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Mathematik-Anforderungen an Studienanfänger

Podiumsdiskussion Mathematik-Anforderungen an Studienanfänger

Wer ist schuld daran, dass viele Studienanfänger ihr MINT-Studium abbrechen: Die Kompetenzorientierung, der Taschenrechner oder hohe Erwartungen? Auf dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultätentag in Göttingen wurde diskutiert, welche Vorkenntnisse die Abiturienten an die Hochschule mitbringen müssen.

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Wer ist schuld daran, dass viele Studienanfänger ihr MINT-Studium abbrechen: Die Kompetenzorientierung, der Taschenrechner oder hohe Erwartungen? Auf dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultätentag in Göttingen wurde diskutiert, welche Vorkenntnisse die Abiturienten an die Hochschule mitbringen müssen.

Quelle: DPA

Göttingen. Die MINT-Fächer, das sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In allen Bereichen sind mathematische Vorkenntnisse notwendig, um es durchs Studium zu schaffen. In seinem Impuls-Vortrag stellt der Kieler Fachdidaktiker Aiso Heinze im Historischen Gebäude der SUB seine Studie zu den notwendigen Lernvoraussetzungen vor. „Wir haben die Hochschullehrenden gefragt, was sie eigentlich wollen“, erklärt Heinze. Herausgefunden hat er, dass die Dozenten vor allem Wert auf mathematische Grundlagen legen, die schon in der Mittelstufe vermittelt werden. Auch Analysis müsste beherrscht werden. „Ein überraschendes Ergebnis war für mich, dass 78 Prozent der Befragten ein sicherer Umgang mit Taschenrechner und Computer wichtig ist“, hebt Heinze hervor. Das widerspricht der Darstellung eines Brandbriefes, den Mathematik-Professoren im April veröffentlicht hatten. Darin wurde der zu frühe Einsatz von Taschenrechnern kritisiert. Allerdings verdeutlicht Heinze auch, dass Schüler natürlich auch lernen müssten, die eingetippten Ergebnisse kritisch zu betrachten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Wissenschaft wird ebenfalls Bezug genommen auf die Vorwürfe des Frankfurter Brandbriefes. Moderator Hans-Jürgen Elschenbroich konfrontiert Gudrun Köppen-Castrop vom Niedersächsischen Kultusministerium mit dem Kritikpunkt der Kompetenzorientierung, die mathematische Inhalte verdrängen würde. „Stricken ohne Wolle geht nicht. Natürlich dürfen die Inhalte nicht vernachlässigt werden“, stellt Köppen-Castrop fest. Auch im Zusammenhang mit den vereinheitlichten Aufgaben eines Zentralabiturs fügt die Ministerialrätin jedoch hinzu: „Wir sehen in den letzten Jahren keinen Abfall der Leistungen. Wir sind nicht leichter geworden.“

Wolfram Koepf (Deutsche Mathematiker-Vereinigung) fordert mehr Unterricht und Leistungskurse in Mathematik, um die Lücke zwischen Schule und Universitäten zu schließen. Koepf stimmt Heinze auch zu, dass es nicht nur um Grundlagen und Analysis geht, sondern auch um die Einstellungen der Studienanfänger: „Man muss den Studierenden von Anfang an mit auf den Weg geben, dass sie nicht nur in die Veranstaltungen gehen. Außerdem: Studierende sollten mehr zusammenarbeiten. Aufgaben löst man nicht nur im stillen Kämmerlein.“

Ob Studenten und Schüler heute nicht mehr so konzentriert und ausdauernd Aufgaben lösen, ist sich die Runde nicht einig. Das früher alles besser war, dagegen verteidigt der Fachdidaktiker Heinze die heutigen Studenten entschieden: „Diese Diskussion, dass die Abiturienten nicht mehr studierfähig sind, die taucht alle zwanzig Jahre auf.“ Die Diskutanten sind sich am Ende einig: Es gibt nicht den einen Grund wie Taschenrechner, Kompetenzorientierung oder mangelnde Studierfähigkeit, der dem erfolgreichen MINT-Studium im Wege steht. Man müsse besser abgleichen, was die Hochschullehrenden erwarten und die Schule tatsächlich vermittelt. Außerdem ist wichtig, dass Schüler eine Vorstellung davon haben, was im Mathematik-Studium auf sie zukommt, sagt Heinze: „Wissenschaftliche Mathematik unterscheidet sich gravierend vom Matheunterricht.“

Von Jorid Engler

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