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Mit „Muse“ soll Blick in junge Galaxien gelingen

Neues Instrument für Observatorium in Chile Mit „Muse“ soll Blick in junge Galaxien gelingen

Der Lastenaufzug im Nordteil des Gebäudes der Physik-Fakultät kann viel tragen: 3,3 Tonnen. Aber um das neue Großgerät der Astrophysik ins dritte Obergeschoss zu transportieren, ist der Fahrstuhl 15 Zentimeter zu klein.

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Fertigmachen zum Abheben: Facharbeiter der Firma „Knop Autokrane“ befestigen die Ladung.

Quelle: Heller

Deshalb war im Hof am Nordcampus am Dienstag ein Autokran im Einsatz, um das Herzstück des „Muse“-Instruments ins dritte Obergeschoss zu hieven. Dort wird es im Labor und Reinraum etwa ein Jahr lang optomechanischen Tests unterzogen und justiert, um in Lyon in Frankreich weiter bearbeitet zu werden. Von dort geht es per Schiff nach Chile: 2012 soll in der Atacama-Wüste das Europäische Südobservatorium (ESO) um den für etwa 14 Millionen Euro gebauten „Multi Unit Spectroscopic Explorer“ (Muse) erweitert werden.

Der Transport per Autokran ist kompliziert. Am Fenster im dritten Obergeschoss muss eine Plattform angebracht werden, um die Ladung ins Gebäude zu schaffen. Dabei muss immer wieder abgemessen werden, ob die Optikbank hindurch passt. Nicht nur an der Fensteröffnung des Treppenhauses ist es eng, sondern auch der Liftvorgang des Präzisionsgerätes ist ein „enges Manöver“. Damit es gelingt, dauern die vorbereitenden Arbeiten länger als angenommen. Aber am Nachmittag um 15 Uhr ist „Muse“ unter Dach und Fach aufgestellt.

Nun beginnt für ein 21-köpfiges Team vom Institut für Astrophysik die Arbeit. Einbau, optomechanische Tests und Justierung stehen auf dem Programm für das nach Göttinger Plänen in Magdeburg und Deggendorf hergestellt Bauteil. Für die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Arbeit an dem Muse-Bauteil sind fünf Wissenschaftler, drei Ingenieure, vier Werkstattleiter und 3-D-CAD-Zeichner und neun Techniker und Verwaltungsangestellte im Einsatz.

Dr. Harald Nicklas erklärt den Göttinger Anteil der sechs beteiligten Laboratorien für das Muse-Projekt. Der umfasst das Herzstück: die zentrale Instrumentenstruktur auf die sämtliche opto-mechanischen und elektromechanischen Sub-Systeme montiert und so zu einem Gesamtinstrument zusammengeführt werden. Am Ende suchen 24 Spektrografen das Licht im Weltall.

„Letztendlich wird hier mit jeder Langzeitbelichtung ein Kubus bis zum Rande des Universums herausgeschnitten, in dem alle Objekte erfasst und nichts verborgen bleiben wird, zumindest im optisch visuellen also dem Auge sichtbaren Spektralbereich“, erklärt Nicklas. Dies gelinge mit „Muse“ zum ersten Mal im großen Maßstab. Es ist in der Lage, entfernteste Galaxien zu beobachten und soll den Wissenschaftlern Daten liefern, um besser nachvollziehen zu können, wie sich die ersten Materiebausteine verbunden haben und die heute bekannten Galaxien bildeten. Dabei gelingt es auch, die vermeintlich dunklen Stellen des Himmels, die nur ausreichend langer Belichtungszeit bedürfen, um schwache oder weit entfernte Objekte sichtbar zu machen. „Das haben Vorgängerinstrumente wie das auch in Göttingen mitentwickelte ,Fors’ am Very Large Telescope (VLT) in Chile schon bewiesen“, so Nicklas.

Zuvor aber muss in Göttingen der erste Teil der Inbetriebnahme des Muse-Herzstücks erfolgreich abgeschlossen sein. Dann wird wieder ein Autokran benötigt werden, um das Spektroskop aus dem Physik-Gebäude auf einen Lastkraftwagen zu bugsieren für den Transport ins Zentrum für Astronomieforschung in Lyon.

Wenn „Muse“ in Chile installiert ist, wird es nach Ansicht der Astrophysiker, „die Untersuchung der Entstehung und der Entwicklung von Galaxien revolutionieren.“ Neben den jüngsten Galaxien soll mit dem Instrument die Umgebung massereicher schwarzer Löcher erforscht werden, die vermutlich im Zentrum der meisten Galaxien sind. Ferner sollen benachbarte Galaxien mit hoher Genauigkeit untersucht werden, um Aufschlüsse über die Sterne zu gewinnen, aus denen sie bestehen.
Weitere Infos: http://muse.univ-lyon.fr

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