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Göttingen Göttinger Forscher weisen Kritik zurück
Campus Göttingen Göttinger Forscher weisen Kritik zurück
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00:16 27.05.2017
Göttingen

Der Autor eines Berichtes in der Dienstagausgabe der "Welt" hatte behauptet, die Untersuchung liste auch erfundene Experten auf. So kämen mehrere angebliche Stadträte zu Wort, die in den jeweiligen Kommunen unbekannt seien. Auch die Bild-Zeitung berichtete am Mittwoch über die Studie und zitierte unter anderem den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder: "Die Studie grenzt an einen Skandal." Kauder erklärte, die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, hätte die Studie nicht veröffentlichen dürfen.

"Natürlich ist nichts von diesen Unterstellungen richtig", erklärte das Göttinger Institut für Demokratieforschung in einer Mitteilung.  Alle Interview-Passagen stammten von tatsächlichen Akteuren vor Ort, seien von den Autoren der Studie geführt, verschriftlicht und analysiert worden. Es seien keine Gesprächspartnern "erfunden" worden.

"Zum Schutz der Befragten wurden diese allerdings mehrheitlich anonymisiert bzw. verfremdet", heißt es in der Stellungnahme des Institutes. Dabei handele es sich um eine nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch im Journalismus "ganz und gar übliche und unverzichtbare Methode, Quellen zu schützen".

Einer der Autoren der Studie, Danny Michelsen, bezeichnete es auf Nachfrage des Berliner "Tagesspiegel" als "Fehler, dass wir im Namensverzeichnis nicht mit Sternchen noch einmal gekennzeichnet haben, welche Interviewpartner anonymisiert wurden". Er wies aber darauf hin, dass "durch die einfache Bezeichnung von Herrn ... und Frau ... es ja auch offensichtlich ist, dass hier anonymisiert wurde". Michelsen erklärte im Namen des gesamten Autorenteams: "Dieses formale Defizit ist aber, wie gesagt, ein Fehler, den wir bei einer überarbeiteten und ergänzten Buchpublikation auch beheben werden."

In der vergangene Woche vorgestellten Studie bescheinigt das Göttinger Institut für Demokratieforschung einigen Regionen in Ostdeutschland ein großes Problem mit dem Rechtsextremismus. Zugleich sei Rechtsextremismus nicht ausschließlich ein Ost-West-Problem, sondern auch ein Zentrum-Peripherie-Problem. Er werde aber befördert durch "Faktoren, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt sind".

Für die Untersuchung mit dem Titel "Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland - Ursachen, Hintergründe, regionale Kontextfaktoren" hatten die Göttinger Wissenschaftler von Mai bis Dezember des vergangenen Jahres die sächsischen Städte Freital und Heidenau sowie den Erfurter Stadtteil Herrenberg untersucht. Unter anderem führten sie 40 Einzelinterviews mit Bewohnern, Politikern und Akteuren vor Ort, besuchten Demonstrationen und Bürgerversammlungen und werteten bereits vorhandenes Datenmaterial aus.

jes/epd

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