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Kalkül und Rangeleien bei Institutsgründung

Historische Landesforschung Kalkül und Rangeleien bei Institutsgründung

Die Geschichte selbst ist zeitlos. Der Machtkampf zwischen Politik und Wissenschaft könnte heute ebenso gut stattfinden, wie er sich zwischen 1956 und 1958 entspann. Konkret ging es damals um „Niedersachsenbewusstsein durch Landesgeschichte. Die Gründung des Göttinger Instituts für Historische Landesforschung“.

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Steht für Niedersachsen wie das Pferd als Wappentier: Das Landtagsgebäude in Hannover.

Quelle: dpa

Zu eben diesem Thema war Dr. Matthias Mertens von der Universität in Frankfurt am Main auf Einladung des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebung und des Instituts für Landesforschung als Redner zu Gast im Zentralen Hörsaalgebäude. Die Geschichte des Göttinger Instituts hört sich an wie ein Krimi um politisches Kalkül, Personalrangeleien, Finanzen und einen Wettkampf der Netzwerke.

Als junges Bundesland hatte Niedersachsen nach dem zweiten Weltkrieg damit zu kämpfen, eine gemeinsame Identität seiner Bewohner ebenso wie der zahlreichen Flüchtlinge aus den Ostgebieten zu schaffen. Verbindende Elemente der Landesgeschichte sollten dazu beitragen, Partikularinteressen zu entschärfen. Und wie könnte man dies besser symbolisieren als durch die Gründung eines entsprechenden Instituts? Als Standort war schnell die Landesuniversität Göttingen ausgemacht. Alles Weitere entpuppte sich als weniger einfaches Unterfangen.

Wissenschaft und ihre mögliche Instrumentalisierung ist seit jeher ein Streitpunkt zwischen Politik und Hochschulen. So auch in diesem Fall, der – so Mertens – zu einem „Politikum ersten Ranges“ wurde. Die Philosophische Fakultät fürchtete um ihr Selbstergänzungsrecht, die Politik um die intendierten Forschungsergebnisse zur Niedersachsen-Historie. Querelen, die den Gründungsprozess auf rund zwei Jahre streckten.

Im Wesentlichen, so der Referent, setzten sich am Ende die Wissenschaftler durch und erreichten die Gründung eines stark interdisziplinär aufgestellten Instituts unter dem späteren geschäftsführenden Direktor Prof. Georg Schnah. Er verstand es offenbar, moderne Forschung ebenso zu ermöglichen wie politischen Wünschen entgegen zu kommen und mit diesem Spagat eine erfolgreiche Arbeit des Instituts zu gewährleisten. Hier endete bis auf Weiteres ein Wissenschaftskrimi.

Über „Rechtsstreitigkeiten in Göttingen und Umgebung im Spiegel von Reichskammergerichtsakten“ sprechen Dr. Claudia Kauertz und Dr. Sven Mahmens am Dienstag, 15. März, um 19.45 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität, Platz der Göttinger Sieben 5, Hörsaal 005.

Von Isabel Trzeciok

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