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Konferenz in Göttingen erörtert Chancen und Risiken

Auslesen von menschlichem Erbgut Konferenz in Göttingen erörtert Chancen und Risiken

Neue Möglichkeiten der zielgerichteten Vorbeugung und der effizienten Behandlung eröffnet das Auslesen des menschlichen Erbguts. Die Genomsequenzierung wirft aber auch Fragen auf, etwa die nach dem Datenschutz. Darum ging es bei einer Konferenz des GenoPerspektiv-Konsortiums in Göttingen.

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Dr. Gabriella Salinas von der Transkriptom und Genom Core Unit der UMG bestückt den HiSeq 4000 mit einer Flow Cell für einen HiSeq run.

Quelle: Caspar

Göttingen. „Das Erbgut eines Patienten gibt Hinweise darauf, welches Medikament besonders gut bei ihm wirkt“, sagt Leslie G Bisecker, der Leiter des amerikanischen Nationalen Forschungsinstituts für das menschliche Genom. Auch bei der Vorbeugung helfe die Genetik. Wer ein erhöhtes Darmkrebsrisiko habe, könne etwa die eigene Lebenserwartung durch regelmäßige Darmspiegelungen erhöhen.

„Die Zusammenhänge zwischen dem Erbgut und bestimmten Krankheiten sind allerdings zum Teil sehr komplex“, betont der Münchner Psychiatrie-Professor, Thomas Schulze. Für psychiatrische Erkrankungen seien hunderte, ja tausende verschiedener Gene verantwortlich. Eine wichtige Rolle, ob eine Krankheit zum Ausbruch komme, spielten zudem Umweltfaktoren und der eigene Lebenstil.

„Medizininformatiker müssen ein Genom lesen können und die wichtigen Daten für den Arzt aufbereiten“, betont der Göttinger Professor für Bioinformatik, Tim Beißbarth. Forscher werteten genetische Informationen zusammen mit anderen Daten etwa zum Lebensstil oder aus der elektronischen Patientenakte aus. So erschlössen sich unerwartete Zusammenhänge. Dazu sei eine einheitliche Erfassung der Daten und die nötige technische Infrasturktur in den Krankenhäusern zu schaffen. „Eine große Herausforderung“, erklärte Beißbarth.

„Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird die Genomsequenzierung in den Kliniken routinemäßig durchgeführt“, erwartet der Göttinger Medizininformatik-Professor Ulrich Sax, der die Konferenz gemeinsam mit Dr. Nadine Umbach organisierte. Das Auslesen koste mittlerweile weniger als 1000 Euro und sei innerhalb von Stunden durchgeführt.

Datenzugriff noch ungeklärt

Das wirft Fragen auf. „Patienten müssen über Risiken aufgeklärt werden“, stellt der Göttinger Medizinethiker, Privatdozent Mark Schweda, klar. Die Risiken seien aber heute zum Zeitpunkt einer Genomsequenzierung oft gar nicht absehbar. Daher empfehle er, Patienten immer wieder neu über mögliche Folgen zu informieren.

„Es gibt auch das Recht auf Nichtinformation“, ergänzt der Göttinger Jura-Professor Gunnar Duttge. Manche Menschen schliefen besser, wenn sie ihr Risiko, bestimmte Krankheiten zu bekommen, nicht kennen würden. „Bei einer großen Umfrage, die das GenomPerspektiv-Konsortium durchführte, waren das 20 Prozent der Teilnehmer“, weiß Medizininformatiker Sax.

„Eine wichtige Frage ist, wer Zugriff auf die Daten erhält“, betont Jurist Duttge. Kranken- oder Lebensversicherugen würden gerne Risikopersonen identifzieren, um von ihnen höhere Beiträge zu verlangen oder ihnen Policen zu verweigert. Banken würden Risikopersonen Kredite zu schlechteren Konditionen gewähren, Arbeitgeber solche Menschen nicht einstellen.

Sax und Beißbarth befassen sich seit 2006 mit Fragen rund um die Genomsequenzierung. Für Vorträge holen sie regelmäßig Experten verschiedener Fachrichtungen nach Göttingen.

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