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Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie

Kritik an Göttinger Agrarökonomen Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre gefährdet. Im Zusammenhang mit der angeschlagenen KTG Agrar SE kritisiert sie drei Göttinger Agrarökonomen. Die Betroffenen weisen die Vorwürfe gegenüber dem Tageblatt zurück.

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Quelle: Arnulf Stoffel / dpa (Symbolbild)

Göttingen. Mit 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche und 1000 Mitarbeitern gehört die in Hamburg ansässige Holding KTG Agrar SE zu den großen agroindustriellen Konzernen in Deutschland. Damit zieht das Unternehmen die Kritik der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft auf sich, die für die Erhaltung kleiner Betriebe kämpft. Mitte des Jahres stimmte das Amtsgericht Hamburg zu, dass der Agrar-Riese ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung umsetzt.

Hauptvorwürfe der Arbeitsgemeinschaft gegen Julian Voss

Im Fall der Agrarökonomen richten sich die Hauptvorwürfe der Arbeitsgemeinschaft gegen Julian Voss, der seit 2013 dem Aufsichtsrat der Holding angehört. Der Professor, der an der Privaten Hochschule Göttingen Allgemeine Betriebswirtschaftslehre unterrichtet, ist Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Areano AG, die bei Investitionen im Agrar- und Ernährungssektor berät. An ihr ist die KTG mit 30 Prozent beteiligt. Darin sieht die Arbeitsgemeinschaft einen Verstoß gegen den Kodex für gute Unternehmensführung, der im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz erarbeitet worden ist.

„Der Kodex ist nicht grundsätzlich gegen Aufsichtsratsmitglieder, die in geschäftlicher Beziehung zu der Firma stehen, die sie kontrollieren sollen“, sagt dazu Voss. Es müsse laut Kodex jedoch sichergestellt sein, dass es eine ausreichende Anzahl unabhängiger Mitglieder im Aufsichtsrat gebe. Bei der KTG Agrar SE gehöre dem Gremium neben ihm und der Hauptaktionärin, Beatrice Ams, noch ein unabhängiger Wirtschaftprüfer an. Voss betont, dass die Areano ihm „nur 450 Euro Vorstandsvergütung im Monat“ zahle.

Kritik: Voss ist geschäftsführender Gesellschafter der Agrifood Consulting GmbH

Die Arbeitsgemeinschaft kritisiert zudem, dass Voss geschäftsführender Gesellschafter der Agrifood Consulting GmbH ist. Sie erhalte von der KTG Aufträge. „Wir machen deutlich weniger als zehn Prozent unseres Umsatzes mit der KTG“, sagt dazu Voss. Er stelle der KTG zudem nicht den üblichen Tagessatz von 1000 Euro pro Mitarbeiter in Rechnung, sondern „nur 250 Euro“ zur Deckung der Kosten.

Die Beratung lief teilweise über die 2008 gegründete Spiller, Zühlsdorf + Voss Agrifood-Consulting GmbH. Über sie ist auch der Doktorvater von Voss, Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen, sowie dessen Kollegin Anke Zühlsdorf in die Kritik geraten. Voss versichert, dass diese Firma, die seit 2013 „operativ inaktiv“ sei und abgewickelt werden solle, „nie geschäftliche Beziehungen“ zur KTG-Gruppe unterhalten habe Voss. Das betont auch Spiller gegenüber dem Tageblatt.

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