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„Man hätte eine Gegenstimme gehabt“

Jüdische Gemeinden kritisieren geplante Veranstaltungen „Man hätte eine Gegenstimme gehabt“

Studenten der Universität Göttingen, die Referenten einer begleitenden Vortragsreihe für einseitig ausgewählt halten, haben einen der schärfsten Kritiker der Ausstellung für einen Vortrag engagiert.

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Proteste anlässlich des Nakba-Gedenktags im Westjordanland - für viele Palästinenser steht die Nakba für die Vertreibung aus ihrer einstigen Heimat.

Quelle: Abed Al Hashlamoun (dpa)

Göttingen. Geht es nach dem Autor Dr. Tillmann Tarach, ist die Nakba-Ausstellung „Propaganda“, die vor allem der Betonung des Rückkehrrechts für palästinsische Flüchtlinge ins heutige Israel dient - ein beim Nahost-Konflikt hoch umstrittener Aspekt, der je nach Perspektive eine Lösung des Friedensprozesses oder die Auslöschung Israels zur Folge hätte. Tarach befürchtet Letzteres und verweist dabei auf den Antisemitismus in den islamischen Staaten des Nahen Ostens, den nach seinen Angaben vor allem die Nazis im zweiten Weltkrieg zur „Vernichtung der im arabischen Raum lebenden Juden“ dorthin exportiert hätten.

Tarach macht das an überlieferten Gesprächsprotokollen zwischen Adolf Hitler und dem sogenannten „Mufti von Jerusalem“ fest: Mohammed Amin al-Husseini war ein Jerusalemer Rechtsgelehrter, der laut Tarach die Verantwortung für antijüdische Pogrome getragen habe. Dass die Nakba-Ausstellung al-Husseini nicht erwähnt, ist für Tarach ein Grund, der Schau „antiisraelische Propaganda“ vorzuwerfen.

Info:

Die Universität hat die Ausstellungseröffnung verschoben. Beginn ist jetzt am Dienstag, 15. November, um 18.00 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, Heinrich-Düker-Weg 14 in Göttingen.

Mit dem Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“, der die Ausstellung konzipiert hat, geht er ebenfalls hart ins Gericht: Tarach zufolge arbeitet der Verein eng mit einer libanesischen Organisation für Flüchtlingskinder zusammen. Wie Tarach dokumentierte, soll diese Gruppe auf Facebook mehrfach Bilder von Kindern in Militäruniformen mit Spielzeugwaffen und Karten des heutigen Israels gezeigt haben, das dort als palästinensisch gekennzeichnet ist.

Streit um die Nakba-Ausstellung

Studenten der Universität Göttingen halten die Referenten einer begleitenden Vortragsreihe für einseitig ausgewählt. Deshalb forderten die Göttinger Studierendenvertreter eine Absage der Ausstellung. Unterstützung bekommen sie dabei mittlerweile von mehreren jüdischen Organisationen in Deutschland. Die Universitätsleitung lehnt ein Verbot der Ausstellung unter Verweis auf Gerichtsurteile ab, eine Haltung, die auch die jüdische Kultusgemeinde in Göttingen teilt. Trotzdem, so betonte deren Vorsitzende Eva Tichauer Moritz, sei ihre Gemeinde angesichts des Vorhabens entsetzt. Sie wäre gerne vorab gefragt worden. „Dann hätte man eine Gegenstimme gehabt“. Ähnlich sieht es die liberalere jüdische Gemeinde: Dass Göttinger Juden nicht an dem Vorhaben beteiligt wurden, halte er für „eine vertane Chance bezüglich des Rechts der Studenten auf umfassende Information“, schrieb Vorstand Achim Doerfer in der Jüdischen Allgemeinen. Eine der Ausstellungs-Initiatorinnen in Göttingen, die Islamwissenschaftlerin Prof. Irene Schneider, kritisierte hingegen den Umgang mit der Ausstellung. Dieser werde übrigens auch in der jüdischen Presse kritisiert, teilte sie mit.

Von Christoph Höland

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