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Göttingen Porträts von Professoren der Göttinger Universität
Campus Göttingen Porträts von Professoren der Göttinger Universität
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00:21 29.09.2018
Ausstellung "Face the Fact - Wissenschaftlichkeit im Portrait" am 26.09.2018 in Göttingen. Foto: Swen Pförtner Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

Gleich am Eingang des Hauptausstellungssaals blickt er die Besucher an, quasi von Angesicht zu Angesicht: Abraham Gotthelf Kästner (1719-1800), Professor für Mathematik und Physik sowie Direktor der Göttinger Sternwarte, festgehalten in Öl auf Leinwand. Er prägte den Satz, der als Motto über der Ausstellung steht: „Sorgt ja, daß auch von Euren Zügen Ein gutes Bild der Nachwelt übrig ist: So sieht sie euch, Autoren! mit Vergnügen, Wenn sie euch lange nicht mehr liest.“

Die ältesten Porträts der Ausstellung

Etwas modifiziert könnte Kästners Postulat auch über den ältesten Porträts der Ausstellung stehen. Die damals noch junge Universität gab Porträts ihrer Professoren in Auftrag – eine Werbekampagne, um im Vergleich mit den älteren Universitäten zu zeigen, was für schlaue Köpfe in Göttingen lehrten. Als „total standardisiert“ bezeichnet Marie Luisa Allemeyer, Direktorin der Zentralen Kustodie der Universität, diese Reihe. Eine ganze Wand der Ausstellung ist mit diesen Abbildern gefüllt.

Ganz individuell gestaltet dagegen die Porträts der Professoren, die den Gründern folgten. Ein Bildnis beispielsweise hängt in dieser kleinen Reihe, das den Mediziner Johann Georg Roederer (1726-1763) zeigt. Ihn sehen wir nicht nur mit Händen, sondern auch aufgestützt auf ein Buch, in der Hand einen Knochen und mit der anderen ein Zeichen machen, das an ein Geburtshilfe-Instrument erinnert, mit dem die Weite des Geburtskanals gemessen wurde. Der Professor gab wie auch seine Kollegen das Bild selbst in Auftrag. Es setzte ihn als Wissenschaftler in Szene, der als Erster die Geburtshilfe als Wissenschaft betrieb und sich damit gegen seine Mediziner-Kollegen und den Berufsstand der Hebammen wandte.

Sammlerstück Visitenkarte

„Danach geht es durch die Medien“, erläutert Allemeyer den chronologischen Fortgang der Schau. Scherenschnitte sind dort zu sehen, wie sie an Universitäten eine Zeitlang sehr angesagt waren. Sammelobjekte wie auch die Visitenkarten, die Professoren von sich drucken ließen –mit Porträt. Die konnte nur bekommen, wer den Abgebildeten kannte. Karten wie die von dem Mathematiker David Hilbert (1862-1943).

In den 1930er- und 1940-er Jahren erschienen Professoren-Porträts auch auf Postkarten, die lokale anbieter verkauften. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden dann dann die Medien wichtiger. Zahlreiche Bilder aus dem Göttinger tageblatt haben die Organisatoren der Ausstellung in den Archiven gefunden und in die Schau integriert.

Ziel von Spott

Natürlich wurden die gelehrten Professoren auch Ziel von Spott, zu entdecken im Karzer. Dort offenbarte ein Student seine Einschätzung der Forschung des Metereologen Ernst Klinkerfues (1827-1884): Fernrohr am Morgen, die Weinflasche am Abend. Und eine Frau ist häufiger ganz ernsthaft vertreten: Von der Universitätsmamsell Dorothea von Schlözer wurden mehrer Porträts in unterschiedlichen Materialien angefertigt.

Die Ausstellung läuft bis zum 3. März 2019 in der Kunstsammlung der Universität, Weender Landstraße 2 in Göttingen. Sie ist donnerstags und freitags von 16 bis 20 Uhr, sonnabends von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt ist donnerstags bis sonnabends frei. Sonntags beträgt der Eintrittspreis mit Zugang zur Dauerausstellung drei Euro.

Von Peter Krüger-Lenz

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