Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Natunahe Lebensräume nur eingeschränkt effektiv

Schädlingsbekämpfung Natunahe Lebensräume nur eingeschränkt effektiv

Ökologen schätzen naturnahe Lebensräume, Landwirte schätzen sie nicht unbedingt. Göttinger Agrarökologen haben zusammen mit einem internationalen Expertenteam jetzt herausgefunden, wann und warum naturnahe Lebensräume nicht zur biologischen Schädlingsbekämpfung beitragen.

Voriger Artikel
„Man hätte eine Gegenstimme gehabt“
Nächster Artikel
Erstmals molekulare Zellstrukturen sichtbar

Naturnahe Flächen werden von Ökologen und Landwirten mehr oder weniger geschätzt.

Quelle: r

Göttingen. Naturnahe Lebensräume spielen in Agrarlandschaften eine große Rolle für die Artenvielfalt und das Aufrechterhalten wichtiger Ökosystemfunktionen, wie zum Beispiel der biologischen Schädlingsbekämpfung, dem Bodenschutz, der Nährstoffbindung und der Bestäubung.

Ausgangspunkt für die Besiedelung

Wie Ergebnisse zahlreicher Fallstudien zeigen, kann die relative Bedeutung von naturnahen Lebensräumen für die Schädlingsbekämpfung je nach Situation unterschiedlich ausfallen. „Beispielsweise spielt die Kontinuität der Nahrungsversorgung über die ganze Vegetationsperiode eine wichtige Rolle für natürliche Gegenspieler - und kann durch ein geeignetes Nebeneinander von Ackerflächen in bestimmten Fällen besser realisiert werden als durch naturnahe Flächen“, so Prof. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie und Erstautor der Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen sind.

„Es gibt viele Schädlinge, die nicht ausreichend natürliche Gegenspieler haben oder in naturnahen Lebensräumen besser überleben als ihre Gegenspieler. Außerdem profitieren manche Schädlinge mehr von der Nachbarschaft zu einem anderen Acker als von einer Nachbarschaft zu naturnahen Flächen. Oder sie profitieren davon, dass ihre natürlichen Gegenspieler durch die landwirtschaftliche Praxis geschädigt werden, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Pestiziden“, erläutert Tscharntke.

Manchmal ziehen es auch die natürlichen Gegenspieler vor, in den naturnahen Flächen zu bleiben, wohingegen die Schädlinge sie als Ausgangspunkt für die Ackerbesiedlung nehmen. Eindeutig ist es der Fall, wenn Gegenspieler zwar den Acker besiedeln, aber wegen des Ausbringens von Pestiziden keine Wirkung entfalten können.

Tscharntke betont, wie wichtig ein breit gefächerter Blick auf Erfolge und Misserfolge in der biologischen Schädlingsbekämpfung ist: „Neue Ansätze thematisieren, dass die exakte Zusammensetzung des Landschaftsmosaiks für die natürliche Kontrolle von Schädlingen von großer Bedeutung sein kann. Aber auch die Resistenz von Nutzpflanzen, das Unkrautmanagement und der Agrochemikalien­einsatz spielen eine wichtige Rolle.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger