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Konzert von "Pianist in den Trümmern"

Studentenprojekt Konzert von "Pianist in den Trümmern"

Als „Pianist in den Trümmern“ machte Aeham Ahmad im Flüchtlingslager Jarmuk auf sich aufmerksam – und brachte mit seiner Musik Hoffnung in die trostlose Gegend. Heute lebt der palästinensisch-syrische Flüchtling in Deutschland und trat am Montag mit seinen bewegenden Stücken im Dots auf.

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Aeham Ahmad, 1988 im Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien geboren, wurde als "Pianist in den Trümmern" bekannt.

Quelle: HW

Göttingen. Das Lager Jarmuk bei Damaskus gehört seit dem Bürgerkrieg und der Besetzung durch den IS zu einer der gefährlichsten Zonen in Syrien. Die Szenen aus dem Kurzfilm versetzen die Besucher im Hinterhof des Göttinger Clubs Dots in eine schmerzhafte Welt. Als Ahmad nahtlos an die letzte Videoszene anschließend auf der Göttinger Bühne weiterspielt, seine Finger energisch und doch gefühvoll über die Tasten gleiten lässt, ist das Publikum beeindruckt. Nah aneinander gequetscht sitzen die vorwiegend jungen Besucher auf dem vollen Hof.

Dass das „Refugee Concert+“ möglich war, dafür sorgte eine Projektgruppe der Zentralen Einrichtung für Sprachen- und Schlüsselqualifikationen (ZESS) der Uni Göttingen aus neun Studierenden. „Wir hatten sechs Wochen Zeit und kein Budget“, sagt Miriam Horst. Schnell sei klar geworden, dass sie etwas mit Kunst und Flüchtlingen machen wollten. So schrieben sie Künstler bei Facebook an – neben Ahmad auch Abbas Ballin, der in der Flüchtlingsunterkunft in Weende lebt und ebenfalls mit Freunden auftrat. Das „+“ im Titel stehe dafür, dass es weitere Veranstaltungen geben solle, so Horst.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Musikalisch – mit Klavier und Gesang – erzählte Ahmad von seiner Vergangenheit, von Freunden, die er verlor und seiner Frau und seinen Söhnen, die er vermisst. Verzerrt sieht Ahmads Gesicht zwischenzeitig aus, als wenn er die Tränen zwanghaft unterdrückt – und doch muss er sich nach einem Lied eine Träne aus dem Gesicht wischen. Mit seiner Musik wolle er sich für Frieden einsetzen, sagt Ahmad. „Klassische Musik ist mein Leben“, erzählt der junge Mann mit den dunklen, leicht lockigen Haaren. Das zeigt er eindrucksvoll, als er „verrückt“, wie er es selbst bezeichnet, in einem Stück Kompositionen von Mozart und Beethoven mit eigenen Melodien mischt und dabei sichtlich Spaß hat.

Der junge Musiker hat seine Lebensfreude nicht verloren: Zwischendurch spielt er „Alle meine Entchen“ und scherzt mit einem kleinen syrischen Jungen im Publikum. Er sei schon gefühlte tausend Mal in Berlin und München aufgetreten, so Ahmad, „aber ich liebe das Publikum hier“, sagt er begeistert. Und das Publikum liebt ihn – feiert jedes Stück mit großem Applaus.

Zur Person:

Aeham Ahmad, 1988 im Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien geboren, wurde als "Pianist in den Trümmern" bekannt. In Syrien spielte er in zerbombten Straßen seine Stücke, zu sehen auf Youtube. Gelernt hatte er das Klavierspielen zuerst von seinem Vater, der eine Werkstatt für Instrumente betrieb. Anschließend studierte er an der musikalischen Fakultät der Baath-Universität in Homs. 2015 floh der palästinensisch-syrische Flüchtling nach Deutschland, wo er nun in Wiesbaden lebt und mit seiner Musik durch Deutschland tourt. So erhielt Ahmad 2015 den Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, wurde Protagonist einer ZDF-Dokumentation und trat unter anderem mit Herbert Grönemeyer und Judith Holofernes auf.

Von Hannah Scheiwe

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