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Göttingen Wissenschaftler tragen Verantwortung für Frieden
Campus Göttingen Wissenschaftler tragen Verantwortung für Frieden
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00:19 22.11.2017
Abschlussveranstaltung der Konferenz „In Publica Commoda“. Quelle: Arne Bänsch
Göttingen

Vorträge, Diskussionen, Streitgespräche kamen zu einem klaren Urteil: Wissenschaftler tragen auch eine Verantwortung für Frieden und Nachhaltigkeit gegenüber der Gesellschaft. Zudem sahen die Teilnehmer einen steigenden Handlungsbedarf zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.

Drei Tage Konferenz „In Publica Commoda“ sind zuende – mit zwischen 180 und 200 Teilnehmern vorrangig aus Göttingen, aber mit durchaus erkennbarem überregionalen Gästeanteil und „inspirierenden Persönlichkeiten und Vorträgen“, wie Geografie-Student Jakob Nehls fand. In drei Panels wurde über die Themen Forschung in der Gesellschaft, Wissenstransfer in die Gesellschaft und Kommunikation von Wissenschaft diskutiert. Es war die sechste Konferenz und sie sei „sehr viel konziser als im vergangenen Jahr abgelaufen“, so Dorothee Engelhard, Vorsitzende der Stiftung Adam von Trott, die Mitveranstalter der Konferenz war. Besonders gefreut habe sie, dass sich die Studenten so engagiert und konstruktiv einbrachten.

Zu fachwissenschaftlich, zu studentenfern?

Wissenschaftskommunikation war eines der ganz großen Stichworte der Konferenz und ebenso ihr erklärtes Ziel: mit der Öffentlichkeit in einen Dialog zu treten und insbesondere auch die eigenen Studenten anzusprechen. Das ist teilweise gelungen, denn Studenten waren in der Tat zahlreich und sichtbar vertreten.

Allerdings gab es gerade von den jungen Teilnehmern durchaus Kritik. Nicht grundsätzlich an der Konferenz, dafür jedoch beispielsweise daran, dass auch Studenten Eintritt bezahlen mussten. Sie könne verstehen, dass die Universität das aufgrund der Kosten macht, aber es habe sicher auf einige Studenten auch abschreckend gewirkt, so Silke Hansmann, Vorsitzende des AStA der Universität Göttingen.

Ein weiterer Kritikpunkt betraf die schwere Zugänglichkeit der Themen. „Die sehr komplexen Themen wurden teils sehr unverständlich und zu wissenschaftslastig besprochen“, sagt Anna-Lena Martens von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Da bestehe Verbesserungsbedarf, „gerade weil sich die Konferenz ja an eine breite Öffentlichkeit richten wollte“.

Etwas, das dem Göttinger Geogrfhie-Studenten Jakob Nehls noch auffiel, war das Fehlen von studentischen Vortragenden in den fachlichen Panels. „Das ist schade, weil wir als angehende Wissenschaftler auch etwas zu sagen haben“, so Nehls. Und Hansmann ergänzt: „Da wünschen wir uns schon eine bessere Beteiligung und einen Umgang mehr auf Augenhöhe.“

Ergänzend fand ein Streitgespräch zwischen Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel und dem ehemaligen MPI-Direktor und Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger statt, das sich vorrangig mit dem schwindenden Vertrauen in die Wissenschaft befasste und die Frage behandelte, ob Wissenschaft im Namen der Forschungsfreiheit alles ausprobieren darf oder ob es Regeln braucht. Rheinberger verwies darauf, das Wissenschaft immer an der Grenze zwischen Bekanntem und Unbekanntem agiert, Forschung daher nicht geplant werden könne und es eine Daueraufgabe darstelle, sich zu fragen, ob das eigene Handeln noch akzeptabel ist oder nicht. Beisiegel betonte die Notwendigkeit, dass man sich sehr um die Ausbildung eines Verantwortungsgefühls bei den Wissenschaftlern bemühen müsse.

Die Konferenz schloss mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion: Neben Silke Hansmann, AStA-Vorsitzende der Universität Göttingen, sprachen Angelika Hilbeck von der ETH Zürich, Prof. Regine Kollek von der Universität Hamburg, Prof. Arnulf Quadt von der Universität Göttingen und Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Präsident des Club of Rome, über die Möglichkeiten, wie Wissenschaft sich stärker Gehör verschaffen kann und zu einer Veränderung des internationalen Systems beitragen kann.

