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Forschung mit "Klischee-Sensoren"

Nachwuchswissenschaftler erforschen Schönheit Forschung mit "Klischee-Sensoren"

Mit dem Schönheitsbegriff von Studierenden hat sich eine Gruppe des Projektes Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) an der Universität Göttingen befasst. Die Sport- und Geschlechterforschungsstudenten befragten Kommilitonen. 

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Haben zum Thema Schönheit geforscht: Dozent Sascha Kesseler, Samira Mummelthey, Vivien Hoberg und Leonard Oppermann (von links).

Quelle: r

Göttingen. "Was ist Schönheit?“: Diese banale und gleichzeitig vielschichtige Frage über ein Thema, das wohl für jeden eine Rolle spielt, stellen sich die Sportstudierenden Vivien Hohberg, Leonard Oppermann, Linda Bollert und Raimond Golisch sowie die Geschlechterforschungsstudierenden Samira Mummelthey und Saskia Krieb mit ihren Dozenten Sabrina Rudolph und Sascha Kesseler im Rahmen des FoLL-Projekts.

Die Fragestellung habe sich nach und nach zugespitzt: Zunächst sei es um Körperbilder und ihre Reproduktion in der Gesellschaft gegangen. Die Einstellungen Studierender schien für das Projekt besonders interessant. Schließlich einigte sich die Gruppe darauf, sich auf Studierende der Geschlechterforschung und der Sportwissenschaften zu konzentrieren.

"Die beiden Studiengänge beschäftigen sich beide auf ihre Weise mit Schönheit, Geschlecht und Körperbildern“, so Hoberg. Die Hypothesen der Projektgruppe seien bewusst "etwas klischeehaft“ gewesen, sagt Hoberg weiter mit einem Augenzwinkern. So nahmen sie an, dass bei den Geschlechterforschungsstudierenden Werte wie Individualität und innere Schönheit betont werden, bei den Sportwissenschaftlern hingegen der muskulöse Körper.

Das Team teilte sich fortan in zwei Gruppen. Die eine Gruppe arbeitete qualitativ und führte Interviews mit Studierenden beider Fachrichtungen über ihre Ansichten und Definitionen von Schönheit. "Unsere Hypothesen trafen nicht zu“, erinnert sich Hoberg. Optisch ansprechend hätten die Geschlechterforschenden zwar unkonventionelle Eigenschaften wie Tattoos, Piercings und bunte Haare gefunden. "Sich selbst wollten die Studierenden aber am liebsten gemäß den klischeehaften Parametern in Größe und Gewicht verändern“, so Hoberg.

Bei den Sportlern hingehen standen Natürlichkeit und Offenheit hoch im Kurs. Die zweite Gruppe um Oppermann und Mummelthey näherte sich dem Thema quantitativ mittels eines Fragebogens und der Vorlage selbst erstellter Avatare mit verschiedenen Körperformen über Einstellungen und Präferenzen zum Thema Figur und Gewicht. "Körperextreme kamen schlecht an, am beliebtesten war tatsächlich der Figurtyp ,Barbie‘“, fasst Oppermann die Angaben der Befragten, darunter 45 Sportstudierende und 23 Geschlechterforschungsstudierende, zusammen. Ähnliche Ergebnisse förderten beide Gruppe hinsichtlich der Körperzufriedenheit der Befragten zutage: "Nur 24 Prozent schätzen ihren eigenen Körpertyp als schön ein“, so Mummelthey.

Sich dem omnipräsenten Thema Schönheit einmal wissenschaftlich und mit "Klischee-Sensoren“ zu widmen, sei eine gute Erfahrung gewesen, sind sich die Studierenden einig. Natürlich gehe das Thema nicht ganz an einem vorbei: "Man reflektiert sich schon selbst, konnte aber trotzdem abstrakt damit arbeiten“, so Mummelthey. Methodenkompetenz, Stressresistenz und Organisationsfähigkeit seien weitere Errungenschaften für die Gruppe gewesen, so Oppermann. Auch Dozent Kesseler behält das Projekt in sehr guter Erinnerung: "Das Thema birgt schon eine gewisse Emotionalität. Daher haben sich nicht viele Studierende fürs Projekt gefunden. Dafür aber genau die Richtigen“. kil

Forschung für Bachelorstudenten

Im -Projekt Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) arbeiten Bachelorstudierende in zum Teil interdisziplinären Teams zusammen und werden von Lehrenden begleitet. Die Hochschuldidaktik der Universität Göttingen koordiniert FoLL und begleitet die Gruppen beratend und mit flankierenden Workshops. FoLL ist ein Teilprojekt von Göttingen Campus Q PLUS und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. r

Informationen sind im Internet unter www.uni-goettingen.de/forschendeslernen zu finden.

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