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"Beste Lebensversicherung"

Konferenz "Quo vadis Europa?" an der Universität Göttingen "Beste Lebensversicherung"

Mit Plädoyers für das Fortbestehen der Europäischen Union ist am Freitagabend in der Universität Göttingen die Konferenz "Quo vadis Europa?" eröffnet worden. Staatsminister Michael Roth appellierte, die Europäische Union nicht als ökonomisches Konstrukt, sondern als Wertegemeinschaft zu verteidigen.

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Staatsminister Michael Roth bei der Konferenz

Quelle: CM

Göttingen. Einigkeit für die Sache stellten alle Redner heraus, Kritik an der Europäischen Union (EU) gab es dennoch. Und in der zeigten der SPD-Bundestagsabgeordnete Roth und die Oxford-Professorin Kalypso Nikolaidis Übereinstimmung. Beide sprachen davon, dass niemand als überzeugter Europäer geboren werde. "Europa wird nicht als Freiheits- und Wohlstandsmotor angesehen, sondern als intransparentes Gebilde", so Roth. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt nannte die EU "unsere beste Lebensversicherung" und belegte das mit dem seit 70 Jahren währenden Frieden auf dem EU-Gebiet. In Europa insgesamt hingegen habe es Kriege gegeben in dieser Zeit und gebe es sie. Dieser aber auch andere Vorteile der EU, so gab es Roth wieder, seien im Bewusstsein der EU-Bürger nicht stark verankert.

Er forderte, auch von Politikern in Deutschland, ein klares Bekenntnis zur EU. Oftmals sei es der Fall, dass Erfolge der EU als nationale bezeichnet würden und nur die Misserfolge der Brüsseler EU-Regierung würden wiederum als solche kommuniziert. Ein klares Bekenntnis zur EU und kein "Europa-Bashing", wie es derzeit in einigen europäischen Demokratien angesagt sei, sei hilfreich. "Mitmacher und Mutmacher" seien jetzt gefragt, so Roth.

Wie Roth ging auch Nikolaidis, Professorin für Europäische Studien in Oxford, auf die Rolle der jungen Menschen ein. Hatte jener gefordert, dass es weiterhin möglich sein müsse für junge Menschen, Europa zu leben, bedauerte diese, dass der Brexit den jungen Briten dieses verwehre oder wenigstens erschwere. Die gebürtige Französin mit griechischer Abstammung sprach in ihrem impulsiv gehaltenen Vortrag den Brexit-Schock an und forderte eine Absage des Brexit. Dass bei der Abstimmung im Juni viele für, aber wenige gegen den Brexit stimmten, sei bei diesen die Meinung gewesen, damit bleibe alles beim Status Quo. "Die Briten stimmten nicht als EU-Bürger ab, sondern als am Rande Beteiligte. Der Brexit war eine Abrechnung mit Brüssel", stellte Nikolaidis fest. Nun erst müsse und werde diskutiert, was bedeutet der Brexit. Jetzt stelle sich dar, dass das so einfache Verlassen der Union viel größere Folgen habe, als den meisten Briten bis zur Entscheidung klar gewesen sei.

Aus ungewohnter Position eröffnete Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel die dreitägige Konferenz. Ein Bruch des Fußgelenks zwingt sie in den Rollstuhl. So konnte sie nicht vom Rednerpult in der Aula zu den etwa 200 Gästen sprechen. Die von ihr initiierte Konferenzreihe "Wissenschaft für Frieden und Nachhaltigkeit" findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt.

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