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Mittagessen im alten Schornstein

Verstecktes Turmzimmer der Mensa Goßlerstraße Mittagessen im alten Schornstein

Mittagessen in einem ehemaligen Schornstein bietet die Göttinger Mensa am Turm ihren Besuchern. In dem Raum finden acht Menschen an einem runden Tisch Platz. Eine Zimmerdecke aus Panzerglas gibt nach oben den Blick in den Himmel frei.

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Anett Reyer-Günther unter dem Glasdach des Turmzimmers.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der 43 Meter hohe Schornstein aus gelben und braunen Ziegelsteinen, der der Mensa an der Goßlerstraße ihren Namen gegeben hat, ist weithin sichtbar. Durch ihn zog früher die Abluft des Brenners, der die Wäscherei der Vereinigten Kliniken Göttingen (der heutigen Universitätsmedizin) heizte. Das Feuer sog Luft durch ein weitverzweigtes Tunnelsystem an. Der Unterdruck ließ in den angeschlossenen Krankenhausgebäuden zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee frische Luft von außen zuströmen: Klimatechnik Ende des 19. Jahrhunderts!

„Das Gebäude diente danach als Lager“

Die Wäscherei stellte ihren Betrieb ein, als das Klinikum Mitte der 70er-Jahre in den Neubau an der Robert-Koch-Straße umzog. „Das Gebäude diente danach als Lager“, berichtet der zuständige Liegenschaftsbetreuer vom Gebäudemanagement der Universität, Volker Rammenzweig. „1992 begannen wir nach vierjähriger Planungs- und Genehmigungsphase mit dem Umbau zur Mensa“, ergänzt Anett Reyer-Günther vom Studentenwerk.

Aus der alten Waschhalle wurde ein Speisesaal. „Die Klinker des denkmalgeschützten Schornsteins wurden neu verfugt, defekte Steine nachgebrannt“, sagt Rammenzweig. Der Turm erhielt einen Glasboden, durch den Besucher hinab in das Tunnelsystem blicken. Dort verlaufen heute Versorgungsleitungen. Handwerker reinigten die Innenwände des Turms, die teilweise aus Natursteinen gemauert sind, mit Sandstrahlern von jahrzehntealtem Ruß.

Blick zum Himmel

Eine Zwischendecke wurde eingezogen. Dort hinauf führen vom Speisesaal aus die acht Stufen einer Treppe. Wer die Tür des Raums hinter sich schließt, hört den Lärm der 1994 eröffneten Mensa nur noch gedämpft. Durch eine Decke aus Panzerglasdecke schauen Gäste hinauf zum Himmel. Ganz oben im Turm gibt es eine zweite solche Glasdecke, damit es nicht herein regnen kann. „Dort brüten seit Mitte der 90er-Jahre Turmfalken“, sagt Reyer-Günther und zeigt Federn, die nach unten gefallen sind. Eine Leiter reicht von der ersten zur zweiten Glasdecke. Durch den Turm führen zudem die Leitungen mit der Abluft der Küche, des Speisesaals und des gesamten Tunnelsystems.

Angehörige der Universität können sich den Raum kostenlos bei Hauswirtschaftsleiterin Monika Schneemann reservieren lassen, Telefon 05 51 / 39 51 59. Dozenten treffen sich dort mit Kollegen. Oft buchen sie das ganze Semester hindurch einen festen Wochentag.

Nur Tofu kommt nicht aus der Region

Das Studentenwerk Göttingen betreibt zehn Cafeterien und vier Mensen. Eine davon ist die Mensa am Turm. Dort ist seit der Eröffnung 1994 Markus Lanze Küchenchef. Sein 18-köpfiges Team bietet täglich sechs verschiedene Gerichte an. Seit 2013 setzen sie das Motto „Is(s)t regional“ um. Ein Großteil der verarbeiteten Lebensmittel stammt aus der Region. Der Rest, darunter Tofu, Fisch und Eis, wird überregional zugekauft. Während des Semesters gibt die Abteilung Verpflegungsbetriebe, die 200 Mitarbeiter beschäftigt, täglich 10 000 Essen aus.

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