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Manchmal kommt der Fischotter vorbei

Forellenzucht / Versuchsgut Relliehausen Manchmal kommt der Fischotter vorbei

Aufgeregt schwimmen die Fische hin und her. „Sie glauben, dass sie jetzt etwas zu fressen bekommen“, sagt Heiko Hartmann (50). Er betreut die Tiere in den zehn Forellenteichen sowie einigen großen Kunststoffbasins, die Universität Göttingen auf ihrem Versuchsgut im Sollingdorf Relliehausen betreibt.

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Setzlinge: Der Forellennachwuchs in Folie verpackt.          

Quelle: R

Relliehausen. „Der Standort ist für die Fischzucht günstig“, meint Hartmanns Chef Arne Oppermann (54), der Betriebsleiter des Versuchsguts. Der Wildbach Ilme mit seinem kalten, nährstoffarmen Wasser entspringe in der Nähe im Neuen Teich. Bachaufwärts gebe es keine anderen Fischzuchtbetriebe. Das Wasser aus den Teichen fließe später in Gräben durch einen sumpfigen Erlenwald zurück in die Ilme.

Die Uni hält in Relliehausen zu 80 Prozent die nordamerikanische Regenbogenforelle. Bis zu 80 Zentimeter lang und zehn Kilogramm schwer können die Tiere werden. 15 Prozent der Fische sind die deutlich kleineren Bachforellen. Zudem lebt in den Teichen der Bachsaibling, ein Edelfisch mit zartem Fleisch. Sein Favorit sind die schönen, schmackhaften Tigerforellen, eine Saibling-Bachforellen-Kreuzung. Alle Arten gibt es ab Hof zu kaufen, zu Ostern und Weihnachten auch in Göttingen.

Die Fische schmecken nicht nur den Menschen. Um Schwarzstorch und Fischreiher fernzuhalten, sind die Teiche mit Nylonfäden überspannt. Die Fäden halten auch Enten fern, die Krankheiten einschleppen können. Eisvögel schlüpfen jedoch hindurch und jagen kleine Forellen. „Es dringen zudem immer mal wieder Waschbären und Fischotter ein“, sagt Hartmann. Nach einem solchen Besuch seien die Fische verstört.

Die Nachzucht überlässt die Uni nicht dem Zufall. „Wir halten 1800 bis 2000 Laichfische, die zu acht verschiedenen Zuchtlinien gehören“, erläutert Hartmann. Mit zwei, drei Jahren würden die Tiere erstmals laichreif und ließen sich sechs bis acht Jahre nutzen. Er fange die Tiere, die alle mit Chips markiert seien, im Oktober mit dem Kescher, betäube sie mit Nelkenöl und entnehme dann die Eier.

Das geschieht in einem Gebäude, das in den 60er-Jahren eigens für die Zucht gebaut worden ist. Hartmann gibt zu den Eiern mehrerer Forellen die Milch eines männlichen Tiers. Der befruchtete Laich kommt in Brutschalen. Haben die geschlüpften Tiere eine Größe von fünf Zentimetern erreicht, setzt sie Hartmann in die Teiche aus.

Die Forellenzucht der Universität produziert im Jahr bis zu sieben Tonnen Fisch. „Ein kommerzieller Betrieb müsste auf 20 Tonnen kommen“, sagt Hartmann. In Relliehausen sei mit dem Ilme-Wasser die Produktion von 80 bis 100 Tonnen möglich.

Ernährung der Menschheit

„Süßwasserfische aus Aquakulturen werden in den kommenden Jahrzehnten einen bedeutenden Beitrag zur Ernährung der Menschheit leisten“, erwartet Dirk Augustin (55), der Geschäftsführer der beiden Uni-Versuchsgüter in Relliehausen und Reinhausen. In Asien boome die Zucht, führt der promovierte Agrarwissenschaftler aus.

In Deutschland wachse sie aufgrund strenger Auflagen deutlich langsamer. So sei es etwa verboten, durch Einsatz von Hormonen rein weibliche Forellenbestände zu erzielen. Die Göttinger Professorin Gabriele Hörstgen-Schwark erforsche daher in Relliehausen, ob sich durch Veränderung der Haltungstemperatur während der Brütlingsphase die Geschlechtsausprägung beeinflussen lasse.

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