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Mehr Dienstleistungen durch Artenvielfalt

Wissenschaftler untersuchen Tier- und Pflanzenarten auf Wiesen Mehr Dienstleistungen durch Artenvielfalt

Je mehr es wimmelt, kreucht und fleucht, desto besser für den Menschen, der von den vielfältigen und kostenlosen Dienstleistungen der Natur profitiert. Das ist das Ergebnis einer Studie von mehr als 300 Forschenden an der auch Wissenschaftlerinnen der Universität Göttingen beteiligt waren.

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Magerrasen auf der Schwäbischen Alb: Eine der 150 untersuchten Graslandschaften der Studie.

Quelle: Steckel

Göttingen. Die Studie ergab, dass ein artenreiches und von vielen Individuen aus allen Ebenen der Nahrungskette bevölkertes Ökosystem die umfangreichsten Ökosystemdienstleistungen erbringt. Besonders wichtig ist nach Angaben der Universität Göttingen dabei auch die Vielfalt bislang eher unbeliebter Insekten und unscheinbarer Bodenorganismen. Daraus ergibt sich eine verbesserte Bodenbildung, Lebensmittelproduktion, Schädlingsbekämpfung und Klimaregulierung sowie kulturelle Leistungen wie die Nutzung der Natur als Erholungsraum.

Diese komplexen Ökosysteme setzen sich aus verschiedenen Gliedern der Nahrungskette, die trophische Gruppen genannt werden, zusammen. Welchen Einfluss die schwindende Artenvielfalt auf die Ökosystemdienstleistungen hat, wurde bislang lediglich anhand einzelner leicht zu untersuchender trophischer Gruppen wie Pflanzen studiert.

Die Wissenschaftler haben in einer Graslandschaft Daten zu etwa 4600 Tier- und Pflanzenarten aus neun Gruppen der Nahrungskette untersucht, darunter auch Mikroorganismen, die den Boden zersetzen, und Abfallfresser wie Regenwürmer. Die Datenerhebung war Teil der „Biodiversitätsexploratorien“, einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Programms auf 150 Grünlandflächen quer durch Deutschland. Die Biodiversitätsexploratorien stellen die umfassendsten ökologischen Freilandversuchsflächen Europas dar.

Die Forscher fanden heraus, dass jede Ökosystemdienstleistung von mindestens drei trophischen Gruppen abhängig ist. „Wir haben mithilfe von Nisthilfen stengelnistende Wespen erfasst, die ihre Brut mit Larven von Schadinsekten verpflegen. Die Wespen übernehmen somit in Agrarökosystemen die wichtige Funktion der natürlichen Schädlingskontrolle“, sagt die Göttinger Agrarökologin Dr. Catrin Westphal. Je vielfältiger die Arten innerhalb der jeweiligen funktionellen Gruppe sind, desto zuverlässiger wird die Ökosystemdienstleistung erbracht.

Darüber hinaus beeinflusst jede einzelne Gruppe zumindest eine Ökosystemdienstleistung. Artenreichtum muss demnach in mindestens drei der untersuchten Gruppen der Nahrungskette sichergestellt sein – da aber nicht immer dieselben drei Gruppen für das Funktionieren einer individuellen Ökosystemdienstleistung maßgeblich sind, muss der Artenreichtum über alle Gruppen der Nahrungskette hinweg erhalten bleiben. Die Studie zeigt auch die Bedeutung von vermeintlichen Schädlinge und unscheinbaren Dienstleister wie Insekten und Bodenorganismen.

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