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Nachteinsatz zwischen Kaffee und Beratung

Aufgeschobene Hausarbeiten Nachteinsatz zwischen Kaffee und Beratung

In den Semesterferien ist für viele Studenten alles attraktiver, als das Schreiben von Hausarbeiten. Im Kampf gegen solch akute Aufschieberitis fanden sich auch dieses Jahr wieder viele Studierenden zur „6. Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ zusammen.

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Birte Müchler (26) und Mitbewohnerin Anika Dörner (26) nutzen die lange Nacht zur Beratung.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. Knapp einen Monat vor Beginn des Sommersemesters stehen einige Abgabetermine an, unvollendete Hausarbeiten, Klausuren, für die gelernt werden muss. In entspannter Atmosphäre und mit fachlicher Unterstützung hat die „Lange Nacht der (aufgeschobenen) Hausarbeiten“ eingeladen, der Prokrastination entgegen zu wirken.

In Göttingen findet die Schreibnacht bereits zum sechsten Mal statt. Gleichzeitig widmen sich überall auf der Welt Studenten ihrem Schicksal – sogar in Singapur sitzen die Studierenden zu gleicher Zeit an ihren Hausarbeiten. Beladen mit Bücherstapeln, Wasserflaschen und Kopfhörern und mit bequemer Jogginghose bekleidet, richten sich die Studenten in den Räumen der SUB ein.

Besondere Atmosphäre

Ein Kaffeestand im Foyer bietet Raum für kleine Pausen, eine Plakatwand für die nötige Motivation: „Heute Nacht schreibe ich an...“ oder „Ich nehme mir für heute Nacht vor...“. Es ist 19.30, noch sind die Plakate leer. Der Kaffeestand ist gut besucht – zum Beispiel von Birte Müchler (26). Die Studentin der Komparatistik und Philosophie lernt für eine mündliche Prüfung. Ihr fällt das Lernen schwerer als das Schreiben, weil der Fortschritt weniger offensichtlich sei. Zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Anika Dörner (26), Studentin der Geschichte, schätzt sie nicht nur das Kaffeeangebot, sondern auch die besondere Atmosphäre der Schreibnacht, die die Gelegenheit biete, „mal etwas anderes zu sehen“.

Neben verschiedenen Workshops und Literaturrechercheberatungen finden sich Schreibberater, die überall in der Bibliothek Hilfestellungen geben. Dazu gehören auch Marie Rohner und Nina Melding, die dieses Jahr zum ersten Mal als Schreibberater dabei sind. Besonders häufig bekommen sie Fragen zur Themenfindung und Gliederung einer Arbeit. Erstmalig gibt es in diesem Jahr einen gesonderten Beratungsstand zum Thema Zitieren. Auch für Studenten, die ihre Hausarbeit auf Englisch verfassen, wird eine Beratung angeboten.

Hochkonzentriert nach 23 Uhr

Eine Bewegungseinlage, die vom Hochschulsport angeboten wird, soll den Studierenden um Mitternacht neue Energie bringen. Daran nehmen auch Alba Lucke (20) und Elena Brunke (20) teil. Die Studentinnen der Agrarwissenschaft und VWL/Politik arbeiten abends konzentrierter. Daher kommt ihnen das Angebot der Langen Schreibnacht sehr gelegen. So geht es auch Tom Bahnsen (20). Der Politikstudent lässt sich besonders gern von Facebook ablenken.

Mittlerweile ist es fast 23 Uhr. Viele Studierende sitzen hochkonzentriert hinter ihren Büchern oder tippen auf ihren Tastaturen. Auf den Plakatwänden sind einige Kommentare dazu gekommen. Ein Student schreibt heute Nacht an der „Diss seiner schlaflosen Nächte“, ein anderer an seiner „verkackten B.A.-Arbeit“. Auf dem Plakat für Motivationssprüche steht neben „Mühsam ernährt sich der Schriftsteller“ ein zaghaftes „Ich bin gut“.

Von Tomke Aljets

Podiumsgespräch

Göttingen. Schreibtechniken, Gliederungen und die Suche nach der Fragestellung: Beim Podiumsgespräch der 6. Langen Nacht der (aufgeschobenen) Hausarbeiten am Donnerstag diskutierten Studierende und Dozenten unterschiedlicher Fachbereiche über das Schreiben und die Frage: Wie schreibt man eigentlich?

Denn das Schreiben ist ein komplexer Prozess, der von der Fragestellung bis hin zur Überarbeitung einige Arbeitsschritte umfasst. Wie unterschiedlich an eine Hausarbeit heran gegangen werden kann, wird schon bei der ersten Frage nach Ritualen beim Schreiben deutlich, die Ella Grieshammer vom Internationalen Schreibzentrum den Studierenden stellt. Um seine Gedanken sofort notieren zu können, führt Kai Wolf, Student der Chemie, immer ein Notizbuch bei sich. Svenja Brand, die Germanistik und Geschichte studiert, hilft es, mit fachfremden Personen über ihr Thema zu sprechen.

Neben den Studenten ist auch eine Dozentin zu Gast beim Podiumsgespräch: Frauke Geyken lehrt Mittlere und Neue Geschichte an der Universität Göttingen. Ihr hilft es, sich feste Arbeitszeiten zu setzen, die regelmäßige Pausen beinhalten. Dafür hat sie sich eine Eieruhr auf den Schreibtisch gestellt, die stündlich klingelt.

Ein häufiges Problem für die Studenten stellt die Strukturierung ihrer Arbeit dar. Gerade zu Anfang des Studiums sei es wichtig, sich mit dem Dozenten zu besprechen, meint Brand, die im dritten Semester studiert. Je nach Studiengang gibt es allerdings auch unterschiedliche Vorgaben: so ist es in der Theologie teilweise vorgeschrieben, wie die Gliederung aufgebaut sein muss, wie der Student Matthias Hartewieg sagt.

Wenn es um die Überarbeitung ihrer Arbeiten geht, sind sich die Studierenden einig: die Rechtschreibkorrektur sollte klar von der inhaltlichen Korrektur getrennt werden. Außerdem sei es hilfreich, die Arbeit von einem Kommilitonen aus dem Fachbereich lesen zu lassen. Noch etwas fremd ist den Studierenden das Literaturverwaltungsprogramm Citavi – auch dafür bot die Lange Nacht einen Workshop an, den Brand am Abend direkt nutzen wollte. Eine abschließende Schreibübung entließ die Studierenden in eine lange Nacht – egal, ob mit ihrer Hausarbeit oder Disseration. ta

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