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Göttingen Koptischer Bischof Damian besucht Uni Göttingen
Campus Göttingen Koptischer Bischof Damian besucht Uni Göttingen
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17:24 23.10.2017
Bischof Damain (links) und Professor Tamcke Quelle: Foto: Caspar
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Göttingen

„Papst Tawadros II. musste seinen Deutschlandbesuch am Sonntagnachmittag aus gesundheitlichen Gründen abbrechen“, erklärte Tamcke am Montag 100 Bürgern im Theologicum. Unter Schmerzen habe das Kirchenoberhaupt eine zweitägige Konferenz in Berlin, Treffen mit Sozialwerken sowie einen Empfang beim Bundespräsidenten Franz-Walter Steinmeier (SPD) absolviert. An dem gemeinsamen Gebet mit Vertretern der EKD im Berliner Dom habe der Papst dann bereits nicht mehr teilnehmen können.

„Ein derart hochrangiges Treffen, an dem neben dem Papst noch drei andere orientalische Patriarchen teilnahmen, hat es in der Geschichte der EKD noch nicht gegeben“, erklärte Tamcke. Als Vertreter des Göttinger Instituts für ökumenische Theologie habe er eine Reihe von Gegeneinladungen erhalten. So werde er im kommenden Jahr mit Studierenden die Thomas-Christen in Indien besuchen. Ein Repräsentant dieser Kirche, der New Yorker Metropolit Nikolaos, war am Montag in Göttingen mit dabei.

Anstelle des Papstes sprach Anba Damian, koptischer Bischof in Deutschland. Die Angehörigen der alten orientalischen Kirchen im Nahen Osten würden seit Jahren „diskriminiert, verfolgt und vertrieben“, berichtete der ehemalige Arzt. Die Antwort der Kirchen seien aber nicht Hass und der Griff zu den Waffen. Sie begegneten der „Ignoranz und Gewalt“ vielmehr mit Liebe, versuchten der Unwissenheit mit Schulgründungen entgegenzuwirken. So habe der koptische Papst seit seinem Amtsantritt 2012 sechs Hauptschulen ins Leben gerufen.

Die Kopten in Deutschland, die im westfälischen Borgentreich ein Lager mit 600 Flüchtlingen betrieben, hätten den Muslimen ein Gebäude als Moschee zur Verfügung gestellt, so Damian. Und: „Wir tun das, obwohl Muslime in der gleichen Zeit in Syrien 100 Kirchen zerstört haben.“ Mit einer Plastiktüte kämen die Flüchtlinge ins Lager. Mit „dicken Koffern voller Kleidung“ würden sie es wieder verlassen.

„Wir jammern nicht und versinken auch nicht in Hoffnungslosigkeit,“ sagte der Bischof. Die koptische Kirche, der zehn Prozent der Ägypter angehörten, verstehe sich als Märtyrerkirche. Die dortigen Christen seien bereits unter dem heidnischen römischen Kaiser Diokletian verfolgt worden. Jeden Tag gedächten sie eines jener antiken Märtyrer.

„Weil es so viele koptische Märtyrer im 20. und 21. Jahrhundert gibt, hat die Kirche einen zweiten Gedächtniskalender für diese Glaubenszeugen geschaffen“, so Damian. Dort werde auch an jene 21 Kopten gedacht, die 2015 nach 40-tägiger Folter in Libyen von Mitgliedern des Islamischen Staats geköpft worden seien. Das Video, das die Henker angefertigt hätten, zeige die Gläubigen während der Hinrichtung im Gebet. Ihr Massengrab sei vor zwei Wochen entdeckt worden. Nun würden die Leichen nach Ägypten überführt, um das Land „zu segnen“.

Tamcke berichtete, wie er kurz nach jener Hinrichtung mit einer Gruppe Studierender dem Papst in dessen Palast in Kairo kondoliert hätte. Er sei sprachlos gewesen, als man ihm dort sagte, dass dieser Moment der Trauer „ein Segen für das Land“ sei.

Vom „theologischen Reichtum“ dieses „uralten Strang des Christentums“ zeigte sich der Dekan der Theologischen Fakultät, Prof. Florian Wilk, bereindruckt. Einen Orden, den die Göttinger Theologen neu gestiftet haben, nahm Bischof Damian für den Papst entgegen.

Von Michael Caspar

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