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Erneut verschoben

Entscheidung des Universitätspräsidiums zur Nakba-Ausstellung Erneut verschoben

Die Ausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" wird vorerst nicht in der Universität Göttingen eröffnet. Die Universitätsleitung teilte am Sonntagabend mit, dass sie die Ausstellung in einem halben Jahr nach den "Ansprüchen einer Forschungsuniversität" zeigen werde.

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Ein Schlüssel als Andenken an die Vertreibung: Am Nakba-Gedenktag erinnern Palästinenser an die Geschehnisse rund um die israelische Staatsgründung 1948

Quelle: dpa

Göttingen. Nach zweimaliger Verschiebung der Eröffnung, zuletzt auf den 15. November terminiert, ist nun ein Termin im Sommersemester 2017 vorgesehen. Für die  Wanderausstellung des Vereins "Flüchtlingskinder im Libanon" liege der Universität Göttingen keine neutrale wissenschaftliche Expertise vor, begründete die Hochschule ihre Entscheidung. Danach sind "externe wissenschaftliche Analysen in Auftrag zu geben und erst dann die Ausstellung unter Einbeziehung der Ergebnisse und mit einem adäquaten Raum für Gegenpositionen in der Universität zu zeigen."

Seit Bekanntwerden des Eröffnungstermins, ursprünglich am 1. November, wird die seit 2008 an bisher mehr als 130 Orten gezeigte Ausstellung von Teilen der Studentenschaft und jüdischen Interessenvertretungen und Gemeinden kritisiert. Sie befasst sich mit der Vertreibung der Palästinenser in den Jahren 1947 und 1948 aus dem späteren Staatsgebiet Israels. Kritiker werten diese Sicht als einseitig und antiisraelisch.

In Göttingen haben das Institut für Kriminalwissenschaften und das Seminar für Arabistik/Islamwissenschaft die Ausstellung und die Vortragsreihe "Naher Osten - Ferner Frieden?" veranstalten wollen. Das Vorhaben war seit Oktober 2015 bekannt; für die Vortragsreihe wurde eine Förderung durch Studienqualitätsmittel der Juristischen Fakultät bewilligt.

Mit der erneuten Verschiebung der Ausstellungseröffnung stelle Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel die wissenschaftliche Integrität und somit Neutralität der für die Ausstellung verantwortlichen Wissenschaftler, Arabistik-Professorin Irene Schneider und Juraprofessor Kai Ambos, in Frage, erklärte Ambos. Seine Kritik: Die Veranstalter erhielten bisher nicht die Möglichkeit, ihre Position zu der Nakba-Ausstellung darzustellen. Studierende, die die Absage der Ausstellung forderten und den Organisatoren Antisemitismus vorhielten, habe Beisiegel dagegen zu einem Gespräch eingeladen.

In dem Schreiben an Beisiegel, das dem Tageblatt vorliegt und das auch an den Stiftungsratsvorsitzenden der Universität, Dr. Wilhelm Krull, adressiert wurde, zieht Ambos weiter für die juristische Argumentation das Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg heran. Dieses gab der Stadt Freiburg am 10. November 2010 vor, die Absage der Ausstellung zurückzunehmen und in der Stadtbibliothek zu zeigen.

Die Universitätsleitung will externe wissenschaftliche Analysen in Auftrag geben.

Beisiegel, die ihr Vorgehen mit den beteiligten Wissenschaftern demnächst ausführlich erörtern will, erklärte, die Neutralität der verantwortlichen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen werde nicht in Frage gestellt. "Auch soll durch diese Entscheidung die Wissenschaftsfreiheit der Kolleginnen und Kollegen, die die Ausstellung an der Universität zeigen wollen, nicht eingeengt werden", so Beisiegel. Nach ihrer Kenntnis basiere die Ausstellung weder auf Arbeiten von Prof. Schneider und Prof. Ambos noch wurde sie von ihnen kuratiert. Und das Freiburger Urteil, so Beisiegel, beziehe sich nicht auf eine Universität.

Ob die Nakba-Ausstellung noch in den Räumen der Universität stattfinden wird, ist fraglich. Die Göttinger Regionalgruppe der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft hatte vorgeschlagen, sie andernorts zu zeigen und somit am Eröffnungstermin 15. November festzuhalten.

Die Universitätsleitung hingegen, will "externe wissenschaftliche Analysen in Auftrag geben und erst dann die Ausstellung unter Einbeziehung der Ergebnisse und mit einem adäquaten Raum für Gegenpositionen in der Universität zeigen." So könne der notwendige fundierte inhaltliche Diskurs mit den unterschiedlichen Narrativen adäquat erfolgen. "Damit geben wir der Meinungsfreiheit den angemessenen akademischen Rahmen", heißt es abschließend.

Film und Vorträge: Naher Osten - Ferner Frieden?

Mit dem Vortrag "Angst vor dem Frieden. Der Ausnahmezustand als israelischer Normalzustand" wird die sechsteilige Vortragsreihe "Naher Osten - Ferner Frieden? rechtliche, historische und politische Aspekte" am Dienstag, 22. November, von Prof. Moshe Zimmermann, Jerusalem, fortgesetzt. Am Dienstag, 6. Dezember, geht es um "Völker(straf)rechtliche Aspekte der Palästinafrage" im Vortrag der Göttinger Juraprofessoren Kai Ambos und Peter-Tobias Stoll. Die Vorträge, drei weitere im Januar 2017, beginnen um 18.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Raum 004. Dort wird im Hörsaal 104 am 29. November und 13. Dezember um 18 Uhr der Film "Gelobtes Land" von Peter Kominsky gezeigt.

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