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Verletzung der Wissenschaftsfreiheit?

Nakba-Ausstellung Verletzung der Wissenschaftsfreiheit?

Auslöser der Kritik sind am Freitag bekannt gewordene Pläne, die vom Verein "Flüchtlingskinder im Libanon" seit 2008 gezeigte Ausstellung in den Räumen der Universität Göttingen erneut zu verschieben. Die Universitätsleitung beabsichtige, die Nakba-Ausstellung einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen, um sie gegebenenfalls im Sommersemester 2017 zu zeigen, so Ambos.

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Quelle: dpa

Göttingen. Begründung dafür sei, "dass keine wissenschaftliche Expertise zu der Ausstellung vorliegt."

" Damit stelle Beisiegel die wissenschaftliche Integrität und somit Neutralität der für die Ausstellung verantwortlichen Wissenschaftler, Arabistik-Professorin Irene Schneider und Juraprofessor Ambos, in Frage. Diese haben, so kritisiert Ambos, nicht die Möglichkeit erhalten, ihre Position zu der Nakba-Ausstellung darzustellen. Studierenden, die die Absage der Ausstellung forderten und den Organisatoren Antisemitismus vorhielten, habe Beisiegel zu einem Gespräch eingeladen.

In dem Schreiben an Beisiegel, das dem Tageblatt vorliegt und das auch an den Stiftungsratsvorsitzenden der Universität, Dr. Wilhelm Krull, adressiert wurde, zieht Ambos für die juristische Argumentation das Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg heran. Dieses gab der Stadt Freiburg am 10. November 2010 vor, die Absage der Ausstellung zurückzunehmen und in der Stadtbibliothek zu zeigen.

Ob die Nakba-Ausstellung, die seit Oktober 2015 der Universitätsöffentlichkeit als Projekt des Lehr- und Forschungsschwerpunktes „Palästina und der Nahost-Konflikt“ bekannt ist, in den Räumen der Universität stattfindet, ist derzeit unklar. Es gibt nun Pläne der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, sie in einer Galerie oder einem Parteihaus zu zeigen und somit  nach zweimaliger Verschiebung am Eröffnungstermin 15. November festzuhalten.

Studentische Gruppen, wie Allgemeiner Studierendenausschuss und Fachschaftsrat Sozialwissenschaften haben die Ausstellung und die begleitende Ausstellung scharf kritisiert. Vertreter der Jüdischen Gemeinde und der Jüdischen Kultusgemeinde Göttingen erklärten, sie hätten sich eine Beteiligung im Vorfeld gewünscht, um den israelischen Aspekt des Themas darzustellen.

Die Fach-/Basisgruppe Arabistik/Islamwissenschaft, Turkologie, Iranistik und Indologie (atii) wiederum hat die Präsentation verteidigt. Diese ist nach Angaben von Prof. Schneider eine Momentaufnahme der postkolonialen Geschichte Palästinas. Die Beschreibung der Flucht und Vertreibung der Palästinenser in den Jahren 1947/48 zur Staatsgründung Israels in der Nakba-Ausstellung sei wissenschaftlich fundiert mit offengelegten Quellen. "Insofern ist sie eine deskriptive Aufarbeitung der genannten historischen Zeit", erklärt Schneider. Sie und Ambos kündigten an, sich gegen das Vorgehen der Präsidentin weitere Schritte vorzubehalten.

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