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Jerusalemer Historiker spricht in Göttingen

Angst vieler Israelis vor dem Frieden Jerusalemer Historiker spricht in Göttingen

„Die Mehrheit der Israelis fürchtet heute, dass jedes Zugeständnis an die Palästinenser am Ende zur Vernichtung des Judenstaates führen wird“, berichtete Prof. Moshe Zimmermann von der Hebrew University of Jerusalem in Göttingen. Sicherheit sei der Mehrheit wichtiger als Demokratie und Menschenrechte.

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Mosche Zimmermann.

Quelle: R

Göttingen. Die säkularen Kräfte der israelischen Gesellschaft, die einen Frieden mit den Palästinensern für möglich hielten, würden schwächer, so Zimmermann. Der Historiker, der sich diesen Kräften zugehörig fühlt, sprach während der Vortragsreihe „Naher Osten – Ferner Frieden?“ Die Reihe sollte die als einseitig propalästinensisch kritisierte und deswegen verschobene Nakba-Ausstellung begleiten. Nakba ist der arabische Begriff für die Vertreibung von Palästinensern aus dem Gebiet des in Gründung befindlichen Staats Israel 1947/48.

Die Ausstellung:

Die Ausstellung „Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ wird am Mittwoch, 30. November, um 18 Uhr in der Göttinger Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, eröffnet. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr (bis 16. Dezember).

Israelische Dokumente belegten die Vertreibung, erklärte Zimmermann. Allerdings würden sie in Israel mehrheitlich anders interpretiert, als das die Palästinenser täten. Zur Ausstellung bezog der Historiker keine Position. Er machte aber klar, dass er die Auswahl der Referenten für die Vortragsreihe nur formal für „schön ausgewogen“ halte. Zwar gebe es mit ihm und Rolf Verleger zwei jüdische Vortragende, doch sie würden beide aus israelischer Sicht Außenseiter-Positionen vertreten.

Nach Zimmermanns Einschätzung hat die Mehrheit der Israelis „Angst“ vor dem Frieden mit den Palästinensern. Sie sei überzeugt, dass eine Vielzahl von Gruppen, vielleicht sogar die ganze Welt, die Juden in ihrem Land ausrotten wolle. Aus diesem Blickwinkel werde in den Medien, aber auch im Bildungssystem an die Shoah, der Judenvernichtung unter den Nationalsozialisten, erinnert. Weil es scheinbar keinen echten Frieden mit den Palästinensern geben könne, akzeptierten die meisten Israelis das „System von Notstandsverordnungen“, das noch aus der Zeit des englischen Mandatsgebiets Palästina stamme.

Dass der Oberste Gerichtshof in Israel die Menschen- und Bürgerrechte von Palästinensern schütze, werde von den meisten Israelis misstrauisch beobachtet, so der Professor. Säkularen Kräften drohe immer mehr die soziale Ausgrenzung. Sie würden zunehmend als „innere Feinde“ wahrgenommen. Diese Tendenz verstärke sich seit dem Scheitern des Friedensvertrags von Oslo 1994 und seit der zweiten Intifada von 2000/05. Säkulare, die damit nicht klar kämen, passten sich an. Religiöse Kräfte erstarkten. Aus ihrer Sicht habe Gott den Juden das Land verheißen. Sie betrieben aktiv die jüdische Besiedlung der besetzten Gebiete, sagte Zimmermann.

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