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Göttingen Nervenkrankheit CMT behandelbar
Campus Göttingen Nervenkrankheit CMT behandelbar
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14:49 10.08.2018
Michael Sereda und Robert Fledrich haben über die Erkrankung Charcot-Marie-Tooth (CMT) geforscht. Quelle: R
Göttingen

Die CMT-Erkrankung gilt als eine der häufigsten erblichen Erkrankungen des peripheren Nervensystems. In Deutschland sollen mindestens 30000 Menschen unter der Krankheit leiden. „Aufgrund eines Gendefektes entwickeln Patienten mit der CMT-Erkrankung eine langsam fortschreitende Nervenschädigung“, erläutern die Göttinger Wissenschaftler. „Die ersten Symptome wie Gehschwierigkeiten oder Fußdeformitäten können bereits im Kindesalter auftreten. Später kommt es zu Sensibilitätsstörungen wie Taubheit, Kribbeln und Schmerzen und es schwindet zunehmend die Kraft in Beinen und Armen. In seltenen Fällen sind Patienten an den Rollstuhl gefesselt.“

Die Ursache von CMT ist ein Mangel an Myelin. Die Fortsätze der Nervenzellen, die Axone, sind von Stützzellen umgeben. Diese werden Schwannzellen genannt und isolieren die Axone mit einer fettreichen Schicht, dem Myelin. Die Umhüllung der Nervenzellen ist notwendig, um elektrische Impulse in die Peripherie des Körpers weiterzuleiten.

Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern

Forscher des Max-Planck-Instituts und der Universitätsmedizin Göttingen haben in Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern aus Leipzig, Würzburg, Heidelberg und Aachen entdeckt, dass die Schwannzellen bei Patienten mit CMT nicht ausreichend Myelin, also die fettreiche Isolierung für die Nervenzellen, bilden. „Bei der CMT-Erkrankung bleiben viele Nervenfasern ohne Myelin, und sind damit in ihrer Funktion beeinträchtigt.“ erklärt der Erstautor der Studie, Dr. Robert Fledrich, Institut für Anatomie der Universität Leipzig und Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin.

Durch Experimente mit genetisch veränderten Ratten fanden die Forscher heraus, dass sich die Fettproduktion der Schwannzellen mit Lecithin verbessern lässt. Lecithin ist ein Nahrungsergänzungsmittel und wird beispielsweise aus Soja oder Eigelb gewonnen. Die Experimente hätten bewiesen, dass die im Lecithin enthaltenen Stoffe von den Schwannzellen aufgenommen und für die Myelinproduktion verwendet werden können, so die Göttinger Wissenschaftler.

Lecithin kann Krankheitsverlauf lindern“

Die Behandlung der Ratten mit Lecithin hätte gezeigt, dass diese „maßgeblich den Krankheitsverlauf lindert und zwar unabhängig vom Behandlungsbeginn“, sagt Dr. Ruth Stassart, Oberärztin der Abteilung Neuropathologie der Universität Leipzig, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, und Co-Leiterin der Studie.

Die Ergebnisse der Studie seien sehr vielversprechend und ließen sich möglicherweise auch auf andere ähnliche Erkrankungen übertragen, Michael Sereda, Oberarzt an der Klinik für Klinische Neurophysiologie der UMG, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut und Seniorautor der Studie. Die beteiligten Neurowissenschaftler würden bereits daran arbeiten, die gewonnen Erkenntnisse für Patienten nutzbar zu machen. Die Studie wurde im Wissenschaftsjournal „Nature Communication“ veröffentlicht.

Von Max Brasch

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