.

Ist Hawking denn heute Bestandteil des Lehrplans in der Physik?

Wenn man in der Physik Kosmologie belegt, dann schon. Für die praktische Astrophysik haben seine Forschungsergebnisse keine Relevanz, seine Theorien liefern aber fundamentales Wissen für die Physik.

Was meinen sie damit?

Nehmen wir die Hawking-Strahlung. Er hat mit seiner Theorie, dass schwarze Löcher durch diese Strahlung Masse verlieren und schließlich verschwinden ein Paradoxon aufgezeigt. Stellen Sie sich vor, man wirft ein Telefonbuch in ein schwarzes Loch. Hawkings Theorie zur Folge verschwindet es nach langer Zeit völlig und versteckt sich nicht nur hinter dem Ereignishorizont. Diese Frage beschäftigt Theoretische Physiker bis heute weltweit.

Haben Sie Hawking einmal persönlich getroffen?

Ja. Ich habe ihn ein paar Mal in den 90-er-Jahren auf Kongressen getroffen und ich hatte einen guten Kontakt zu einem seiner Mitarbeiter.

Hat er Sie beeindruckt?

Ja, sicher. Was mich besonders beeindruckt hat, war sein unglaublicher Sinn für Humor. Er war trotz seiner Erkrankung das Gegenteil von verbittert. Auch das machte ihn zu solch einer beeindruckenden Persönlichkeit.

Erklärt sich dadurch auch seine unglaubliche Popularität außerhalb der Physik?

Das ist möglich. Seine Forschungen zu Kosmologie, Urknall und schwarzen Löchern allein sind es wohl nicht. Hawkings Humor zeigt sich ja auch dadurch, dass er in einem Star-Trek-Film, in der Serie „The Big Bang Theorie” oder bei den Simpson mehrfach aufgetreten ist.

Was sein Tod heute ein großes Thema im Institut?

Nun, wir werden deshalb wohl nicht Halbmast flaggen, auf unserem Arbeitsgebiet hatte er nicht solch eine große Bedeutung. Aber natürlich haben wir alle großen Respekt vor diesem Mann. Die Welt bleibt dennoch nicht stehen.

Von Britta Bielefeld

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