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Göttingen Kaiserköpfe unterm 3D-Sanner
Campus Göttingen Kaiserköpfe unterm 3D-Sanner
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15:01 28.02.2018
Arbeitet mit einem 120.000 Euro teuren 3D-Weißlichtscanner: Informatiker Alexander Zeckey. Quelle: mic
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Göttingen

„Die Hausmeister haben uns den Raum freundlicherweise abgetreten“, meint Langner. Mit Mitteln des Präsidiums seien Gipswände eingezogen und ein neuer Fußboden verlegt worden. Eine Heizung sorge im Ende 2017 fertig gestellten Labor nun auch im Winter für angenehme Temperaturen. Zudem gebe es in dem Raum jetzt leistungsfähige Leitungen für den Transport großer Datenmengen. „Allein der Arbeitsspeicher muss 20 bis 30 Gigabyte Daten bewältigen“, erläutert Zeckey. Drei Terabyte, das entspricht 3000 Gigabyte, Daten kämen schnell zusammen.

„Wir wollen im Labor in den kommenden Jahren die mehr als 2000 Gipsabgüsse antiker Skulpturen des Instituts einscannen, eine der größten Sammlungen ihrer Art weltweit“, kündigt Langner an. Den Grundstock habe vor mehr als 250 Jahren Christian Gottlob Heyne gelegt, der mit seiner berühmten, über Jahrzehnte fortgeführten Archäologie-Vorlesung maßgeblich zur Institutionalisierung der Disziplin beigetragen habe. Die Sammlung umfasse neben Abgüssen römischer Skulpturen, die auf Plätzen und in Theatern gestanden hätten, auch die von römischen Repliken griechischer Bronzestatuen. Mit ihnen habe die Oberschicht einst ihre Villen geschmückt.

Weißlichtscanner

„Begonnen haben wir mit den 180 Köpfen römischer Kaiser“, berichtet Langner. „Ich arbeite mit einem 120000 Euro teuren Weißlichtscanner“, erläutert Zeckey. Das Gerät erfasse Strukturen auf 50 Mikrometer genau, was der Dicke eines Haars entspreche. Mit zwei Kameras würden Aufnahmen gemacht. Aus der Krümmung von Streifen, die er auf die Skulptur projiziere, ließen sich Punktwolken berechnen und so die 3D-Modelle erstellen. Zudem setze er die Technik der Fotogrammetrie ein, mit der er Farbnuancen der Abgüsse ermittele. „Wir führen die Daten in einem 3D-Scan zusammen, der in drei Auflösungen zur Verfügung steht: im Rohscan, in einer hochauflösenden Fassung und einer, mit der sich auch an nicht so leistungsstarken Rechnern arbeiten lasse.“

„Um Doppelarbeit zu vermeiden, wollen wir mit anderen Digitalisierungslaboren wie dem der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität zusammenarbeiten“, erklärt der Professor. Der Bestand der dortigen Gipsabguss-Sammlung sei etwa zur Hälfte mit dem in Göttingen identisch.

„Die Digitalisierung dient der Sicherung des Bestandes“, betont der Professor. Die Gipsskulpturen erlitten durch Feuchtigkeit und durch unvorsichtige Behandlung leicht Schäden. Kriege, wie der in Syrien zeigten, wie schnell Originale zerstört werden könnten. Durch die Digitalisierung würden die Datensätze zudem weltweit verfügbar. Noch seien die Göttinger Scans allerdings nur über das universitäre Intranet zugänglich.

Wahrnehmung in der Antike

„Die Scans eröffnen zudem neue Möglichkeiten bei der Beantwortung geisteswissenschaftlicher Fragen“, führt Langner aus. Er sei zum Beispiel an der antiken Wahrnehmung interessiert. Die Skulpturen zeigten die Porträtierten nämlich nicht fotorealistisch. Menschen in der Antike hätten sich beim Erkennen einer Kaiserdarstellung an der Frisur oder dem Profil orientiert. Heute würden Menschen Personen an den Augen erkennen. Die Scans ermöglichten zudem Rückschlüsse auf Produktionsprozesse.

Von Michael Caspar

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