Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie
Campus Göttingen Vorwurf zu großer Nähe zur Industrie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 19.07.2016
Von Peter Krüger-Lenz
Quelle: Arnulf Stoffel / dpa (Symbolbild)
Anzeige
Göttingen

Mit 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche und 1000 Mitarbeitern gehört die in Hamburg ansässige Holding KTG Agrar SE zu den großen agroindustriellen Konzernen in Deutschland. Damit zieht das Unternehmen die Kritik der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft auf sich, die für die Erhaltung kleiner Betriebe kämpft. Mitte des Jahres stimmte das Amtsgericht Hamburg zu, dass der Agrar-Riese ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung umsetzt.

Hauptvorwürfe der Arbeitsgemeinschaft gegen Julian Voss

Im Fall der Agrarökonomen richten sich die Hauptvorwürfe der Arbeitsgemeinschaft gegen Julian Voss, der seit 2013 dem Aufsichtsrat der Holding angehört. Der Professor, der an der Privaten Hochschule Göttingen Allgemeine Betriebswirtschaftslehre unterrichtet, ist Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Areano AG, die bei Investitionen im Agrar- und Ernährungssektor berät. An ihr ist die KTG mit 30 Prozent beteiligt. Darin sieht die Arbeitsgemeinschaft einen Verstoß gegen den Kodex für gute Unternehmensführung, der im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz erarbeitet worden ist.

„Der Kodex ist nicht grundsätzlich gegen Aufsichtsratsmitglieder, die in geschäftlicher Beziehung zu der Firma stehen, die sie kontrollieren sollen“, sagt dazu Voss. Es müsse laut Kodex jedoch sichergestellt sein, dass es eine ausreichende Anzahl unabhängiger Mitglieder im Aufsichtsrat gebe. Bei der KTG Agrar SE gehöre dem Gremium neben ihm und der Hauptaktionärin, Beatrice Ams, noch ein unabhängiger Wirtschaftprüfer an. Voss betont, dass die Areano ihm „nur 450 Euro Vorstandsvergütung im Monat“ zahle.

Kritik: Voss ist geschäftsführender Gesellschafter der Agrifood Consulting GmbH

Die Arbeitsgemeinschaft kritisiert zudem, dass Voss geschäftsführender Gesellschafter der Agrifood Consulting GmbH ist. Sie erhalte von der KTG Aufträge. „Wir machen deutlich weniger als zehn Prozent unseres Umsatzes mit der KTG“, sagt dazu Voss. Er stelle der KTG zudem nicht den üblichen Tagessatz von 1000 Euro pro Mitarbeiter in Rechnung, sondern „nur 250 Euro“ zur Deckung der Kosten.

Die Beratung lief teilweise über die 2008 gegründete Spiller, Zühlsdorf + Voss Agrifood-Consulting GmbH. Über sie ist auch der Doktorvater von Voss, Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen, sowie dessen Kollegin Anke Zühlsdorf in die Kritik geraten. Voss versichert, dass diese Firma, die seit 2013 „operativ inaktiv“ sei und abgewickelt werden solle, „nie geschäftliche Beziehungen“ zur KTG-Gruppe unterhalten habe Voss. Das betont auch Spiller gegenüber dem Tageblatt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige