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Göttingen Wenker: Zulassung fürs Medizinstudium ändern
Campus Göttingen Wenker: Zulassung fürs Medizinstudium ändern
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00:19 18.09.2017
Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, und Nils R. Frühauf, Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Niedersachsen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen / Hannover

„Die Eignung für den Arztberuf manifestiert sich nicht nur in der Abiturnote“: Dieser Meinung ist die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Dr. Martina Wenker. Die Ärztin ist für ein anderes Zulassungsverfahren für das Medizinstudium und sie fordert die Erhöhung der Medizinstudienplätze um bundesweit 1000 pro Jahr.

Für Wenker ist das jetzige Zulassungsverfahren „nicht mehr zeitgemäß“. Für sie ist es folgerichtig, dass das Bundesverfassungsgericht mit dem Thema befasst ist: In dem Verfahren geht es darum zu klären, ob der Numerus clausus als Zulassungsvoraussetzung für das Medizinstudium mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Die Richter in Karlsruhe werten gegenwärtig die Meinungen von Hochschulen, Verbänden und Gewerkschaften aus. Am 4. Oktober wird es eine öffentliche Anhörung geben.

Wichtiges Untersuchungsinstrument: Stethoskop in der Hand eines Medizinstudenten. Quelle: dpa-Zentralbild

Wenker, selbst Lungenfachärztin, erklärt: „Entscheidend sind auch die soziale Kompetenz, die Empathie für den Umgang mit Patienten und Ihren Krankheiten sowie einschlägige Berufserfahrungen.“ Deshalb will sie die Abiturnote als einziges Kriterium für die Auswahl zum Medizinstudium nicht mehr gelten lassen, auch wenn sie ein sicheres Zeichen dafür ist, dass der Bewerber gut lernen kann.

Vollakademischer, wissenschaftlicher Studiengang

„Wer in der Schule mühelos gelernt hat, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Medizinstudium tun. Aber die Zulassung für das Medizinstudium darf nicht nur nach numerischen Kriterien erfolgen“, sagt die Kammerpräsidentin. Wer zum Beispiel in Gesundheitsfachberufen bereits sehr erfolgreich arbeite, das Abitur mitbringe und sich mit großer Motivation für den Arztberuf weiterqualifizieren möchte, sollte auch die Chance erhalten, sich in einem gut strukturierten Auswahlverfahren für das Studium der Humanmedizin zu empfehlen, fordert Wenker. Wichtig ist ihr aber auch, dass das Medizinstudium ein vollakademischer, wissenschaftlicher Studiengang bleibt – „das ist ein Muss“.

Das Bundesverfassungsgericht wurde nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen durch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingeschaltet. Die Richter in Gelsenkirchen meinen, die Abiturnote spiele eine zu bedeutende Rolle für die Studienplatzvergabe. Auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) vertritt den Standpunkt, dass Studienmotivation und die charakterliche Eignung, die für ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis erforderlich sind, nicht allein durch die Abiturnote abgebildet werden. Auch der Berufsverband Marburger Bund, der die Interessen der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands vertritt, ist für eine stärkere Berücksichtigung der Faktoren Sozialkompetenz und Motivation.

Vergleich der Bundesländer

Wenker bringt in die Debatte noch einen weiteren Aspekt ein: „Des Weiteren ist zu beachten, dass die Durchschnittsnoten der Abiturzeugnisse im Vergleich der Bundesländer erheblich differieren, und zwar um bis zu einer halben Note.“ Ein neues Zulassungsverfahren müsse auch einen objektiveren Vergleich der Bewerber bundesweit ermöglichen.

„Ich fordere die Politik dazu auf, die Weichen für zusätzlich 1000 Medizinstudienplätze zu stellen – und zwar jetzt!“, erklärt die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer. Nach Angaben von Wenker bedeutet das für die beiden Medizinischen Fakultäten in Niedersachsen, Göttingen und Hannover, 100 Plätze mehr. Sollte die Zahl der Medizinstudienplätze nicht erhöht werden, gefährde das die ärztliche Versorgung besonders auf dem Land bereits mittelfristig. warnt Wenker. „Mehr Studienplätze sind nötig, weil auf Seiten der Ärzteschaft bereits in den kommenden zehn bis 15 Jahren eine große Ruhestandswelle auf uns zukommt und eine moderne Gesellschaft mit mehr Teilzeitarbeitsplätzen deutlich mehr ärztliches Personal erfordert.“

Quotensystem und Wartezeit

Für die zentrale Vergabe von Studienplätzen in der Humanmedizin gilt ein Quotensystem: Ein Fünftel der Studienplätze geht an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, ein weiteres Fünftel wird über Wartezeiten vergeben, die inzwischen bereits mehr als sieben Jahre betragen. Über die Vergabe der weiteren Studienplätze entscheiden die Hochschulen selbst. Im Wintersemester 2014/2015 standen für 43000 Bewerber allerdings nur 9 000 Studienplätze zur Verfügung. An der Georg-August-Universität waren im Wintersemester 2015/16 in der Humanmedizin 3135 Studenten eingeschrieben; an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beläuft sich die Zahl auf 2500.

Von Angela Brünjes

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