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10:27 31.05.2018
Sprachen zur Arbeit in und an der Digitalisierung: Barbara Splett (Sofi), Volker Baethge-Kinsky (Sofi), Boy Lüthje (Sun Yat-Sen Universität Guangzhou/China), Brigitte Aulenbacher (Universität Linz), Jörg Hofmann (Erster Vorsitzender, IG Metall), Martin Kuhlmann (SOFI) (v.l.). Quelle: Sven Grünewald
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Göttingen

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall aus Frankfurt/Main nahm die Automobilindustrie zum Beispiel, um die stattfindenden und absehbaren Auswirkungen der Digitalisierung für die Beschäftigten und den Staat zu verdeutlichen. Die IG Metall sehe für den Zeitraum 2018 bis 2030 vier Tendenzen: Im Bereich der Klimaregulierung und des Antriebsstrangs seien bundesweit derzeit rund 23000 Beschäftigte tätig, von denen 18000 dort nicht mehr benötigt würden. Im Bereich der Verwaltung würden intelligente Programme rund die Hälfte aller dort Beschäftigten betreffen, und zwar „extrem schnell“. In der Logistik sei bei neuen Projekten bereits zu sehen, dass diese quasi vollautomatisiert konzipiert sind; von den 80 000 Festangestellten und 80 000 Werkverträglern in der Logistik würden mittelfristig rund die Hälfte durch die Technisierung betroffen sein. Gleichzeitig entstünden natürlich neue Arbeitsplätze und Geschäftsmodelle.

Überflüssig gewordene Beschäftigte

Die Unsicherheit bestehe jedoch darin, ob die große Zahl überflüssig gewordener Beschäftigter durch diese neuen Jobs aufgefangen werden könne. Hofmann zeigt sich skeptisch. „Was tun die dann?“ Dies werfe ganz grundsätzlich die Frage auf, was Solidarität in einer digitalisierten Arbeitswelt bedeute und wie diese organisiert werden könne. Aber auch für die Rolle und den Einfluss der Gewerkschaften.

Brigitte Aulenbacher, Soziologin an der Universität Linz, wies auf den Bereich der Sorgearbeit hin, wie etwa in der Altenpflege. Dieser sei inzwischen mit zunehmender Tendenz von der Digitalisierung durchdrungen – sei es die Stationsüberwachung mit Sensoren statt Pflegepersonal, Robotern, die operierten oder für „Emotionsarbeit in der Demenzbetreuung“ benutzt werden. Sorgearbeit sei im Kapitalismus noch nie zufriedenstellend organisiert gewesen, so Aulenbacher, was an der Kollision der Ansprüche an die Lebensqualität mit wirtschaftlichen Interessen läge. Zudem erlebe man seit den 1970er Jahren, dass eine Verlagerung der Sorgearbeit aus dem Wohlfahrtsstaat in die Privatsphäre hinein stattfinde. Beides werfe wichtige ethische Fragen auf.

Komplexe Aufgaben und Routineabläufe

Was sich zeigen lasse, so Barbara Splett und Martin Kuhlmann vom Sofi, sei eine Entmischung von komplexen Aufgaben und Routineabläufen durch die Digitalisierung. Dadurch verstärke sich eine Spaltung zwischen einfachen angelernten Tätigkeiten und sich eher erweiternden Qualifikationsanforderungen.

Diese vielfältigen Veränderungen, die im Detail je nach Branche ganz anders ausgestaltet sind, zögen auch nach sich, dass Digitalisierung als Begriff zwar sehr wirkmächtig, aber eben auch sehr unscharf ist, so Splett und Kuhlmann. Die Omnipräsenz des Begriffs führe zudem zu einer zunehmenden Verunsicherung. Daher müsse man sich vergegenwärtigen, dass „die Arbeitsfolgen der Digitalisierung nicht nur von spezifischen Unternehmensstrategien abhängen“, sondern die Arbeitspolitik Einfluss hat oder nehmen kann. Die Auswirkungen der Digitalisierung und die digitalisierten Arbeitswelten ließen sich gestalten.

Wachsender Gestaltungsbedarf

„Ein wichtiger Befund unserer Analysen lautet, dass auf die Praxisakteure ein erhebliches Maß an Arbeit an der Digitalisierung zukommt“, so Kuhlmann. Allerdings: Dem wachsenden Gestaltungsbedarf stehen schon länger feststellbare arbeitspolitische Defizite und Rückschritte gegenüber. „Wichtige arbeitspolitische Akteure – Politik, verschiedene Unternehmensabteilungen, aber auch Arbeitnehmervertretungen – „sind auf den wachsenden Gestaltungsbedarf nicht gut

Von Sven Grünewald

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