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Literaturwissenschaftler Schöne erhält Göttinger Ehrenmedaille

Auszeichnung der Stadt Literaturwissenschaftler Schöne erhält Göttinger Ehrenmedaille

Der Literaturwissenschaftler Albrecht Schöne hat am Sonnabend die Ehrenmedaille der Stadt Göttingen erhalten. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler überreichte die Auszeichnung bei einem Festakt zum 90. Geburtstag des Germanisten Schöne im Aulagebäude der Georg-August-Universität.

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Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (links) überreicht die Auszeichnung an Albrecht Schöne.

Quelle: Heller

Göttingen. Als wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Deutsche Philologie begann Albrecht Schöne 1953 seine berufliche Tätigkeit an der Universität Göttingen. Hier habilitierte er sich 1957, wurde außerordentlicher Professor in Münster, um 1960 nach Göttingen zurückzukehren und hier als ordentlicher Professor der Deutschen Philologie an der Universität bis 1990 tätig zu sein. Seine Berufung als Literaturwissenschaftler endete damit nicht.

Foto: Heller

Der Literaturwissenschaftler Albrecht Schöne hat am Sonnabend die Ehrenmedaille der Stadt Göttingen erhalten. © Heller

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Schöne, der im Juli seinen 90. Geburtstag feierte, habe Göttingen „immer die Treue gehalten“ und 1985 mit der Ausrichtung des Weltkongresses der Germanisten in der Stadt, internationale Gäste hierher geholt, so Oberbürgermeister Köhler (SPD). „Ihr Renommee und Ihre Reputation haben auch unsere Stadt bereichert“, betonte Köhler und verwies auf international bekannte Textausgaben von Schöne über die Epoche des Barock und Goethe-Werke sowie seine Arbeiten über die Aufklärung und damit auch über den Göttinger Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799). Das Werk habe „das literarische Gespräch in der Stadt inspiriert“.

Das vorangegange Symposion hatte dagegen „Literarische Briefe“ zum Thema, das Schüler und Freunde aus verschiedenen Richtungen der Philologie und Geschichte beleuchteten und damit auf Schwerpunkte der Schöne-Forschung eingingen. So die Briefe von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832); das Thema des in diesem Jahr erschienenen Buches von Schöne.

Heinrich Detering vom Seminar für Deutsche Philologie eröffnete das Symposion und berichtete von Seminaren bei Schöne in 1970er-Jahren, die „Grundeinsichten eines fernen Zeitalters deutlich machen wollten“, wenn es um Gedichte vergangener Epochen ging. Schöne gelang es, die Studierenden für sich einzunehmen, weil er sie anleitete, „den oder das Andere mit dem eigenen Verstand zu erkunden“, so Detering. Bei Albrecht Schöne zu lernen, habe immer bedeutet, fürs Leben zu lernen – auch mit einer Anleitung zur höheren Lebenskunst.

Ihre Erkenntnisse über Briefe aus Frankfurt stellten Reformationshistoriker Thomas Kaufmann und Germanist Hans-Jürgen Schrader vor. Kaufmann, Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, analysierte einen Brief von Martin Luther (1483-1546) , den der Reformator auf dem Weg von Worms in die Schutzhaft auf die Wartburg am 28. April 1521 schrieb. Das an den Maler und Freund Lucas Cranach (1472-1553) gerichtete Schreiben, das die damals für enger Freund übliche Bezeichnung Gevatter mehrmals beinhaltet, hatte Prof. Kaufmann aus guten Grund ausgewählt: Er würdigte damit Schöne als Lutheraner, ging auf seinen Vorfahren Cranach ein und erinnerte an Schönes Kindheit zwischen Wartburg und Weimar.

Einen erst seit 2014 bekannten Brief des jungen Goethe stellte der Genfer Professor Schrader vor und kam damit einer Ansage seines Lehrers nach: „Der Schrader soll was über Pietismus sagen“. Der war auch Thema, mehr ging es aber um die zeremoniellen Wendungen in Geschäftsbriefen. Um so einen handelt sich das Schreiben vom 3. Januar 1774 an Johann Friedrich von Fleischbein. Dieses nannte Schrader ein „einzigartiges Dokument, das Goethe als kleinen geschäftsträchtigen Frankfurter mit Geldgeschäften in die Schweiz“ zeigt. Zu der Zeit war Goethe noch auf den Broterwerb im väterlichen Betrieb angewiesen. Und das Thema war, neben Freundschaftsdiensten für den Adressaten und dessen Freunde, ein Geldgeschäft von 100 Louis d' Or; die Goldmünzen sollen immerhin zehn Monatsgehältern eines Pfarrers oder sieben Jahresgehältern eines Holzarbeiters entsprochen haben. Für die Analyse von Goethes Wortwahl, so Schrader, ist das von Schöne erst jüngst geschaffene Instrumentarium, das er in seinem Buch „Der Briefschreiber Goethe“ vorstellte, ein literaturwissenchaftlicher Gewinn.

Dass Goethe nicht nur als junger Geschäftsmann, sondern auch als Schriftsteller und Publizist den Gewinn nicht außer Acht ließ, belegte der von Anne Bohnenkamp-Renken vorgestellte Brief vom 27. September 1827. In dem nun in Weimar verfassten Brief, mit Gruß aus eigener Feder und ansonsten von zwei Schreibern niedergeschrieben, erörtert Goethe dem Bremer Carl Iken, seine Gedanken über „die Leser, für die ich eigentlich schrieb“. Dabei teilte er mit, dass er ein erschöpfendes Lesen auch vom verständigen Leser nicht erwarte, dass sich aber mit dem dichterischen Werk als Heiligtum mehrmals befasst werden muss. Prof. Bohnenkamp-Renken, Mitglied im Doktoranden-Kolloquium von Schöne und heute Direktorin des Deutschen Hochstifts / Goethehauses in Frankfurt hatte damit passend fürs Symposium ausgewählt und verstand den auch von Schöne gepflegten Diskurs mit einem Goethe-Zitat zu beschreiben: „Denn durch das Mitwirken solcher jungen Männer kann ich allein aufgeregt werden, meine höheren Jahre, statt in Ruhe und Genuss, mühsam und bewegt einzubringen.“

Schöne machte es kurz und dankte als ein „Lehrer, der durch und durch von seinen Schülern doch lernen kann.“ Das Übergreifende der Philologie, wie es die Vorträge gezeigt hatten, lobte er ebenso wie die Literaturwissenschaft als „diese Goldschmiedekunst und Kennerschaft des Wortes“ - wie Friedrich Nietzsche sie 1846 benannte.

 

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