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Göttingen Antikes Wissen überdauerte Jahrhunderte
Campus Göttingen Antikes Wissen überdauerte Jahrhunderte
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14:30 08.01.2019
Steht seit dem Jahr 1536 im Rom auf dem Kapitol: Statue von Kaiser Marc Aurel. Quelle: Wodrig
Göttingen

Der Bruch zwischen der Antike und dem Mittelalter sei viel weniger tief verlaufen, als es Geschichtsbücher darstellten, führte der Kunsthistoriker am Montag im Alten Auditorium aus. Überhaupt seien die Epochen Antike, Mittelalter und Neuzeit „Makromodelle“ mit wenig Aussagekraft. Außerhalb Europas hätten sie überhaupt keinen Wert mehr.

Die Einwohnerzahl Roms sei von 1,2 Millionen im Jahr 300 mit dem Untergang des Römischen Reichs auf 20000 Menschen im Jahr 800 gesunken, berichtete Luchterhandt. Große Teile der Stadt seien aufgegeben worden, die Gebäude aber trotz der Kriege und Plünderungen nicht sofort im Schutt versunken. Im Jahr 800, als der Papst Karl den Großen zum Kaiser gekrönt hat, sei das Antikenwissen noch vorhanden gewesen.

Der Adel habe damals seine Paläste mit antiken Skulpturen geschmückt. Zwar seien seit dem Jahr 500 keine neuen Skulpturen mehr zu Repräsentationszwecken im öffentlichen Raum aufgestellt worden, aber alte Werke hätten weiterhin zu diesem Zweck gedient.

Bischof Heinrich von Blois

Im 12. Jahrhundert habe der englische Bischof Heinrich von Blois in Rom antike Skulpturen kaufen können, führte Luchterhandt aus. Das zeige, dass es damals dafür einen Markt gegeben habe. Auch Ausfuhrbestimmungen hätten gegolten. Der Bischof habe den Papst um die Erlaubnis zur Ausfuhr bitten müssen. Erst in den letzten 200 Jahren vor der Renaissance sei das Wissen dann deutlich geschwunden.

Der Kunsthistoriker ging auf die Reiterstatue des römischen Kaisers Marc Aurel ein, die aus dem zweiten Jahrhundert stammt. Der ursprüngliche Standort der mehrfach umgesetzten Bronzefigur sei unbekannt. Im Mittelalter habe man sie für eine Darstellung des römischen Kaisers Konstantin gehalten, der als Erster das Christentum geduldet habe. Deswegen sei sie vor dem päpstlichen Lateranpalast aufgestellt worden.

Mitarbeiter der Vatikanischen Bibliothek identifiziert Aurel

Die Deutung sei bereits im Laufe des Mittelalters infrage gestellt worden, berichtete Luchterhandt. Es habe eine Reihe von Theorien über die Identität der Figur gegeben. Während sich Experten zunächst an die Statue selbst gehalten hätten, seien später literarische Zeugnisse herangezogen worden. Am Ende habe 1447 ein Bibliothekar der Vatikanischen Bibliothek durch einen Vergleich mit Kaiserbildnissen auf Münzen herausgefunden, dass es sich um Mark Aurel handeln müsse.

Weil die Kirche keinen heidnischen Kaiser vor dem Papstpalast gewünscht habe, sei die Figur 1536 von Michelangelo auf dem Kapitol aufgestellt worden. „Dort stand sie bis zu ihrer Restaurierung in den 1980er-Jahren“, ergänzte der Gastgeber des Abends, Prof. Johannes Bergemann, der Direktor des Archäologischen Instituts in Göttingen. Er habe damals einen Blick in das Innere der Statur werfen dürfen, verriet er. Heute stehe eine Kopie auf dem Kapitol.

Prof. Jan Pieper spricht am Montag, 14. Januar, um 19.15 Uhr im Alten Auditorium, Weender Landstraße 2, über die „Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen“.

Von Michael Caspar

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