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Pflanzenzüchter streiten um Zulassungsverfahren

Lobbyistin Stephanie Frank in Göttingen Pflanzenzüchter streiten um Zulassungsverfahren

„Durch sogenanntes Genome Editing entstandenes Saatgut soll nicht den gleichen strengen Zulassungsverfahren unterliegen wie Gentechnik-Saaten.“ Das hat Stephanie Franck, Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter, während eines Vortrags in Göttingen gefordert.

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Zuckerrüben unter Beobachtung: Keimlinge in einem Labor des Einbecker Unternehmens KWS.

Quelle: r

Göttingen. Die „oberste deutsche Lobbyistin für Pflanzenzucht“, so Franck über sich selbst, will die Methode für die Mittelständler unter den 60 deutschen Saatgutunternehmen zugänglich halten. Aufwendige Zulassungsverfahren könnten sich nur Konzerne leisten, erläuterte sie während der Ringvorlesung Landwirtschaft in der Aula am Wilhelmsplatz 200 Zuhörern. Unter den deutschen Pflanzenzüchtern machten nur sieben Firmen mehr als 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Beim Genome Editing würden durch „gezielten Schnitt des Doppelstranges“ mit der Erbinformation unerwünschte Gene, die zum Beispiel toxische Stoffe erzeugen, ausgeschaltet, führte Franck aus. Neue genetische Informationen, die wilden Verwandten der Pflanze entnommen seien, ließen sich einfüggen. Es handele sich um kein gentechnisches Verfahren und dürfe daher auch nicht nach Gentechnik-Recht reguliert werden.

Weitere Herausforderungen für Pflanzenzüchter, sprach Franck, die selbst geschäftsführende Gesellschafterin eines solchen Unternehmens ist, an. Probleme zeichneten sich beim Zugang zu den genetischen Ressourcen ab. In den 90er-Jahren hätten die Länder des Südens durchgesetzt, dass natürliche Ressourcen dem Land gehörten, aus dem sie kämen. In der Pfanzenzucht seien die Vorgaben des sogenannten Nagoya-Protokolls aber schwer umzusetzen, da genetische Ressourcen bei Züchtungen nie unverändert blieben. Am Ende lasse sich der Beitrag zur Gesamtleistung nur von einer „massiven Kontrollbürokratie“ erfassen. Es gebe daher derzeit Verhandlungen über ein gesondertes Regelungssystem für die Landwirtschaft, so Franck.

Unzufrieden zeigte sich die Lobbyistin mit dem jetzigen System zur Erhebung der sogenannten Nachbaugebühr. Sie muss von Landwirten erbracht werden, die einen Teil ihrer Ernte als Saatgut wiederverwenden. Franck erklärte den Sinn der Gebühr: „Die Züchtung einer neuen Sorte dauert in Deutschland mindestens zehn Jahre und kostet ein bis zwei Millionen Euro.“ Es folge ein dreijähriges Zulassungsverfahren. Es werde geprüft, ob eine neue Sorte besser sei als derzeit auf dem Markt gehandelte Produkte. Das Unternehmen wolle das über den langen Zeitraum vorfinanzierte Kapital wieder hereinholen. Das stelle der Sortenschutz sicher.

Gegen eine Patentierung von vorhandener genetischer Informationen sprach sich Franck dagegen aus. Das Europäische Patentamt erteile allerdings zunehmend solche Patente. Zur Zeit befinde die Kommission der Europäischen Union darüber. In jedem Fall müsse sichergestellt werden, dass auch patentiertes Saatgut gegen eine Lizenz für Züchtungen zugänglich bleibe.

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