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Mega-Städte und ihr Umland

DFG fördert Forschung in Göttingen und Kassel Mega-Städte und ihr Umland

Wie verändern sich agrarwirtschaftliche, ökologische und soziale Systeme unter dem Einfluss wachsender (Mega-)Städte? Diese übergreifende Frage untersucht die Forschergruppe FOR 2432, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an den Universitäten Kassel und Göttingen einrichtet.

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Am Stadtrand der indischen Großstadt Bangalore: Nomaden sind mit einer Ziegenherde unterwegs.

Quelle: uks

Göttingen/Kassel. Die Forschergruppe nimmt ihre Arbeit zum 1. April 2016 auf, das Fördervolumen beläuft sich zunächst auf rund 3,7 Millionen Euro, teilte die Universität Göttingen mit. Eingebunden sind internationale Partner, darunter die University of Agricultural Sciences in Bangalore in Indien, wo die kooperierenden Projekte mit voraussichtlich 1,2 Millionen Euro von indischer Seite kofinanziert werden.

Mit dieser Entscheidung stärkt die DFG die Zusammenarbeit der agrarwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten Kassel und Göttingen mit einem langfristig angelegten, strukturbildenden Verbundforschungsvorhaben. Die neue Forschergruppe greift aktuelle, weltweit geführte Diskussionen zu den Themen Land- und Ressourcennutzung, Ernährungssicherung, Ökologie und Urbanisierung auf, die in einem breit angelegten, interdisziplinären Ansatz am Beispiel von Bangalore untersucht werden sollen. Mit der südindischen Großstadt wurde ein Ort gewählt, an dem Wachstum und Wandel besonders dynamisch sind. Die Forschergruppe trägt den Titel „Sozial-Ökologische Systeme im Spannungsfeld indischer Land-Stadt-Gradienten: Funktionen, Skalen und Übergangsdynamiken“. Sie ist richtungsweisend für die Agrarwissenschaften in Deutschland, indem sie Grundlagenforschung aus diesem Fach und angrenzenden Disziplinen in den Kontext von Transformationsprozessen Sozial-Ökologischer Systeme stellt.

„Die Einrichtung dieser Forschergruppe bedeutet eine national und international deutlich sichtbare Stärkung der Universität Kassel und gibt Rückenwind für die weitere Entwicklung des Forschungsprofils unserer Universität“, freut sich der Präsident der Universität Kassel, Prof.  Reiner Finkeldey. „Sie ist auch ein Beleg für die äußerst produktive und innovative Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen.“

Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen, fügt hinzu: „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der neuen Forschergruppe beschäftigen sich mit globalen Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Mit der Einrichtung der Forschergruppe können wir die spannende Zusammenarbeit mit der Universität Kassel in den Agrarwissenschaften weiter vertiefen.“

Die enge Beziehung und wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur ist ein grundlegendes Charakteristikum der Landwirtschaft. Konzeptionell erfasst und als Sozial-Ökologisches System bezeichnet wurde diese Beziehung zuerst von Elinor Ostrom, die dafür 2009 als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Aus ökologischer Perspektive wurde das Konzept aufgrund seiner Bedeutung für Ökosystemdienstleistungen bekannt. Die Forschergruppe baut auf diesen Ansätzen auf und führt die unterschiedlichen Sichtweisen unter der übergreifenden Frage nach landwirtschaftlichem Wandel im rural-urbanen Raum zusammen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen in drei interdisziplinären Forschungsclustern den folgenden Fragen nach:

Wie und warum ändern sich landwirtschaftliche Produktionssysteme und Haushaltsstrukturen in verschiedenen Stadien der Urbanisierung? Wie wirkt sich das physische Wachstum der Stadt auf die Fähigkeit regionaler Ökosysteme aus, Nahrungsmittel und andere Ökosystemdienstleistungen bereitzustellen? Wie verändern sich Austauschprozesse zwischen Agrarökosystemen, zwischen Produzenten und Verbrauchern, entlang landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten oder zwischen verschiedenen sozialen Gruppen im Laufe fortschreitender Urbanisierung? Wie interagieren ökologische und soziale Systeme, wenn gegensätzliche Interessen ländlicher und städtischer Lebens- und Landnutzungsformen aufeinandertreffen?

Das Vorhaben mit elf Teilprojekten wird von Prof.  Andreas Bürkert (Universität Kassel) als Sprecher und Prof. Stephan von Cramon-Taubadel (Universität Göttingen) als Co-Sprecher vertreten. Beteiligt daran sind vier Fachgebiete der Universität Kassel (darunter eine gemeinsam mit Göttingen eingerichtete Professur) und fünf Göttinger Fachgebiete sowie ein Hochschullehrer der James Cook University in Australien. Jedem deutschen Teilprojekt ist ein wissenschaftliches Partnerprojekt in Indien zugeordnet, das in einem Parallelverbund vollständig von DBT, der indischen Partnerorganisation der DFG, finanziert wird. Die Forschungsprogramme beider Seiten sind eng aufeinander abgestimmt, wobei 16 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf deutscher und 26 auf indischer Seite gemeinsam die Feldforschung betreiben und kooperativ betreut werden können. Hauptpartner in Indien ist die University of Agricultural Sciences in Bangalore, daneben sind staatliche Forschungsinstitutionen für Tierernährung, Sozio-Ökonomischen Wandel, Forstwirtschaft und Weltraumwissenschaft sowie die forschungsorientierte Nichtregierungsorganisation ATREE beteiligt. Als erste Forschergruppe dieser Art nimmt das Vorhaben somit auch eine Vorreiterrolle in der internationalen grundlagenwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Indien ein.

Disziplinär reicht das Spektrum von Bodenphysik bis Fernerkundung, von Pflanzenbau und Tierernährung bis zur Agrar- und Entwicklungsökonomie und über die Agrarwissenschaften hinaus zu Humangeographie und Ökosystem-Modellierung. pug

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