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Göttingen Mehr Platz mit Blick ins Leinetal
Campus Göttingen Mehr Platz mit Blick ins Leinetal
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00:19 15.09.2017
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation: Eröffnung mit Musik von Institutsangehörigen. Quelle: CH
Göttingen

Auf einem mächtigen Betonsockel schwebt das zweistöckige, am Hang gelegene Gebäude. Der Aufbau ist aus Holz. Um ein grün gestrichenes Atrium mit Glasdecke, das Mitarbeitern Raum für Austausch bietet, gruppieren sich die sachlich-funktionell gestalteten Denkzellen der Forscher. Massive Eichenholztüren, die leise ins Schloss fallen, lassen keinen Lärm herein. Kühlung und Heizung der Büros erfolgt von der Decke aus. Große Fensterfronten sorgen für Licht. Die Wissenschaftler blicken ins Grüne. Spektakulär ist die Aussicht ins Leinetal.

Geplant wurde das Gebäude, das über eine Brücke mit dem 2011 fertiggestellten Hauptbau verbunden ist, vom Friedberger Büro BLFP Frielinghaus Architekten. „2013 setzten wir uns mit unserem Entwurf bei einem Wettbewerb durch“, berichtete der Geschäftsführer des Büros, Andreas Schmitt. „Die Bauarbeiten begannen im Juli 2015 und zogen sich bis Mai 2017 hin“, ergänzt Wolf Seufert von der Bauabteilung der Max-Planck-Gesellschaft. Nach der Bauabnahme Ende August zogen 80 Wissenschaftler, von denen viele bisher in den Räumen des Vorgängerinstituts an der Bunsenstraße untergebracht waren, ein. Am Dienstag waren noch zahlreiche Umzugskartons zu sehen.

Ein Gebäude mit 70 Büros für Wissenschaftler hat das Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für Dynamik und Selbstorganisation eröffnet. Das Land Niedersachsen hat den fünf Millionen Euro teuren Anbau, den dritten Bauabschnitt des Instituts, mit zwei Millionen Euro gefördert.

Auf die Geschichte des Instituts, das 2003 aus den Resten des alten MPI für Strömungsforschung gegründet worden ist, ging Direktor Stephan Herminghaus, ein. Als erstes Institutsgebäude ist auf dem Faßberg die Experimentierhalle, ein markantes Gebäude mit Tragflügeldach, erstellt worden. Es folgte der Hauptbau. Für den dritten Bauabschnitt, so Herminghaus, habe die Max-Planck-Gesellschaft zunächst, trotz „eindringlicher Mahnungen des Fachbeirats“, kein Geld gewähren wollen. Das habe sich erst geändert, nachdem vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur für den Erweiterungsbau zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden seien.

Das Land sei vom „qualitativen und quantitativen Wachstum des Instituts beeindruckt, erklärte Staatssekretärin Andrea Hoops. „International sichtbar“ sei das Institut, dessen „exzellente Vernetzung“ – nicht zuletzt über den Göttinger Campus, den Zusammenschluss universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, – sie lobte. Hoops sprach von einem „Hingucker in der deutschen Wissenschaftslandschaft“.

Von der „wunderbaren Zusammenarbeit“ mit den fünf Göttinger MPI schwärmte Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel. Die Präsidenten anderer Hochschulen beeindrucke das. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) lobte „die Stärkung der Forschung im Göttinger Norden“.

„Wir ziehen uns nicht vollständig aus der Bunsenstraße zurück“, betonte MPI-Wissenschaftler Herminghaus. Die ehemaligen Gästehäuser des alten Instituts werden heute als wissenschaftliche Begegnungsstätte genutzt. Mit „Riesenschritten“ gehe es weiter. Im Frühjahr trete der neue Direktor der Theorieabteilung, Prof. Ramin Golestanian aus Oxford, sein Amt an.

Schwarmverhalten und Plankton

Der Erweiterungsbau des Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation beherbergt den „Göttinger Fokus komplexe Fluiddynamik“. Der Fokus, ein Gemeinschaftsprojekt des MPI und der Universität Göttingen, untersucht Strömungsaspekte hochkomplexer Systeme. Dazu gehören die selbstorganisierten kollektiven Bewegungsmuster von Herzmuskelzellen ebenso wie das Schwarmverhalten von Plankton oder Bakterien. Im Gebäude ist auch das Projekt Eco-Bus angesiedelt, das den öffentlichen Personennahverkehr im ländlichen Raum verbessern soll. Zu den Kopperationspartnern des Vorhabens, das vom Land und der Europäischen Union mit zwei Millionen Euro gefördert wird, gehören unter anderem die Göttinger Verkehrsbetriebe.

Von Michael Caspar

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