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Göttingen Verlängerung für UMG-Vorstand
Campus Göttingen Verlängerung für UMG-Vorstand
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02:15 10.04.2017
Quelle: Wenzel
Göttingen

Nach fünf Jahren im Amt wird entschieden, ob die Amtszeit nach sechs Jahren endet oder fortgesetzt werden soll. Für Vorstandsmitglied Freytag stand das jetzt an und demnächst für Vorstandssprecher Kroemer. Der Stiftungsausschuss der Universitätsmedizin Göttingen ( UMG) und der Fakultätsrat einigten sich: „Wir haben eine reine Rationalitätsentscheidung getroffen und die Entscheidung über Herrn Kroemer vorgezogen“, erklärt Rüdiger Strehl, Vorsitzender des UMG-Stiftungsausschusses, die Vorbereitung für das Ende März erfolgte Votum.

Kroemer (57) ist seit September 2012 Vorstand Ressort Forschung und Lehre, Dekan der Medizinischen Fakultät und Sprecher des UMG-Vorstandes. Bis 30. August 2024 wurde seine Amtszeit nun verlängert: „Ich freue mich darüber, na klar“, sagte er auf Tageblatt-Anfrage am Freitag. Vor allem das einstimmige Votum habe ihn sehr gefreut, das sei ein Vertrauensbeweis. Kroemer, der Pharmazie studierte und als Professor von Tübingen 1998 nach Greifswald wechselte, übernahm an der Universität in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend Managementaufgaben. „In Greifswald konnten wir auf der grünen Wiese ein komplett neues Klinikum bauen und ich habe das ein Stück weit begleitet“, so Kroemer, der nun auch in Göttingen gewissermaßen Bauherr werden wird, wenn das Klinikum neue Bettenhäuser und Operationssäle erhält. Die Weichen dafür sind gestellt.

Dabei hatte der UMG-Chef in seiner Göttinger Anfangszeit die baulichen Mängel des 1977 erbauten Großkrankenhauses gar nicht im Blick, gesteht er. Damals sei er fasziniert gewesen von den Leuten, dem Campus mit seinen außeruniversitären Forschungsinstituten und von den Möglichkeiten, die eine Stiftungsuniversität bietet.

Wie Kroemer kam auch der Arzt Freytag, der seit 2004 an der UMG tätig ist, im Jahr 2012 ins Vorstandsamt. Seine Amtszeit begann im Januar und stand nach nun fünf Jahren zur Verlängerung an. Freytag (54), der bis 31. Dezember 2023 im Amt als Vorstand Ressort Wirschaftsführung und Administration bleibt, sieht die Vertragsverlängerung „als Bestätigung und Anerkennung der gemeinsamen Vorstandsarbeit. Die Bedeutung einer Kontinuität dieser erfolgreichen Konstellation im Vorstand  ist angesichts der anstehenden Herausforderungen gar nicht zu unterschätzen.“

Diese Meinung teilt auch Nobert Erichsen. Der Pflegedirektor ist seit 25 Jahren in der Position, hat mit Ärztlichen Direktoren und Vorstandschefs im Klinikum zusammengearbeit. Erichsen lobt Kroemers „Vernetzung und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Politik.“ Und sagte zu der Vertragsverlängerung: "Ich freue mich riesig für dieses Haus." Und mit Blick auf seinen Aufgabenbereich mit 2200 Mitarbeitern wies Erichsen darauf hin, dass Kroemer von Beginn seiner Göttinger Amtszeit die Studiengänge Pflegemanagement begleitet habe und den 2016 eröffnete Gesundheitscampus auf den Weg brachte.

„Kontinuität ist das A und O in dieser Situation mit dem bevorstehenden Umbruch“, betont Erika Westphal. Die stellvertretende Vorsitzende des UMG-Personalrats, die ebenfalls mit verschiedenen Personen im Vorstand zusammengearbeitet hat, sagt, „es ist sehr gut, dass sich die Herren entschieden haben, ihre Arbeit fortzusetzen."

Neben Kroemer und Freytag ist Dr. Martin Siess (50) Mitglied im UMG-Vorstand. Seit Januar 2010 ist er für das Ressort Krankenversorgung verantwortlich und, nach Verlängerung im Vorjahr, gewählt bis 2021. Das derzeitige Führungsteam der UMG kann, anders als seine Vorgänger, nun schon jahrelange Zusammenarbeit vorweisen. Kroemer sagte, es habe in keiner Weise ein Abwerbungsangebot gegeben, sondern die Entscheidung sei konfliktfrei und konstruktiv getroffen worden. Und dabei ist der Markt nach Ansicht des Stiftungsausschussvorsitzenden Strehl überschaubar: "Es gibt einen sehr kleinen Markt für Führungskräfte in Wissenschaftseinrichtungen. Insbesondere große Städte wie Berlin mit der Charité oder München sehen sich im Vorteil. Dagegen konnte sich Göttingen mit einem gut abgestimmten Viereck von UMG, Uni, Ministerium und Max-Planck-Gesellschaft durchsetzen. "

