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„Jhering in Göttingen“: Vortrag Wendepunkte im Leben des Juristen

Schlüsselfigur der Juristerei „Jhering in Göttingen“: Vortrag Wendepunkte im Leben des Juristen

Um nichts Geringeres als eine neue Grundlegung des Rechts hat sich der Jurist Rudolf von Jhering (1818-1892) in seinem Gelehrtenleben bemüht. Auf Einladung der Göttinger Vereinigung zur Pflege der Rechtsgeschichte sprach der Jurist Dr. Michael Kunze über „Jhering in Göttingen“ – und gab dabei in konzentrierter Form einen Überblick über dessen Leben.

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Michael Kunze

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Weil er frei sprach, folgten die Hörer ihm mit stets wachem Interesse.

Vor allem auf Wendepunkte und entscheidende Einflüsse richtete Kunze seinen Vortrag aus. So stellte er eindrucksvoll Wilhelm Reuter vor, den Klassenlehrer Jherings im Auricher Gymnasium Ulricianum, von dem der Jurist später sagte, er sei „derjenige, dem ich meinen Idealismus verdanke“.

Im Mai 1836 nahm Jhering das Jura-Studium in Heidelberg auf. Doch widmete er sich dort eher der Literatur als der Jurisprudenz, so dass seine Eltern den auf Abwege geratenen Sohn zum Jurastudium nach Göttingen schickten. Hier übernahm Jhering von seinem Lehrer Heinrich Thöl die Begeisterung für die Logik, die im Recht steckt. Jhering äußerte später, durch Thöl habe er „die Jurisprudenz liebgewonnen“. Wichtig war vor allem die Methode, in den Fallbeispielen des Zivilpraktikums aus dem Besonderen das Allgemeine zu destillieren, um sich so der Wahrheit zu nähern.

Nach dem Abschluss seines Studiums wartete er monatelang auf die Zulassung zum Beamtenexamen in Hannover, die ihm aber verwehrt wurde. Deshalb schlug er die akademische Laufbahn ein. 30 Jahre später war Jhering als Juraprofessor in Wien eine „Schlüsselfigur der Juristerei“ geworden. Doch der Trubel der Großstadt störte ihn. Er strebte fort, zunächst nach Heidelberg. Diese Hoffnung zerschlug sich. Stattdessen erhielt Jhering einen Ruf aus Göttingen. 1872 trat er die Stelle an und blieb hier bis zu seinem Tod.

In diesen Göttinger Jahren vollzog Jhering eine entscheidende Änderung der Grundlagen seines Denkens. Nicht mehr die Logik war für ihn die Basis des Rechts, sondern das „Rechtsgefühl“, das vom geschichtlichen Ort und von der Gesellschaft, in der es entsteht, abhängig ist. „Die Überschätzung der Logik war eine Verirrung“, äußerte Jhering. „Das Fundament ist fortgefallen.“

1892, im Jahr seines 50-jährigen Doktorjubiläums, diagnostizierten Jherings Ärzte Darmkrebs, den man – andere Therapien gab es zu dieser Zeit nicht – mit Äthertropfen und Champagner behandelte. Der Tod überraschte den Gelehrten am 17. September. Die letzten Worte, die seine Frau von ihm hörte, waren: „Ich falle, ich falle.“  

Am Montag, 2. Februar, hält Dr. Nikolaus Lindner, Göttingen, einen Vortrag zum Thema „Drei Weiber in England – Über eine Randnotiz in Friedrich Carl von Savignys Methodenvorlesung“. Der Vortrag beginnt um 20.15 Uhr im Foyer der rechtshistorischen Abteilungen im Alten Auditorium, Weender Landstraße 2.

Von Michael Schäfer

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