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Göttingen Medizinprofessoren am Plagiatspranger
Campus Göttingen Medizinprofessoren am Plagiatspranger
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00:34 16.03.2015
Quelle: Kneffel/dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

„Die Frist für Stellungnahmen ist abgelaufen“, erklärt Stefan Weller, Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen. Ein sachverständiges Gremium unter Leitung von Prof. Friedemann Nauck prüfe die Unterlagen jetzt. Ein Ende ist allerdings noch nicht absehbar. Denn die Prüfer stehen vor einer verzwickten Frage: Wie lässt sich Gruppenarbeit vor mehr als 40 Jahren heute überhaupt noch rekonstruieren?

Verbindliche Regelungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an Hochschulen gibt es noch keine 20 Jahre, erst seit 1998. Danach soll die individuelle Beteiligung und Verantwortung bei Experimenten und der Datengewinnung im Team genau aufgezeichnet werden, ferner das persönliche Recht auf Arbeitsergebnisse von vornherein klar geregelt sein. Der bundesweit zuständige „Ombudsman für die Wissenschaft“ beklagt allerdings noch in seinem jüngsten Jahresbericht, dass die Eigenleistung eines Doktoranden in einer Arbeitsgruppe nach wie vor nur „schwer prüfbar“ sei. Im Übrigen müssen die nötigen Arbeitsberichte durchweg nicht mehr als zehn Jahre aufbewahrt werden.

Wie es zu Überschneidungen zwischen Siewerts Habilitationsschrift und Weisers Doktorarbeit kam, lässt sich im Wesentlichen nur aufgrund von Erinnerungen der beiden „Verdächtigen“ aufklären. Siewert, der damals Gruppenleiter war, will außerhalb des amtlichen Untersuchungsverfahrens lieber nichts sagen. Demgegenüber erwähnt Weiser gegenüber dem Tageblatt einen „recht großen, gemeinsamen Datenpool“, den sich die Forschergruppe über längere Zeit zu Magen-Darm-Problemen erarbeitete. Daraus ging nachweislich auch eine ganze Reihe gemeinsamer Publikationen eines Autorenkollektivs hervor, unter ihnen nicht zuletzt Siewert und Weiser.

Weiser betont weiter, dass seinerzeit „ kein Doktorand einer Medizinischen Fakultät in Deutschland das Recht und die Möglichkeit hatte, von ihm persönlich erarbeitete Daten seinem Betreuer, in meinem Fall Dr. Siewert, vorzuenthalten“. Auch der der Sprecher des bundesweiten Ombudsgremiums für die Wissenschaft, der Bonner Rechtsprofessor Wolfgang Löwer, sagt ganz generell: „Faktisch war es wohl früher oft so, dass der Habilitand als Supervisor des Projekts gemeint hat, alles gehöre ihm“ – wiewohl der von ihm betreute Doktorand doch eine eigenständige wissenschaftliche Leistung mit unverwechselbarem Autorenanspruch erbringen sollte. Gibt es aber jenseits der Selbstauskünfte von Siewert und Weiser keine belastbaren Unterlagen zur Autorenfrage, dann richtet sich die Klärung wohl nach dem alten Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den / die Beschuldigten“.

Von Hermann Horstkotte

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