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Nach 24 Jahren genehmigt: Expedition nach Zentraltibet

Eiszeit-Auslöser Nach 24 Jahren genehmigt: Expedition nach Zentraltibet

Erstmals ist es einem ausländischen Geowissenschaftler gelungen, in eines der entlegensten Gebiete Zentraltibets zu reisen, um die dortige eiszeitliche Landschaftsentstehung zu erforschen.

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Erratischer Basaltblock (Bildmitte) auf einem 5318 Meter hohen Gletscherübergang.

Quelle: Kuhle

Göttingen. „Die geomorphologischen Ergebnisse in der Region südwestlich bis nordwestlich des Purog-Kangri-Massives beweisen eine vollständige Inlandvereisung“, sagt Prof. Matthias Kuhle vom Geographischen Institut der Universität Göttingen. Das Besondere an der nach 24 Jahren von der chinesischen Regierung genehmigten Expedition bestand darin, dass in dem unwegsamen und unbesiedelten Naturreservat Proben entnommen und zur Analyse nach Deutschland ausgeführt werden durften.

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob das Zentrum Tibets während der bislang letzten Eiszeit vor etwa 20 000 bis 60 000 Jahren gletscherfrei oder von mächtigem Inlandeis bedeckt war. „Insgesamt 40 Jahren konnte ich fast alle Gebiete Tibets auf Expeditionen untersuchen und eine eiszeitliche Gletscherbedeckung nachweisen“, so Kuhle. Hinweise darauf gaben dem Wissenschaftler Moränen, Erratika – zum Beispiel Findlinge aus Basalt – rund abgeschliffene Berge und einer Durchmischung verschiedener Gesteinsarten.

Die Expedition selbst war eine extreme Herausforderung: „Dort gibt es weder Straßen und Wege noch Siedlungen“, so  Kuhle. „Im Sommer weicht der Dauerfrostboden an der Oberfläche auf. Diese tiefe Matsch-Schicht ist selbst mit stärksten Geländewagen unbefahrbar. Im Winter ist durch Schneeverwehungen auch nicht an eine Durchquerung zu denken. Lediglich im von uns genutzten Zeitfenster im September und Oktober ist das Gebiet unter günstigen Witterungsbedingungen zu erreichen.“ Auf der fünfeinhalbwöchigen Expedition begleitete Kuhle ein 10-köpfiges Helferteam.

„Durch Plattentektonik wurde Tibet, das in den Subtropen liegt, vor rund einer Million Jahren bis über die Schneegrenze gehoben, wodurch das Hochland vergletscherte. Von Gletschereis bedeckt wurde Tibet zur weltweit größten Abkühlungsfläche: Etwa 75 Prozent der hohen subtropischen Einstrahlung sind von seiner Inlandeisoberfläche in den Weltraum zurückgeworfen worden“, sagt der Wissenschaftler. „Diese Reflexion erfolgte unmittelbar, ohne dass das kurzwellige Sonnenlicht in langwellige Wärmestrahlung umgewandelt wurde und die Atmosphäre aufzuheizen vermochte. Der dadurch erzeugte globale Energieverlust war Auslöser der Eiszeit“, so Kuhle weiter.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion um die derzeitige globale Erderwärmung geht es in der Eiszeitforschung um die größte Klimaveränderung der Menschheitsgeschichte: „Die durchschnittlichen Temperaturen lagen während der letzten Eiszeit etwa zehn Grad unter den heutigen“, sagt Kuhle.

eb/fri

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