Im Tenor waren sich alle Teilnehmer weitgehend einig: Wissenschaftler müssen sich stärker selbst bewegen – mehr Selbstkritik ihrer eigenen Rolle gegenüber, mehr Bereitschaft, in den Dialog einzutreten, aber auch mehr Bereitschaft, sich öffentlich einzubringen. Denn die Handlungsnotwendigkeiten nehmen zu, zudem in einem sehr schwierigen Umfeld. Entsprechend deutliche Worte fielen.

Gewalt in der Wissenschaft

Hilbeck sprach von „Gewalt in der Wissenschaft“, die Wissenschaftler mitunter erwartet, wenn sie sich gegen Industrieinteressen stellen wie etwa im Agrarbereich. Da sei so ziemlich jedes Mittel recht, jemanden mundtot zu machen, wenn Forschungsergebnisse Industrieinteressen berührten. Auch sei die Bereitschaft von Wissenschaftlern, ihr eigenes Forschungsgebiet grundsätzlich kritisch zu hinterfragen, teils nicht vorhanden, so etwa in den Wirtschaftswissenschaften. Da herrsche ein Aufklärungsstau.

„Wir müssen viel radikaler werden“, so Kollek, um Fehlentwicklungen zu kritisieren und andere, bessere Wege aufzuzeigen, auch wenn die öffentliche Reaktion zunächst sehr drastisch ablehnend ausfalle. Wie die Menschheit momentan agiere, sei ein „Selbstmordprogramm“, so Weizsäcker. Das gegenwärtig wachstumsorientierte Wirtschaftsmodell zerstöre die Lebensgrundlagen. „Wir sind sehr gute Diagnostiker, aber wir sind schlechte Therapeuten“ – was getan wird, bleibt weit hinter den Möglichkeiten und vor allem hinter den Notwendigkeiten zurück. „Wenn Betriebswirte Klima machen, kommt nur Mist raus.“

Alternative Konzepte gäbe es, doch wie die Umsetzung gelingen könnte, in der Frage schwang dann wieder etwas Ratlosigkeit mit. Sie könne die Ohnmachtsgefühle verstehen, so Hilbeck, Aber das Engagement lohne sich. Sei es individuell beim bewussten Einkauf, mit stärkerer Vernetzung und dem Druck von unten auf die Politik.

Zum Wohle der Schüler

Ein Kommentar der GT- und YLAB-Schülerreporterinnen
Pia Bucher und Anneke Borcherding

„In Publica Commoda“, zum Wohle aller, das gilt auch für uns Schüler - speziell wenn es um Wissenschaft geht. Denn alles was wir in unserer Schulzeit lernen (müssen), wurde von Wissenschaftlern entdeckt, erforscht und bewiesen.

Wir begegnen vor allem den Naturwissenschaften: Physik, Chemie und Biologie. Aber die Wissenschaft umfasst ein viel größeres Spektrum an Themen. Etwa mit politischen, philosophischen, religiösen oder auch historischen Fragen werden wir als Schüler konfrontiert.

Wir nehmen wahr, wie alltäglich das Erlernte werden kann. Auf die Frage, was Wissenschaft für sie bedeutet, hat uns eine Schülerin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Pauline Eikenbusch, gesagt: „Wissenschaft ist die Erklärung von Phänomenen, die uns im Alltag begegnen.“ Das stimmt: Durch die Wissenschaft sind wir stetig einen Schritt näher daran, die Welt ein kleines Stückchen mehr zu verstehen. Es ist wie ein großes Puzzle, das man nach und nach weiter zusammensetzen kann, aber das vermutlich nie vollständig sein wird. Denn Wissenschaft ist nicht endlich, sondern ständig in Entwicklung.

Wir brauchen die Wissenschaft, um unser Wissen auszubauen - und vielleicht selbst einmal Wissenschaft zu betreiben. Wir Schüler haben unser ganzes Leben noch vor uns und sind die, die in der Zukunft leben und diese formen werden.

Deshalb ist auch der Dialog zwischen Schülern und Wissenschaftlern wichtig. Damit schon in der Schule beispielsweise auch die Verbindung zwischen Wissenschaft und Politik deutlich wird. Beispiel Klimawandel: Nur durch Wissenschaft kann bewiesen werden, dass es ihn wirklich gibt und Ideen zur Lösung erarbeitet werden. Die Wissenschaft steuert die oftmals entscheidenden Fakten zur Problemlösung bei, um der Frage, die man sich natürlich nicht nur in der Schule stellt, ein Stück näher zu kommen: warum?

Von Sven Grünewald

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