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Göttingen Molekulare Genschere im Einsatz
Campus Göttingen Molekulare Genschere im Einsatz
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10:29 04.02.2018
Molekularbiologin Maram Bader zeigt Lehrer Torsten Klein im Xlab eine neue molekularbiologische Methode. Quelle: Art
Göttingen

Eine neue molekularbiologische Methode ermöglicht es, gezielt Abschnitte der Erbinformation eines Lebewesens zu verändern. Zwölf Lehrer aus mehreren Bundesländern haben das Verfahren am Sonnabend im X-Lab in Göttingen kennengelernt.

„CRISPR/ Gas9“ heißt die Methode, die umgangssprachlich auch als molekulare Genschere bezeichnet wird. Damit eröffnen sich „unglaubliche Möglichkeiten“, sagte Prof. Eva-Maria Neher, geschäftsführende Direktorin des X-Lab. Angewendet wird das Verfahren bereits in der Pflanzen- und Tierzüchtung, ebenso in der Entwicklung von Gentherapien, von denen sich Forscher die Heilung „schwer verlaufender Erbkrankheiten“ erhoffen.

Enzym zielgerichtet in DNA-Sequenz eingeführt

„Man kann DNA an gezielten Stellen reparieren“, erklärte Molekularbiologin und Fachbereichsleiterin Bader. Einzelne Bausteine der Erbinformation ließen sich einfügen, verändern oder austauschen. Die Methode, mit der ein Enzym zielgerichtet in eine bestimmten DNA-Sequenz geführt werde, könnte die Vorgehensweise von Ärzten verändern, mit der sie Krankheiten behandeln.

Bader vermittelte den Lehrern das notwendige Wissen und leitete die einzelnen Arbeitsschritte an. Alle Lehrer meisterten die Aufgabe, ein Fluoreszenzprotein mit der neuen Methode in einer humanen Zelllinie gezielt auszuschalten.

„Wir isolieren erst einmal DNA, die benötigen wir und diese DNA bringen wir dann in die menschlichen Zellen“, erklärte Bader das Prinzip. Fragen der Lehrer zielten häufig auf die medizinischen Anwendungsbereiche ab. Großes Interesse der Teilnehmer registrierte Neher schon bei der Einführung. „Das war wirklich eine interaktive Veranstaltung“, schilderte sie ihren Eindruck.

Teilnehmer wollen auf aktuellem Stand sein

„Ich finde es wichtig, dass man auf dem neuesten Stand bleibt“, begründete Claudia Backhaus ihre Teilnahme. Das Thema sei „weltbewegend“. Es könne eine Gesellschaft verändern, „so dass wir es in die Schule hineintragen müssen“, sagte die Biologielehrerin aus Elmshorn. Sie habe in Göttingen studiert, dabei das X-Lab kennengelernt und es bereits mit einer Klasse besucht.

„Es ist ein gutes Angebot, um mal Praxis und Theorie miteinander zu verknüpfen“, erklärte Annika Fritz, die als Biologielehrerin am Gymnasialzweig der Kooperativen Gesamtschule Neustadt am Rübenberge arbeitet. Sie wolle das Know-how erwerben, das notwendig sei, um es später Schülern vermitteln zu können.

„Wir haben in Berlin eine Schülergruppe, die Unterrichtsmaterial zu CRISPR für andere Schüler entwerfen möchte“, erklärte Biotechnologin Ulrike Mittmann, die in der Hauptstadt eine Lehrerin bei der Umsetzung des entsprechenden Projekts begleitet. „Wir schauen gerade, ob wir mit dem Verband der chemischen Industrie ein Modul in Hannover anbieten können“, beschrieb Chemie- und Physiklehrer Torsten Klein seine Motivation. Für ihn sei die Teilnahme an der Fortbildung im X-Lab ein „Probeballon“.

„Die Forschung in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen ist von einer rasanten Entwicklung gekennzeichnet. Dies zu zeigen ist oft nur durch den Einsatz höchst komplizierter Methoden und Messinstrumenten möglich, die wir im X-Lab kaum etablieren können. In der molekularbiologischen Forschung kann dies jedoch auch anders sein. So ist es uns möglich die bahnbrechende Methode des Geneditierens mit der CRISPR/Cas9 dank der wissenschaftlichen und experimentellen Expertise unserer Dozenten auch in unseren Laboren durchzuführen und sowohl Lehrkräften als auch Oberstufenstufenschülern anzubieten“, sagte X-Lab-Direktorin Neher über das neue Fortbildungsangebot.

Von Axel Artmann

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