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Göttingen Münzkabinett der Göttinger Archäologen
Campus Göttingen Münzkabinett der Göttinger Archäologen
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00:19 21.06.2018
Derzeit werden die Münzen im Zuge des Kenom-Projekts digitalisiert: Institutsfotograf Stephan Eckardt. Quelle: Michael Caspar
Göttingen

Wenn der Kustos des Archäologischen Instituts, Daniel Graepler, von seinem Computer aufblickt, schaut er auf fünf mannshohe, graue Stahlschränke. Eine komplette Wand füllen die Tresore in seinem Arbeitszimmer am Nikolausberger Weg 40 aus. Graeplers Vorgänger, Christof Boehringer, hat sie beschafft, um die Münzsammlung sicher aufzubewahren. Hinter 20 Zentimeter dicken Türen lagert ein Schatz. Wertvoller noch als das Edelmetall ist die wissenschaftliche Bedeutung der Sammlung.

„Die Geschichte unseres Kabinetts reicht bis Ende des 18. Jahrhunderts zurück“, berichtet Graepler. Damals erwarb der damalige Direktor der Göttinger Universitätsbibliothek, Christian Gottlob Heyne, die Kunst- und Naturaliensammlung von Prof. Christian Wilhelm Büttner, die auch Münzen umfasste. Sie bildete den Grundstock des 1773 in den Räumen der Bibliothek eröffneten Academischen Museums.

Maßnahmen zum Brandschutz

Heyne ließ für die Münzen zwei riesige Holzschränke fertigen, die beide noch erhalten sind“, berichtet Graepler. Das geprägte Metall lagerte – ordentlich in Schubladen sortiert – in Kisten. Bei einem Brand ließen sie sich blitzschnell herausziehen und vor den Flammen retten. Heyne, der die Archäologie als wissenschaftliche Disziplin begründet hat, forschte selbst über Münzen. Er befasste sich mit Prägungen des alten Roms. In republikanischer Zeit begannen junge Adlige ihre Karriere im Staatsdienst oft mit einem einjährigen Dienst als Münzmeister. Auf den von ihnen verantworteten Prägungen preisen sie den Ruhm der eigenen Familie.

„Zahlreiche Münzen aus Russland hat uns Baron Georg Thomas von Asch zukommen lassen, der von 1748 bis 1750 in Göttingen Medizin studiert hatte und dann als Militärarzt in Russland Karriere machte“, sagt der Kustos. Graepler zeigt halbe Kopeken aus Sibirien, deren Ausfuhr eigentlich verboten war. Der Baron ließ auch eigenmächtig eine Medaille prägen, auf der er sich als Besieger der Pest feiern ließ. „Das hätte ihn beinahe seine Stelle gekostet“, weiß der Kustos. Die Medaillen mussten auf Befehl der übergangenen Zarin eingestampft werden. Einige hatte von Asch jedoch bereits nach Göttingen geschickt. Dort tauchte vor ein paar Jahren auch einer der Prägestempel auf. „Der Legende nach hat er in der alten Unibibliothek lange als Türstopper gedient“, erzählt Graepler.

Einen Überblick über die deutschen Kleinstaaten bietet die Münzsammlung des Göttinger Mittelalterforschers Prof. Edward Schröter, der 1942 gestorben ist. „Diese Objekte nutzt Reiner Cunz vom Niedersächsischen Münzkabinett in den Lehrveranstaltungen zur Münzkunde, die er von Zeit zu Zeit in Göttingen hält“, sagt der Kustos.

Münzen aus dem Orient

4000 Münzen aus dem Orient besitzt die Universität. Bereits von Asch hatte den Göttingern Münzen aus dem Osmanischen Reich vermacht. 1990 schenkte der Arabistikprofessor Peter Bachmann, der im Libanon gelebt hatte, der Universität seine Sammlung.

„Leider sind unsere Bestände nur unvollständig erschlossen“, bedauert Graepler. Seit 2010 läuft das Projekt „Kooperative Erschließung und Nutzung der Objektdaten von Münzsammlungen“ (Kenom). Münzen werden genau beschrieben. Stephan Eckardt, der Fotograf des Archäologischen Instituts, fertigt bis 30 Megabyte große Aufnahmen an. „Mit einer LED-Lampe leuchte ich die Münzen so aus, dass das Relief gut zu erkennen ist“, erklärt er. Alle Daten werden am Ende online gestellt.

„Die 9994 römischen Münzen haben wir zwischenzeitlich komplett erfasst“, sagt der Kustos. Die 1000 Münzen aus byzantinischer Zeit sind derzeit an der Reihe. Danach will sich Graepler mit seinen Mitarbeitern der Sammlung von Asch zuwenden. „Die Arbeit wurde zunächst von der Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert“, berichtet der Wissenschaftler. Seither gebe es Geld aus Hannover, das die Universität für ihre Sammlungen erhalten habe. „Derzeit hoffen wir auf eine Anschlussfinanzierung aus Hannover“, meint der Kustos.

Von Michael Caspar

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