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Lecture erinnert an Adam von Trott

Neue Kooperation Lecture erinnert an Adam von Trott

Mit der ersten Adam-von-Trott-Lecture hat die Universität Göttingen das Kooperationsvorhaben „Demokratie – Widerstand – Internationalität“ mit der Stiftung Adam von Trott begonnen. Rechtswissenschaftler Reinhard Zimmermann erörterte die Frage, "England und Deutschland: Unterschiedliche Rechtskulturen?“.

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Referent Prof. Reinhard Zimmermann vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg hält die erste Adam-von-Trott-Lecture in Göttingen.

Quelle: Bänsch

Göttingen. In Erinnerung an den Göttinger Alumnus und Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz (1909-1944) und ausgehend von seinem Leben, Wirken und Denken, werden eine Vielzahl von Projekten in Forschung und Lehre sowie öffentliche Formate entwickelt: Masterseminare und Schülerworkshops nannte Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel.

Bundesmittel für Kooperationsprojekt

Mit den Worten, " Sie haben den Stein dazu angestoßen", dankte Beisiegel dem Göttinger SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann als Ideengeber und Unterstützer. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion beantragte erfolgreich Bundesmittel in Höhe von fünf Millionen Euro für das Kooperationsprojekt.

Oppermann, wie Trott ehemaliger Student der Georgia Augusta und Jurist, beschrieb Trott als einen vorausschauenden Weltbürger, der für eine europäische Zoll- und Währungsunion eintrat und einen Gerichtshof für Europa forderte. Wenn jetzt überall in der Europäischen Union die Nationalisierung stärker werde, "ist das ein gefährlicher Weg".

Adam von Trott (1909-1944)

Quelle: r

Trott hatte bereits 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten vom "Willkür-Staat" gesprochen. Als Jurist im Auswärtigen Amt habe der aus Imshausen in Hessen stammende Trott seine Position als Legationsrat geschickt genutzt, um den Widerstand zu organisieren, so Oppermann. Als Mitglied des Kreisauer Kreises war Trott beteiligt an den Vorbereitungen zum Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944.

Dazu sagte am Freitagabend im nach Adam von Trott benannten Saal des Tagungshauses Alte Mensa Stiftungsvorsitzender Prof. Roland Merten, "es ging nicht nur um die Befreiung von Tyrannis, es ging auch um die Errichtung eines demokratischen Rechtsstaates." Als Widerstandskämpfer wurde Trott vom Volksgerichtshof der Nationalsozialisten zum Tode am 26. August 1944 verurteilt.

In nobler Isolation

An Trotts "tiefe Sympathien für England und die Engländer" erinnerte Prof. Zimmermann. Der Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg stellte fest, "zur englischen Kultur gehört zweifellos das englische Recht." Seit dem Mittelalter gelte das Common Law. Im 17. Jahrhundert sei es erfolgreich verteidigt worden. In England könnte sich das Römische Recht, das überwiegend in Europa die Rechtsprechung prägt, nicht durchsetzen. So sind die Wege zum Urteil so unterschiedlich ausgeprägt, wie die Handlungsspielräume von Gerichten und Richtern. Und dennoch sei die oft gehörte Aussage, das englische Recht hat sich in nobler Isolation entwickelt, "ein Mythos". Das begründete Zimmermann damit, dass Latein und Französisch Sprachen des englischen Rechts waren, in Oxford und Cambridge römisches Recht gelehrt wurde und in Schottland römisch-rechtliches Gedankengut aus Frankreich und Holland die Rechtsprechung beeinflusste.

Das englische Recht hat viele Eigenarten von der Verfahrensweise über die Urteilsfindung bis zur Ausbildung und den Karrierewegen von Juristen, wie Zimmermann sie unterhaltsam darzustellen wusste, aber sei eben doch Teil der europäischen Rechtskultur und "in Europa sehr wichtig". Zimmermann forderte mit Blick auf den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens die Rechtswissenschaftler auf, "die Verbindungen aufrechtzuerhalten" zu den britischen Kollegen. Und mit Blick auf die aktuelle politische Situation endete Zimmermann mit einem Trott-Zitat, das heute nicht weniger gelte als damals: "Our mutual enemy is indolence...". Zimmermann: "Heute ist es ebenso eine falsche Haltung, gleichgültig und teilnahmslos zu handeln."

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