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Klage über „Erkaltung“ der Societät

Ringvorlesung über Akademie Klage über „Erkaltung“ der Societät

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ist „die jüngere Schwester“ der Georg-August-Universität. 1737 gründete Kurfürst Georg August von Braunschweig und Lüneburg, der zugleich als Georg II. König von England war, die Universität und 1751 die Akademie der Wissenschaften als Königliche Societät.

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Förderer der Akademie und der Universität: Adolph Gerlach von Münchhausen im Jahr 1747 porträtiert von Gottfried Boy.

Quelle: SUB

Im ersten Vortrag der Ringvorlesung „Sie befruchtet und ziert. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen – damals und heute“ hat der Jurist Prof. Christian Starck das Verhältnis von Akademie und Staat dargestellt. 

Die acht verschiedenen Staatsformen seit 1751 waren zugleich Starcks Vortragpunkte. Die Akademie hat seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 die längste Zeit hinter sich, in der „das Verhältnis zum Staat keine ernsthaften Probleme“ bereitet, stellte Starck fest, der seit 1982 ordentliches Mitglied der Akademie ist und von 2008 bis 2012 ihr Präsident war. Seit Jahren sei zwar „die finanzielle Ausstattung der Akademie karg, aber anders als andere Institutionen sind keine Kürzungen erfolgt“.

"Unfähigkeit der Societät"

Anfangs funktionierte die Akademie nicht so, wie sich das Adolph Gerlach von Münchhausen vorstellte. Der staatliche Kurator der Universität  hatte der Gründung der Akademie zugestimmt und den Mediziner und Botaniker Albrecht von Haller als Präsidenten eingesetzt. Aber  Haller kehrte 1753 ins heimatliche Bern zurück, blieb aber Akademie-Präsident auf Lebenszeit bis 1777. Münchhausen beklagte 1769 die „Unfähigkeit der Societät, ihre Erkaltung“ und sorgte für Veränderung. Christian Gottlob Heyne, Leiter der Universitätsbibliothek, wurde als Sekretär eingesetzt und schaffte die Wende, die maßgeblich dazu beitrug, dass die Akademie heute noch existiert.  Die schwache Anfangsphase der Akademie, deren Forscherdrang den  staatlichen Kurator nicht ärgerte, war zu Ende. Starck: „Münchhausen war nicht nur Gründer, sondern 20 Jahre später auch Wiedererwecker der Akademie“.

Während des Königreichs Hannover (1814-1866) betraf 1837 der Streit um die Verfassung  und damit die Protestaktion der sieben Göttinger Professoren gegen die Aufhebung der Verfassung durch König  Ernst August I. auch die Akademie. Fünf der Göttinger Sieben waren ordentliche Mitglieder der Akademie. Deren Leitung ließ die Landesausweisung der Gelehrten ohne Protest geschehen. Erst 1851 wurde bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Akademie erklärt, dass die Ausweisung ein „Schlag für die Universität, für die Akademie war“, zitierte Starck und verwies auf die Göttingen verloren gegangenen späteren Forschungsleistungen von Jacob und Wilhelm Grimm in Berlin.

Land Niedersachsen hat Trägerschaft

90 Jahre später war der Exodus noch verheerender. Die Nationalsozialisten griffen massiv in die Abläufe der seit 1893 von der Georg-August-Universität selbständigen Akademie ein. Erlasse über die Entlassung nicht-arischer Mitarbeiter und später nicht-arischer Mitglieder waren zu befolgen. Sitzungen hatten mit Hitler-Gruß und Horst-Wessel-Lied zu beginnen. „Um nicht den Verdacht zu erwecken, sich ablehnend zu verhalten“, zitierte Starck die Anweisung. „In keiner Epoche wie der von 1933 bis 1945 hat es so viele und schwerwiegende staatliche Eingriffe gegeben“, stellte Starck. So forderte das Ministerium für Volksbildung, bei der Ernennung von ausländischen Gelehrten „sehr zurückhaltend zu verfahren“. In den Protokollen der nun „Societät der Reichsakademie“ genannten Gesellschaft sei das Für und Wider der Gelehrten festgehalten. Nur einmal,  im Rechenschaftsbericht 1938/39, finde sich eine Passage, die mit nationalsozialistischer Attitüde den Führer und „seine schützende Hand auch über die Wissenschaft“ herausstellt, so Starck.

Nach Kriegsende tagte die Akademie ab August 1945 wieder regulär. Seit 1951 hat das Land Niedersachsen die Trägerschaft. Das Verhältnis zum Staat ist ohne „ernsthafte Probleme“.

Die Ringvorlesung über die Akademie wird am Dienstag, 23. Oktober, fortgesetzt. Der Vortrag „Göttinger Mathematiker: Gauß, Riemann, Klein, Hilbert“ von Prof. Tammo tom Dieck, Göttingen, beginnt um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

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