Aber punkten kann die UMG aus Sicht von Kroemer auch als ein "außerordentlich tolles Unternehmen mit einer exquisit guten Truppe an Leuten." Kroemer, der Mitglied in den Hochschulkommissionen verschiedener Bundesländer ist und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer, hat festgestellt, dass die Universitätsmedizin Göttingen mit ihrer engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit "sehr untypisch für Deutschland ist". Insofern nimmt er die Herausfoderung des Standorts an, denn mit dem Generalentwicklungsplan-Stufe 2 stehen große Veränderungen an. Das Land Niedersachsen hat in dieser Woche dafür grünes Licht gegeben und ein "Sondervermögen zur Nachholung von Investitionen bei den Hochschulen in staatlicher Verantwortung" beschlossen: Für Modernisierungsinvestitionen erhält Göttingen darüber 300 Millionen Euro. Der Investitionsbedarf wird auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Die UMG arbeitet zurzeit an der Weiterentwicklung ihres Generalentwicklungsplanes mit der Masterplanung für einen neuen Campus Universitätsmedizin Göttingen bis Ende Juni 2017. Wenn die Vorhaben dann voraussichtlich ab 2018 in einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren realisiert werden, sind Kroemer, Freytag und Siess in der Anfangszeit in entscheidender Position dabei.

„Sehr gute Entscheidung“

Vertragsverlängerungen für Kroemer und Freytag treffen durchweg auf Zustimmung

Göttingen. Vertreter der Stadt und der Göttinger Politik begrüßen die Vertragsverlängerungen für die Vorstandsmitglieder der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Heyo K. Kroemer und Sebastian Freytag. Das sorge für Kontinuität, so die einhellige Meinung.
Der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler bezeichnete seine Zusammenarbeit mit dem gesamten Vorstand "sehr gut und vertrauensvoll. Die drei sind ein gutes Team für die Zukunft der UMG." Die Region könne sich glücklich schätzen, so Güntzler, solch ein Leitungsteam beim größten Arbeitgeber zu haben. Und auch in Berlin genieße der UMG-Vorstand, insbesondere dessen Sprecher Kroemer, Hochachtung.

Nach Ansicht des Göttinger SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann ist „die Verlängerung von Prof. Heyo Kroemer und Dr. Sebastian Freytag eine strategische Entscheidung für eine gute Zukunft der Universitätsmedizin in Göttingen. Die UMG wird hochprofessionell und mit politischem Geschick geführt. Kroemer und Freytag sind die ersten UMG-Vorstände, die die Möglichkeiten der Stiftungsuniversität nutzen und voll zur Geltung bringen. Es war eine kluge Entscheidung des Aufsichtsrates, diese beiden langfristig an Göttingen zu binden.“

"Die  1,1 Milliarden-Investition stellt die Universitätsmedizin vor eine der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Der Vorstand hat bewiesen, dass er komplexe Projekte erfolgreich umsetzen kann und bietet mit seiner Erfahrung und Expertise die beste Voraussetzung, dass die Zukunftssicherung der UMG  gemeistert wird. Der Vorstand genießt das volle  Vertrauen und  die Anerkennung der Politik. Ich freue mich sehr auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit", sagte Gabriele Andretta, Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete.
Landrat Bernhard Reuter (SPD) erklärte: „ Ich begrüße die Amtszeitverlängerung von Prof. Dr. Heyo Kroemer und Dr. Sebastian Freytag. Der Vorstand hat sich große Verdienste erworben, insbesondere als es um die Entscheidung der Landesregierung für das Neubauprojekt ging. Hier kommt es langfristig zu einem Investitionsvolumen von 1 Milliarde Euro“.
Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel erklärte: „Ich freue mich sehr über die Verlängerung der Amtszeiten von Herrn Kroemer und Herrn Freytag und darauf, die hervorragende Zusammenarbeit der vergangenen Jahre mit dem Vorstand der Universitätsmedizin fortsetzen zu können. Für die erfolgreiche Entwicklung der UMG und die Exzellenzstrategie des gesamten Göttingen Campus ist das ein wichtiges Signal.“
Das Klinikum habe große Herausforderungen und große investitionen zu bewältigen, sagte die SPD-Ratsfrau und stellvertretende Göttinger Bürgermeisterin Helmi Behbehani. Für die Sanierungen und Erweiterungen des Klinikums in den kommenden Jahren sei ein stabiler Vorstand unerlässlich. Der Stiftungsausschuss habe offenbar für Kontinuität sorgen wollen.
Thomas Häntsch, stellvertretender Bürgermeister und CDU-Ratsherr, sagte, Kroemer habe sich als „sehr kompetent und im positiven Sinne umtriebig“ erwiesen. Unter anderem habe er sichnicht nur für das Klinikum, sondern auch intensiv für die Mitarbeiter des Klinikums eingesetzt.
Auch Ulrich Holefleisch, weiterer stellvertretender Bürgermeister und Grünen-Ratsherr, spricht von einer "guten Entscheidung“. Für die Umbauten und Erweiterungen sei ein hoher Management-Aufwand notwendig, für den ein arbeitsfähiger und kompetenter Vorstand unerlässlich sei.
Für den Göttinger CDU-Stadtverband erklärte dessen Vorsitzender Ludwig Theuvsen, es sei „grundsätzlich gut, wenn man früh personalwirtschaftliche Weichen stellt“. Die Entscheidung für Kroemer und Freitag bedeute nicht nur für das Klinikum selbst, sondern gerade auch für die Beschäftigten Verlässlichkeit für die Zukunft.

hein/jes

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