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Koptologin Suzana Hodak hält Vortrag an Universität Göttingen

Textilien als kunst- und kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges Koptologin Suzana Hodak hält Vortrag an Universität Göttingen

„Von Mumien, Mode und Museumsarchiven“ hat die Koptologin Dr. Suzana Hodak ihren Vortrag betitelt, den sie am Dienstag an der Georg-August-Universität hielt. Es ging um das nachpharaonische Textilerbe Ägyptens, also um die Zeit der Kopten.

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Göttingen. Die Kultur der Kopten reicht vom dritten bis zum zehnten nachchristlichen Jahrhundert. Ägypten war in dieser Zeit, so Hodak, „multikulturell geprägt“: Es lösten sich pharaonische, griechische, römische, byzantinische, persische und arabische Einflüsse ab und überlagerten zeitweise einander.Sonst befassen sich Archäologen eher mit steinernen Zeugnissen der Vergangenheit. Dass in Ägypten auch Textilien die Jahrhunderte überdauert haben, verdankt sich den günstigen klimatischen Bedingungen des Landes. Was die koptischen Textilien auszeichnet, ist ihr überquellender Reichtum an Zierrat, an Ornamenten, Blumen- und Tiermotiven, antiken und christlichen Szenen. Bischof Asterius von Amaseia (um 400) wetterte in seinen Predigten gegen die weit verbreitete textile Prunksucht, ein „Gebirge törichter Ideen“, wie Hodak den Kanzelredner zitierte.Zum Glück haben die Kopten dem Wort des Bischofs nicht gehorcht. So können heute die Textilien als „kunst- und kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges“ fungieren, wie Hodak hervorhob. Gefunden wurden sie vor allem in Nekropolen, also in Begräbnisstätten. Schon die Soldaten Napoleons machten auf ihrem Ägypten-Feldzug erste Entdeckungen. Grabungen in größerem Stil veranlasste der Wiener Teppichhändler Theodor Graf in den 1880er-Jahren. Mehrere Tausend Papyri und Textilien verkaufte er an Museen.Hauptfundort koptischer Textilien ist die Nekropole von Antinoopolis, eine römische Stadt knapp 300 Kilometer südlich von Kairo. Dort raffte der Franzose Albert Gayet, ein „Visionär und Schatzräuber“ (Hodak), in den Jahren zwischen 1896 und 1912 Zehntausende textiler Fundstücke zusammen. Seine größten Erfolge erzielte er auf der Pariser Weltausstellung 1900, bei der er mit seinen koptischen Exponaten im „Palais du costume“ sogar die Modeschöpfer inspirierte. Eine besondere „Inszenierung“ Gayets war die gemeinsame Ausstellung der Leichname der Kurtisane Thaïs und des Mönchs und Asketen Serapion im Pariser Musée Guimet, die sicherlich in ihrem wirklichen Leben nie beieinander gelegen hatten.Die Grabungsstätten waren später nur noch „schwarze Löcher“, überall lagen, ihrer letzten Hülle beraubt, „Menschenleiber, die verfallen“: So beschrieb der Archäologe Robert Forrer den Zustand der Nekropole nach Gayets Raubzügen.Ausführlich berichtete Hodak über die Materialien, die textilen Techniken, die Arten der Kleidungsstücke, die Schmuckmotive und vieles andere mehr. Die genaue Datierung der Fundstücke ist durchweg unsicher – nicht zuletzt deshalb, weil bei den Raubgrabungen der Fundkontext nicht dokumentiert wurde. Von Michael Schäfer

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